Author: Manuel Uez

Positionspapier der AÖL - Notwendige Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“

Positionspapier der AÖL. Auf dem Weg zum Bio-Musterländle – Notwendige Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“

Das Volksbegehren Artenschutz, initiiert von zwei Bio-Imkern, stößt in der baden-württembergischen Bevölkerung auf großes Wohlwollen. Die Vielzahl an gesammelten Unterschriften für das Begehren zeigen den Wunsch der Bevölkerung nach einer schnelleren Ausweitung des ökologischen Landbaus und nach mehr heimischem Qualitäts-Bio. Auch wenn die Politik in den letzten Jahren erste wichtige Anreize gesetzt hat, bedarf es zusätzlicher Maßnahmen und Mittel, um Baden-Württemberg flächenhaft zum Bio-Musterländle zu machen.

Als Vertretung der heimischen Bio-Bauern rufen wir die grün-schwarze Landesregierung zum Handeln auf, den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ auf dem Weg zu 50 Prozent Ökolandbau in Baden-Württemberg couragiert weiterzuentwickeln und die dafür notwendigen Finanzmittel im Rahmen der Verhandlungen des Doppelhaushalts 2020 / 2021 bereitzustellen.

Die grün-schwarze Landesregierung muss in der Umsetzung deutlich schneller als bisher vorankommen, um die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg zum Wohle der Umwelt und der nachfolgenden Generationen nachhaltig zu stärken. Um Marktverwerfungen zu vermeiden, muss dieser Weg insbesondere auf die Stärkung von Absatz und Nachfrage ausgerichtet werden. Folgende konkrete Maßnahmen müssen durch die baden-württembergische Landesregierung zeitnah und dringlich beschlossen werden:

I. Reform der beruflichen Ausbildung und zeitgemäße Berücksichtigung der Themen des ökologischen Landbaus in den Lehrplänen

Der ökologische Landbau sowie die Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln soll in allen Bereichen der schulischen und beruflichen Ausbildung – in den sogenannten Grünen Berufen ebenso wie im Lebensmittelhandwerk und der ganzen Ernährungsbranche – fest etabliert werden. Damit soll der heranwachsenden Generation das notwendige Wissen über die Öko-Produktion vermittelt werden. Die Landesregierung stellt hierfür eine angemessene und dem aktuellen Stand des ökologischen Landbaus entsprechende Berücksichtigung seiner Themen in der beruflichen Ausbildung sicher und verankert die Themen und Fragestellungen des ökologischen Landbaus in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen.

Hierzu sei auf Hessen verwiesen: Die dortige Landesregierung hat, basierend auf dem bundesweit gültigen Rahmenlehrplan, regionale Ergänzungen („Öko-Komponenten“) beschlossen und in die Umsetzung gebracht. Wir fordern die hiesige Landesregierung dazu auf, diesen regionalen „Spielraum“ zu nutzen und den baden-württembergischen Lehrplan zeitnah um moderne und zukunftsgerichtete Lehrinhalte zum ökologischen Landbau zu ergänzen und nachfolgend zu überprüfen.

Zuständig: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab Beginn 2020

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

II. Umsetzung der Koalitionszusage im Bereich der ökologischen Praxisforschung

In der Koalitionsvereinbarung ist die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Ökolandbauforschung hinterlegt, um zukünftig die über das Land verteilten Aktivitäten in der ökologischen Praxisforschung strukturell und konzeptionell zusammenzuführen. Die Landesregierung bekennt sich zu ihrer Koalitionszusage und beschließt die hierfür notwendigen personellen und strukturellen Ressourcen. Die Forschung wird zu Fragestellungen des Öko-Landbaus noch stärker auf die Praxis ausgerichtet. So soll ein Praxis-Forschungsbetriebsnetz aufgebaut werden, um Forschung, Praxis und Wissenstransfer enger zu verknüpfen. Ergänzend baut das Land die Beforschung von Themen und Fragestellungen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft an allen seinen Landesanstalten bis 2030 auf 30 Prozent aus.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: umgehend

Finanzrahmen: 180.000 € jährlich für Personalstellen, die den Aufbau des Praxisforschungsnetzwerks koordinieren. Aktivitäten an den Landesanstalten: Mittels Umschichtung.

 

III. Neuordnung der Zuständigkeiten am Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Emmendingen-Hochburg

Am Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Emmendingen-Hochburg (KÖLBW) sollte der ökologische Landbau im Bereich Bildung, Praxis und Forschung gestärkt werden. Hierzu ist festzuhalten, dass die Entfaltung der Möglichkeiten des KÖLBW in den zurück-liegenden Jahren an unklaren Zuständigkeiten und an einem fehlenden Gesamtkonzept litt. Damit das KÖLBW die mit seiner Einrichtung verbundenen Erwartungen erfüllen kann, beschließt die Landesregierung eine Neuordnung der Zuständigkeiten für sämtliche Konzepte und Aktivitäten des KÖLBW.

Zudem wird das schleppende Verfahren zur Ertüchtigung des vor Ort befindlichen Praxisbetriebs beschleunigt, sodass der von der Landespolitik angestrebte Vorzeigebetrieb bis spätestens Ende 2022 Realität ist.

Zuständig: Ministerium für Finanzen und Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: umgehend

Finanzrahmen: Zusätzliche Personalstelle, die die Aktivitäten auf der Domäne Hochburg Emmendingen in Gänze ordnet. Beschlossene Mittel für die Ertüchtigung des Praxisbetriebs werden in den Doppelhaushalt 2020 / 2021 vorgezogen.

 

IV. Klares Bekenntnis zum ökologischen Landbau in der Forschungspolitik des Landes

Aktuell werden bundesweit gerechnet lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für die Beforschung des ökologischen Landbaus verwendet. Damit die Ausweitung des ökologischen Landbaus im Lande erreicht wird, setzt sich die Landesregierung dafür ein, 30 Prozent der Forschungsmittel im Agrarbereich für Forschung zum ökologischen Landbau zu verwenden. Die Landesregierung wirft auf nationaler Ebene all ihren Einfluss in die Waagschale, um im Bereich Bildung und Forschung das Innovationspotenzial von Bio zu heben. Neben dem Landwirtschaftsministerium setzt sich insbesondere das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau dafür ein, im Bund eine Neuausrichtung der Agrarforschung an den veränderten Bedürfnissen zu realisieren.

Zuständig: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: umgehend

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

V. Ökologisierung der Landesanstalten

Weitere Staatsgüter und -domänen sollen als Vorbild und Musterlandwirtschaft in Sachen ökologischer Landbau aus- bzw. umgebaut werden. Insbesondere umzusetzen ist die Umstellung des HUL Marbach auf ökologischen Landbau und die Berücksichtigung des ökologischen Landbaus beim Wiederaufbau der Rinderstalls beim LAZBW in Aulendorf.

Zuständig: Ministerium für Finanzen, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Noch zu klären

 

V. 1. Anerkennung der Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme Immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche fällt dem Flächenfraß zum Opfer. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und um mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen zu erhalten, anerkennt die Landesregierung (wie dies in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis ist) die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung im Zuge der Neufassung der Ökokonto-Verordnung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur.

Zuständig: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (federführend), Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig, da aus dem vorhandenen Budget des Ökokontos bestritten

 

V. 2. Beschluss und Umsetzung einer Kampagne für mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung in ausgewählten Bio-Musterregionen

Um insbesondere in ausgewählten Regionen ins Handeln zu kommen, beschließt die Landesregierung eine Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung in ausgewählten Bio-Musterregionen. Diese beinhaltet eine Herausarbeitung und Weiterverbreitung erfolgreicher Konzepte des Bio-Außer-Haus-Marktes und die Vernetzung entsprechender Öko-Erzeugungs- und -Belieferungsketten „vom Acker bis zum Teller“.

Zuständig für die Kampagne: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab Winter 2019/2020

Finanzrahmen: Jährlich 500.000 € angelegt auf fünf Jahre. Aus Mitteln des Doppelhaushalts 2020 / 2021

 

V. 3. Beschluss und Umsetzung einer Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung

Bio in der Außer-Haus-Verpflegung gilt als zentraler Pioniermärkte für die Verwendung von Öko-Produkten – eine Ausweitung deren Anteils in den landeseigenen Kantinen ist daher naheliegend. Die Landesregierung beschließt daher dort die Verwendung eines Anteils von 50 Prozent an regionalen und Bio-Lebensmitteln bis zum Jahr 2030. Die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung wird als wirksames Instrument für die Absatzsteigerung von Bio-Produkten genutzt und damit die ökologische Ernährung insgesamt befördert. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde beispielsweise in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 Prozent in allen öffentlichen Einrichtungen nahezu kostenneutral erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert.

Damit auch in der sonstigen Außer-Haus-Verpflegung künftig verstärkt auf Bio gesetzt wird, beschließt die Landesregierung eine breit angelegte Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung. Eine unterstützende Kampagne zeigt auf, wie Bio in der Außer-Haus-Verpflegung funktioniert und macht Köchen Lust auf die Verwendung von Bio-Produkten. Zu beachten gilt es dabei eine systematische Berücksichtigung der Öko-Erzeugungs- und -Belieferungsketten „vom Acker bis zum Teller“.

Konkret beinhaltet die Kampagne die nachfolgenden Elemente:

  1. Analyse der Versorgungsketten in der Gemeinschaftsverpflegung;
  2. Vernetzung von Erzeugern, Verarbeitern und Großküchen;
  3. Entwicklung einer landesweiten Kommunikationskampagne;
  4. Beratung von Großküchen bei der Beschaffung von Biolebensmitteln und regionalen Produkten;
  5. Informations- und Weiterbildungsangebote für Küchenpersonal/Verpflegungs- verantwortliche;
  6. Informations- und Weiterbildungsangebote für Kita- und Schulträger;
  7. Lehrerfortbildungen zum Thema „Nachhaltige Ernährung“;
  8. Schaffung einer zusätzlichen Arbeitskraft zur Beratung von Kitas und Schulen hinsichtlich des Einsatzes von Biolebensmitteln.

Zuständig für die Kampagne: Ministerium für Ländlichen Raum; vergibt Auftrag per Aus-schreibung an kompetente Agentur

Zeitplan: Implementierung ab Winter 2019 / 2020

Finanzrahmen: Jährlich 550.000 € angelegt auf acht Jahre. Aus vorhandenen Mitteln der Nachhaltigkeitsstrategie oder Mitteln des Doppelhaushalts 2020 / 2021

IX. Umbau der staatseigenen Unternehmen zu „Leuchttürmen“ der ökologischen Ernährungsindustrie

Die Landesregierung beschließt einen verbindlichen „Fahrplan“ zur Umstellung der landeseigenen Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie werden zu „Botschaftern“ für den ökologischen Landbau umgebaut. Für die Staatsbrauerei Rothaus wird der Einsatz von 50 Prozent Bio-Rohstoffen verankert und die schrittweise Bio-Umstellung eingeleitet.

Zuständig: Ministerium für Finanzen (federführend), Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Beginn der Maßnahme Ende 2019, Umsetzung schrittweise

Finanzrahmen: Noch nicht absehbar, hängt von Umfang der Maßnahmen ab

 

X. Beschluss und Umsetzung einer Projektförderung für die Realisation von Öko-Aktionswochen

Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen, beschließt die Landesregierung die Projektförderung für die Durchführung jährlicher „Aktionswochen Ökologischer Landbaus“ begleitet durch ein zeitgemäßes Marketingkonzept. Mittels einer modernen Marketingkampagne und vernetzt mit den bereits bestehenden Marketinginstrumenten des Landes werden Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln informiert. Die durch eine unabhängige Marketingagentur konzipierte Kampagne wirbt zeitgemäß für „heimisches Bio“.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Jährliches Budget für die „Aktionswochen Ökologischer Landbau“ 150.000 €

 

XI. Beschluss und Umsetzung einer Marketingkampagne zur Heraushebung der positiven gesellschaftlichen Leistungen des Sektors gegenüber einer breiten Öffentlichkeit

Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen, beschließt die Landesregierung die Finanzierung einer modernen Marketingkampagne. Diese informiert Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln. Die durch eine unabhängige Marketingagentur konzipierte Kampagne wirbt zeitgemäß für „heimisches Bio“.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Einmaliges Budget für Erstellung moderne und zeitgemäße Marketingkampagne: 325.000 €. Anschließend 100.000 € jährlich

 

XII. Kampagne zur Ökologisierung des Lebensmittelhandwerks und der Gastronomie

gemeinsam mit der Bäckerinnung, der Metzgerinnung und der DEHOGA

Zuständig: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Frühjahr 2020

Finanzrahmen: 300.000 €

 

XIII.Beschluss und Umsetzung von „Bauer-zu-Bauer-Gesprächen“ zur messbaren Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln

Als Beitrag zum Strategie des Landes zur Reduzierung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und eingebettet in das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ werden „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ installiert. „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ sind eine in der Praxis erprobte, überaus wirksame Methode, um mittels Gedanken- und Informationsaustausch auf Ebene von Praktikern erheblich zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln hinzuwirken. Die Weitergabe der Erfahrungen von Praktiker zu Praktiker liefert die besten Argumente für eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Die „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ werden begleitet durch eine adäquate Einbindung der Erzeugerberatung in den Themenbereichen Ackerbau und Biodiversität.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab 2020

Finanzrahmen: Aus Finanzmitteln des Sonderprogramms Biodiversität

 

XIV. Beschluss und Umsetzung eines Projekts „Grundwasserschutz durch ökologischen Landbau“

Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat ist nach wie vor problematisch. Als Hauptverursacher gilt vor allem die Landwirtschaft. Seit 1995 liegt der jährliche Bilanzüberschuss von Stickstoff auf konventionellen Betrieben bei knapp 100 Kilogramm pro Hektar. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass von diesen Überschüssen mehr als die Hälfte des Stickstoffs ins Grundwasser ausgewaschen werden. Je nach Bodenart, Klima und Niederschlagsmenge können diese Werte regional sogar noch höher ausfallen. Für kommunale Wasserversorger ist dieser übermäßige Eintrag ein großes Problem. Denn für jedes Kilogramm Stickstoff, das aus dem Wasser gefiltert werden muss, fallen laut einer wissenschaftlichen Studie Kosten in Höhe von fünf bis 15 Euro an.

Studien belegen, dass auf ökologisch genutzten Acker- und Grünlandflächen durchschnittlich nur halb so viel Stickstoff ausgewaschen wird wie bei konventioneller Bewirtschaftung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil des ökologischen Landbaus ist der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und ein deutlich geringerer Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Beides sind Problemstoffe, die bei der Trinkwasseraufbereitung zusätzliche Schwierigkeiten bereiten und Kosten verursachen.

Die baden-württembergische Landesregierung bekennt sich mit einem Projekt „Grundwasserschutz durch ökologischen Landbau“ dazu, die Herausforderung Grundwasserschutz konkret anzugehen und mittels eines Projekts Lösungswege in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Flächennutzung aufzuzeigen. Das Projekt wird durch eine Kommunikationskampagne begleitet, die die Vorteile grundwasserschonender Landbewirtschaftungsmethoden herausstellt.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Zeitplan: Implementierung ab 2020

Finanzrahmen: Jährlich 500.000 € angelegt auf fünf Jahre

 

XV. Umbau der Agrarumweltprogramme des Landes

Um zu einer erheblichen Steigerung des Anteils ökologisch bewirtschafteter Flächen hinzuwirken, müssen die Agrarumweltprogramme des Landes systematisch auf Nachhaltigkeitsziele ausgerichtet und insbesondere die Kombinierbarkeit unterschiedlicher Maßnahmen für ökologisch wirtschaftende Erzeugerbetriebe ausgerichtet werden. Die neu zu konzipierenden Maßnahmen müssen künftig daran ausgerichtet werden, dass Wasser, Böden und Klima geschützt, Tiere artgerecht gehalten und bäuerlich geführten Betrieben neuen Perspektiven aufgezeigt werden. Die Öko-Branche zeigt mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP, wie Steuergeld zielgenau und ohne Strukturbrüche für eine zukunftsfähige Landwirtschaft verwendet werden kann – und damit auch die Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft erfüllt werden (siehe www.boelw.de/gap2020). Die baden-württembergische Landesregierung bekennt sich zu diesem Modell und engagiert sich auf Bundesebene für dessen Umsetzung.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

XVI. Finanzielle Sicherstellung der Agrarumweltmaßnahmen Umstellung und Bei-behaltung der ökologischen Wirtschaftsweise

Im Rahmen der laufenden Diskussion um die Ausgestaltung der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 setzt sich die Landesregierung auf der Grundlage des Beschlusses des Bundesrates für die Sicherstellung der ausreichenden Finanzierung des Ausbauziels 30 bis 40 Prozent Ökologischer Landbau bis 2030 in Baden-Württemberg ein. Ebenso sind ausreichende Ko-Finanzierungsmittel in den kommenden Landeshaushalten einzustellen.

Die Landesregierung setzt sich für eine ausreichende Finanzierung der Förderung des ökologischen Landbaus im Zuge des landeseigenen Agrarumweltprogramms FAKT ein und stellt die Fortführung der beiden Maßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise sicher. Die Betriebe müssen sich darauf verlassen können, dass die Förderung der Umstellung wie auch der Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise ohne Unterbrechung nach 2020 gewährleistet ist.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

XVII. Verstetigung einer von der Landesregierung organisierten Wissenschaftstagung zum ökologischen Landbau im zweijährigen Rhythmus

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Aus bestehenden Haushaltsmitteln / mittels Umschichtung

 

XVIII. Ausrufung und Einrichtung weiterer Bio-Musterregionen

zur Beförderung des heimischen ökologischen Landbaus. Mit dem Ansatz der Bio-Musterregionen wird das Engagement aller Beteiligten und das Bewusstsein der Bürger in den einzelnen Regionen für die ökologische Land-und Lebensmittelwirtschaft nachhaltig gestärkt und gefördert Die bestehenden Bio-Musterregionen werden – nach einer Evaluation – um drei Jahre verlängert und anschließend in eine gleitende „Auslaufphase“ überführt, sodaß es eine insgesamt Perspektive für die Bio-Musterregionen von 9 Jahren ergibt.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Frühjahr 2020

Finanzrahmen: Je Bio-Musterregion und Jahr 100.000 €, aus Mitteln des Nachtragshaushalts 2020 / 2021

 

XIX. Stärkung der zuständigen Verwaltungsstrukturen

Die Landesregierung nimmt die Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ zum Anlass, das für den ökologischen Landbau zuständige Referat innerhalb des Landwirtschaftsministeriums als auch die zuständige Kontrollbehörde für den ökologischen Landbau beim Regierungspräsidium Karlsruhe personell und finanziell adäquat zu den Herausforderungen der Branche auszustatten.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab Beginn 2020

Finanzrahmen: zusätzliche Finanzmittel müssen spätestens im Doppelhaushalt 2020/21 zur Verfügung gestellt werden

 

Ergänzung von weinbauspezifischen Maßnahmen

Das Land-Baden-Württemberg ist mit den Anbaugebieten Baden (ca. 15.000ha) und Württemberg (ca. 10.000ha) das zweitgrößte weinbautreibende Bundesland in Deutschland.

Einerseits stellt gerade der Weinbau mit der Ausprägung der spezifischen Kulturlandschaft zum Tourismus im Land einen wichtigen Baustein dar. Die hier erzeugten Weine sind in der Region identitätsschaffend. Die im gesamten Bundesgebiet und auch Ausland konsumierten Badischen und Württemberger Weine sind Botschafter und Aushängeschilder für unser Land im In- und Ausland. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Sonderkultur Weinbau leider im Vergleich zu vielen anderen landwirtschaftlichen Sparten einen besonders hohen Schutz insbesondere gegenüber pilzlichen Erkrankungen erforderlich macht. Aus diesem Grund gerät der Weinbau im Zusammenhang mit jeglicher Forderung nach Reduktion von Pestiziden sofort ins Blickfeld und steht gerade in den aktuellen Diskursen unter direktem Beschuss.

Das Konzept des biologischen und biodynamischen Weinbaues weist umfangreiche zukunftsweisende Aspekte auf: Düngung ohne synthetische Stickstoffdünger, Aufbau und Entwicklung natürlicher Bodenfruchtbarkeit, Förderung von Insekten und Kleintieren für eine hohe Diversität und stabile Nützlings-Schädlings-Gleichgewichte. Darüber hinaus ist das große Potential für qualitativ hochwertige Weine. Dies nur um einige Vorzüge zu nennen.

 

Aus diesen Gründe sind nicht nur alle biologisch arbeitenden Winzerinnen und Winzer im Land davon überzeugt, dass sie auf dem richtige Wege sind, und schätzen auch die Anerkennung der Öffentlichkeit und ihrer Kunden. Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass das Interesse von bisher konventionell arbeitenden Weinbaubetrieben für eine Umstellung auf biologischen Weinbau außerordentlich hoch ist. Aber leider: Der Schritt zum Bioweinbau ist gerade auf Grund der im Bioweinbau nicht gelösten Frage der Pflanzengesundheit im Hinblick auf die Mehltaupilzkrankheiten mit solch hohem Risiko verbunden, dass der Anteil des Bioweinbaues sich kaum entwickelt. Vielmehr ist sogar festzustellen dass der Anteil der Bioweinbaufläche in Baden-Württemberg (ca. 8%)an der Gesamtfläche im Vergleich zum Verhältnis der Biolandbaufläche (ca. 14%) zur gesamten LW-Fläche nur wenig mehr als halb so hoch ist.

 

Wir möchten daher auf einige konkrete Maßnahmen hinweisen, den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ in Bezug auf die Sonderkultur Weinbau ergänzen. Kristallisationspunkte sind dabei in der Tat Möglichkeiten zur Verbesserung der Rebengesundheit bei gleichzeitiger Reduktion von Pestiziden.

XX. Stärkung eines zukunftsfähigen Weinbaus mit widerstandsfähigeren Reben durch adäquate Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen

Die AÖL weist seit vielen Jahren darauf hin, dass langfristig ein zukunftsfähiger Weinbau nur mit widerstandsfähigeren Reben möglich sein wird. Dazu hat das Land Baden-Württemberg durch die Rebzüchtungsarbeiten am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg über viele Jahrzehnte großartige Vorarbeit geleistet und kann längst ein Repertoire an interessanten Sorten anbieten. Mit dem Anbau von PIWIs kann der Pflanzenpflegemittelaufwand nachweislich unmittelbar um mindestens 70% des sonst anfälligen Einsatzes zurückgeführt werden. Das ist die Mindesteinsparung. Viele Betriebe können ihre Pflanzenschutzmaßnahmen in den PIWI-Anlagen auf Null zurückfahren. Sie bieten ganz offensichtlich riesigen Fortschritt.

In vielen Gesprächen weisen wir seit Jahren darauf hin, dass die Vermarktung der aus diesen Sorten gewonnenen Weine sehr schwer ist, weil diese Sorten und deren Vorzüge im Anbau und Vorzüge für die Umwelt zu wenig bekannt sind. Hier sind weitreichende gemeinsame Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen notwendig. Konzepte für solche Maßnahmen sind bereits in verschiedenen Gremien erarbeitet worden, es geht nun halt um die finanziellen Mittel zu deren Umsetzung.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab Beginn 2020

Finanzrahmen: zusätzliche Finanzmittel müssen spätestens im Doppelhaushalt 2020/21 zur Verfügung gestellt werden

 

XXI. Einsatz für die Zulassung von phosphonathaltigen Pflanzenbehandlungspräparaten

Mittelfristig gibt es klare Konzepte, um konkret die Kupferaufwendungen im Bioweinbau zu reduzieren bei gleichzeitiger Verbesserung der Produktionssicherheit. Die Zulassung von phosphonathaltigen Pflanzenbehandlungspräparaten ist eine ganz konkrete Forderung, die die Entwicklung und Ausbreitung des biologischen Anbaues in ganz kurzer Zeit massiv vorantreiben würde und gleichzeitig die Anzahl von Behandlungsmaßnahmen im Bioweinbaubereich reduzieren könnte.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab Beginn 2020

Finanzrahmen: keine

 

XXII. Ausbau der Forschung- und Versuchstätigkeit in den Landeseinrichtungen LVWO Weinsberg und WBI Freiburg

Die Forschung- und Versuchstätigkeit in den Landeseinrichtungen LVWO Weinsberg und WBI Freiburg muss aufrechterhalten und weiterentwickelt werden. Die Verbände der AÖL stehen zur fachlichen Begleitung gerne zur Verfügung.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab Beginn 2020

Finanzrahmen: keine. Umwidmung bestehender Personalstellen

 

XXIII. Stärkung des Beratungsdienst ökologischer Weinbau e.V.

Der Beratungsdienst ökologischer Weinbau e.V., der umfangreich in ganz Baden-Württemberg nicht nur biologisch arbeitende Betriebe, sondern vermehrt konventionelle Betriebe berät, könnte zur Ausbreitung von biologischen Maßnahmen im Rebbau in Baden-Württemberg viel leisten. Wir schlagen daher eine im Beratungsdienst integrierte zusätzliche Beratungskraft vor als Chance, viele Weinbauunternehmen zum Umstellung auf biologischen Anbau zu gewinnen.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab Beginn 2020

Finanzrahmen: zusätzliche Finanzmittel müssen spätestens im Doppelhaushalt 2020/21 zur Verfügung gestellt werden

 

Hintergrund

Im Jahr 2012 hat die baden-württembergische Landesregierung den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ mit den expliziten Zielen aufgelegt, die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung zum ökologischen Landbau sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten zu Fragestellungen des ökologischen Landbaus zu fördern. Weiterhin bekannte sich die Landesregierung seinerzeit dazu, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verbessern und den Neueinstieg in die Öko-Bewirtschaftung zu erleichtern. Zudem sollte mittels konkreter Maßnahmen die Vermarktung regional erzeugter Bio-Produkte unterstützt werden.

Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung (erneut) dazu bekannt, den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Mit dem Zitat „Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“ nimmt die Koalitionsvereinbarung an prominenter Stelle hierauf Bezug. In den zurückliegenden Monaten bekräftigte der zuständige Landwirtschaftsminister Peter Hauk diesen Weg, indem er das Ziel „30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030“ ausrief. Das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Biene“ strebt gar 50 Prozent Bio-Anbau bis 2035 an. Aufgrund der für den ökologischen Landbau sehr günstigen strukturellen und naturräumlichen Gegebenheiten im Land (u. a. hohe Kaufkraft, bewusst handelnde Konsumenten, relative Kleinstrukturiertheit der hiesigen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, vielfach noch bäuerlich geprägte Landwirtschaftsbetriebe) hält die AÖL eine stetige Steigerung der Flächen und Umsätze im ökologischen Landbau für richtig und bei einem entsprechend förderlichen politischen Rahmen auch für realistisch umsetzbar.

Nicht nur bezogen auf die im Jahr 2012 ausgerufenen Ziele, sondern auch aufgrund der Aussagen im Koalitionsvertrag mahnt die AÖL als Sektorvertretung im Namen der Umwelt und nachfolgender Generationen ein deutlich schnelleres Tempo bei der Zielerreichung an. Insbesondere bei der Umsetzung der Aussagen des Koalitionsvertrags hinkt die derzeitige Landesregierung dem Zeitplan teilweise deutlich hinterher. Konkret zugesichert wurde im Koalitionsvertrag die Bewertung und Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die unter Einbezug des Sektors das seit 2012 Erreichte bewertete und einen breiten Dialogprozess vorbereitete. Im Zuge eines Dialogworkshops mit rund 180 Akteurinnen und Akteuren aus der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aus dem Land wurden im Frühjahr 2018 die Erfordernisse für den Sektor diskutiert und erste konkrete Maßnahmen entwickelt.

Der Workshop gliederte sich dabei in acht Themenfelder, in denen Handlungsbedarfe identifiziert wurden:

  • Bildung für mehr Ökolandbau;
  • Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau: Stärkung des Netzwerks Praxis, Beratung, Forschung;
  • Zukunft der Öko-Kontrolle nach der Revision der EU-Öko-Verordnung;
  • Öko-Marktpartner: Angebot & Nachfrage zusammenbringen;
  • Bio-Konsument/-innen der Zukunft?
  • Bio in der Außer-Haus-Verpflegung: Chancen und Hürden;
  • Bio-Stadt-Land-Partnerschaft;
  • Nächste Generation Ökolandbau.

Im Nachgang des Workshops wurden diese Handlungsfelder auf sechs konkrete Themenbereiche verdichtet:

  • Herausforderungen in den Bereichen Erzeugung und Verarbeitung;
  • Herausforderungen in den Bereichen Bildung, Beratung, Forschung & Fachinformationen;
  • Herausforderungen in den Bereichen Vermarktung und Marketing;
  • Herausforderungen in den Bereichen Öko-Kontrolle und Recht;
  • Herausforderungen in den Bereichen Information, Nachfrage und Genuss;
  • Herausforderungen hinsichtlich allgemeiner Rahmenbedingungen und Projekte für mehr Öko-Landbau.

Die aufgrund der fundierten Analyse identifizierten Themenfelder bilden aus Sicht der AÖL eine hervorragende Grundlage, um hierauf aufbauend konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Diese Maßnahmen gilt es, basierend auf einem Zeitplan und einem soliden Finanzierungskonzept, anzugehen und mit Unterstützung der Sektorbeteiligten in die Umsetzung zu bringen.


AÖL fordert die Landesregierung erneut zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ auf

AÖL fordert die Landesregierung erneut zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ auf
Landesregierung soll Weg zum Bio-Musterländle Baden-Württemberg weiter ausbauen

Esslingen, 16. August 2019. Als Vertretung der heimischen Bio-Bauern ruft die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau die grün-schwarze Landesregierung dazu auf, den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ couragiert weiterzuentwickeln und die dafür notwendigen Finanzmittel im Rahmen der Verhandlungen des Doppelhaushalts 2020 / 2021 bereitzustellen. Vorangegangen ist dieser Forderung bereits ein Aufruf der AÖL an die Landesregierung im vergangenen Dezember.

„Auch wenn die Politik in den letzten Jahren erste wichtige Anreize gesetzt hat, bedarf es zusätzlicher Maßnahmen und Mittel, um Baden-Württemberg flächenhaft zum Bio-Musterländle zu machen“, so AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert. Der breite Zuspruch der Bevölkerung für das Volksbegehren Artenschutz, initiiert von zwei Bio-Imkern, zeige nicht zuletzt den Wunsch der Menschen nach einer Ausweitung des ökologischen Landbaus und nach mehr heimischem Qualitäts-Bio. Das Volksbegehren fordert die Landesregierung dazu auf, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche bis ins Jahr 2035 auf 50 Prozent auszuweiten.

Die grün-schwarze Landesregierung muss in der Umsetzung des Aktionsplans also deutlich schneller als bisher vorankommen, und die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg zum Wohle der Umwelt und der nachfolgenden Generationen nachhaltig zu stärken. Um Marktverwerfungen zu vermeiden, muss dieser Weg insbesondere auf die Stärkung von Absatz und Nachfrage ausgerichtet sein.

Die AÖL verbindet ihre Aufforderung mit dem Wunsch, dass die baden-württembergische Landesregierung die Positionen der AÖL zeitnah und dringlich finanziell unterfüttert, beschließt und gemeinsam mit ihnen als Sektorvertretung in die Umsetzung bringt.

Lesen Sie hier das von der AÖL veröffentlichte ausführliche Positionspapier zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“.

Zum Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“: Im Jahr 2012 hat die baden-württembergische Landesregierung den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ mit den expliziten Zielen aufgelegt, die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung zum ökologischen Landbau sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten zu Fragestellungen des ökologischen Landbaus zu fördern. Weiterhin bekannte sich die Landesregierung seinerzeit dazu, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verbessern und den Neueinstieg in die Öko-Bewirtschaftung zu erleichtern und konkrete Maßnahmen zur Vermarktung regional erzeugter Bio-Produkte zu unterstützen. Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung (erneut) dazu bekannt, den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln.

Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen: Xenia Milosavljevic, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstraße 49, 73728 Esslingen, T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: xenia.milosavljevic@aoel-bw.de

Download PDF: Positionspapier der AÖL.

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Pressemitteilung: Studie der Bundesforschungsanstalt mahnt Neuausrichtung der Agrarpolitik an

Esslingen / Nürtingen, 21. Februar 2019. Die diesjährige Wintertagung Ökologischer Landbau stand unter dem Motto „Bio-Biodiversität – Erkenntnisse, Erfolge und Erfordernisse“. Im Zentrum der Tagung stand die Frage, welches Umsteuern in der Agrarpolitik die Studie des Krefelder Entomologenvereins (Hallmann et al. 2017) aus dem Jahr 2017 erforderlich macht – und welchen Anteil der ökologische Landbau zu diesem Umsteuern beitragen kann.

Neben einer breiten Palette von Beiträgen aus der Praxis wurden auf der Tagung auch neueste, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über die Umwelt- und insbesondere Biodiversitätswirkungen des ökologischen Landbaus vorgestellt. Als einer der beiden Hauptautoren stellte Dr. Jürn Sanders vom Thünen-Institut – erstmalig in Baden-Württemberg – die wesentlichen Ergebnisse der Studie „Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft“ vor. In einem interdisziplinären Verbundprojekt hat die Bundesforschungsanstalt in Braunschweig darin die Leistungen des ökologischen Landbaus mit denen der herkömmlichen Landwirtschaft verglichen. Die Studie, an der rund 22 Wissenschaftler beteiligt waren und in die 30 Jahre Forschungserkenntnisse zum ökologischen Landbau eingeflossen sind, ist von ihrem Umfang und der gewählten Methodik einzigartig. Insgesamt wurden 528 Studien ausgewertet und 2.816 Vergleichspaare „öko“ versus „konventionell“ für die Auswertung herangezogen.

Folgt man den Ausführungen von Dr. Sanders, so erbringt die ökologische Landwirtschaft in weiten Teilen hervorragende Gemeinwohlleistungen. Eine ökologische Bewirtschaftung leistet deutlich mehr für den Erhalt der Artenvielfalt, sorgt für saubereres Grundwasser und eine höhere Bodenfruchtbarkeit und mindert die landwirtschaftlich bedingten Erosionsgefahren. Aus Sicht der AÖL weist die Studie damit den Weg zur dringend erforderlichen Neuausrichtung der Agrar- und Umweltpolitik: „Landes- wie Bundesregierung müssen den Erkenntnissen der Bundesressortforschung folgen und zügig konkrete und schnell umsetzbare Maßnahmen zur Beförderung des ökologischen Landbaus ergreifen, um damit die für unsere Zukunft dringend notwendige Agrarwende einzuleiten. Auf Landesebene haben wir der Politik zu Jahresbeginn das hierfür notwendige Maßnahmenpaket übermittelt. Dieses gilt es nun endlich finanziell zu unterfüttern und gemeinsam mit dem Sektor in die Umsetzung zu bringen“, so Dr. Christian Eichert als Sprecher der Ökolandbau-Verbände heute in Nürtingen.

Die derzeit laufende Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union gälte es dabei beherzt zu nutzen. „Mehr ökologischer Landbau ist dabei ein wichtiger Baustein zu der von der Gesellschaft dringend angemahnten Pestizidreduktionsstrategie“, so Dr. Eichert abschließend.

Hintergrund Wintertagung: Die Wintertagung Ökologischer Landbau Baden-Württemberg wird gemeinsam von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen (HfWU), der Universität Hohenheim, der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (AÖL), dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) organisiert.


Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Dr. Christian Eichert, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen

+49 711 550939-45, M. +49 160 7406015, E-Mail: christian.eichert@bioland.de


Pressemitteilung: Positionspapier zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus BW“ veröffentlicht

Die grün-schwarze Landesregierung muss endlich ins Handeln kommen, um ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg nachhaltig zu stärken. Die Öko-Verbände beziehen Position…

Im Jahr 2012 hat die baden-württembergische Landesregierung den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ mit den expliziten Zielen aufgelegt, die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung zum ökologischen Landbau sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten zu Fragestellungen des ökologischen Landbaus zu fördern. Weiterhin bekannte sich die Landesregierung seinerzeit dazu, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verbessern und den Neueinstieg in die Öko-Bewirtschaftung zu erleichtern. Zudem sollte mittels konkreter Maßnahmen die Vermarktung regional erzeugter Bio-Produkte unterstützt werden.

Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung (erneut) dazu bekannt, den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Mit dem Zitat „Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“ nimmt die Koalitionsvereinbarung an prominenter Stelle hierauf Bezug. In den zurückliegenden Monaten bekräftigte der zuständige Landwirtschaftsminister Peter Hauk diesen Weg, indem er das Ziel „30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030“ ausrief. „Aufgrund der für den ökologischen Landbau sehr günstigen strukturellen und naturräumlichen Gegebenheiten im Land halten wir dieses Ziel für richtig und bei einem entsprechend förderlichen politischen Rahmen auch für realistisch erreichbar“, so Dr. Eichert als Sprecher der baden-württembergischen Bio-Bauern heute in Esslingen.

Nicht nur bezogen auf die im Jahr 2012 ausgerufenen Ziele, sondern auch aufgrund der Aussagen im Koalitionsvertrag mahnt die AÖL als Sektorvertretung im Namen der Umwelt und nachfolgender Generationen ein deutlich schnelleres Tempo bei der Zielerreichung an. „Insbesondere bei der Umsetzung der Aussagen des Koalitionsvertrags hinkt die derzeitige Landesregierung dem Zeitplan teilweise deutlich hinterher“, so Dr. Eichert.

Konkret zugesichert wurde im Koalitionsvertrag die Bewertung und Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die unter Einbezug des Sektors das seit 2012 Erreichte bewertete und einen breiten Dialogprozess vorbereitete. Im Zuge eines Dialogworkshops mit rund 180 Akteurinnen und Akteuren aus der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aus dem Land wurden im Frühjahr 2018 die Erfordernisse für den Sektor diskutiert und erste konkrete Maßnahmen entwickelt. Im Nachgang des Workshops wurden die identifizierten Handlungsfelder auf sechs konkrete Themenbereiche verdichtet.

„Diese Vorarbeiten bilden aus unserer Sicht eine hervorragende Arbeitsgrundlage. Als Sektorvertretung sind wir in Vorleistung gegangen und haben hiervon abgeleitet konkrete Maßnahmen erarbeitet. Diese gilt es nun, basierend auf einem verbindlichen Zeitplan und einem soliden Finanzierungskonzept, anzugehen und in Umsetzung zu bringen“, so Dr. Eichert abschließend.

Lesen Sie mehr im umfassenden Positionspapier der AÖL.

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Weiterentwicklung Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ - Das umfassende Positionspapier

Lesen Sie hier das von der AÖL veröffentlichte ausführliche Positionspapier zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus BW“.

“Grün-schwarze Landesregierung muss endlich ins Handeln kommen, um ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg zum Wohle von Umwelt und nachfolgenden Generationen nachhaltig zu stärken.”

Im Jahr 2012 hat die baden-württembergische Landesregierung den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ mit den expliziten Zielen aufgelegt, die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus, den Wissenstransfer in Bildung und Beratung zum ökologischen Landbau sowie die Forschung an den landwirtschaftlichen Landesanstalten zu Fragestellungen des ökologischen Landbaus zu fördern. Weiterhin bekannte sich die Landesregierung seinerzeit dazu, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verbessern und den Neueinstieg in die Öko-Bewirtschaftung zu erleichtern. Zudem sollte mittels konkreter Maßnahmen die Vermarktung regional erzeugter Bio-Produkte unterstützt werden.

Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung (erneut) dazu bekannt, den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Mit dem Zitat „Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“ nimmt die Koalitionsvereinbarung an prominenter Stelle hierauf Bezug. In den zurückliegenden Monaten bekräftigte der zuständige Landwirtschaftsminister Peter Hauk diesen Weg, indem er das Ziel „30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030“ ausrief. Aufgrund der für den ökologischen Landbau sehr günstigen strukturellen und naturräumlichen Gegebenheiten im Land (u. a. hohe Kaufkraft, bewusst handelnde Konsumenten, relative Kleinstrukturiertheit der hiesigen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, vielfach noch bäuerlich geprägte Landwirtschaftsbetriebe) hält die AÖL dieses Ziel für richtig und bei einem entsprechend förderlichen politischen Rahmen auch für realistisch erreichbar.

Nicht nur bezogen auf die im Jahr 2012 ausgerufenen Ziele, sondern auch aufgrund der Aussagen im Koalitionsvertrag mahnt die AÖL als Sektorvertretung im Namen der Umwelt und nachfolgender Generationen ein deutlich schnelleres Tempo bei der Zielerreichung an. Insbesondere bei der Umsetzung der Aussagen des Koalitionsvertrags hinkt die derzeitige Landesregierung dem Zeitplan teilweise deutlich hinterher. Konkret zugesichert wurde im Koalitionsvertrag die Bewertung und Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die unter Einbezug des Sektors das seit 2012 Erreichte bewertete und einen breiten Dialogprozess vorbereitete. Im Zuge eines Dialogworkshops mit rund 180 Akteurinnen und Akteuren aus der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aus dem Land wurden im Frühjahr 2018 die Erfordernisse für den Sektor diskutiert und erste konkrete Maßnahmen entwickelt.

Der Workshop

Der Workshop gliederte sich dabei in acht Themenfelder, in denen Handlungsbedarfe identifiziert wurden:

  1. Bildung für mehr Ökolandbau;
  2. Weiterentwicklung des Systems Ökolandbau: Stärkung des Netzwerks Praxis, Beratung, Forschung;
  3. Zukunft der Öko-Kontrolle nach der Revision der EU-Öko-Verordnung;
  4. Öko-Marktpartner: Angebot & Nachfrage zusammenbringen;
  5. Bio-Konsument/-innen der Zukunft?
  6. Bio in der Außer-Haus-Verpflegung: Chancen und Hürden;
  7. Bio-Stadt-Land-Partnerschaft;
  8. Nächste Generation Ökolandbau.

Im Nachgang des Workshops wurden diese Handlungsfelder auf sechs konkrete Themenbereiche verdichtet:

  1. Herausforderungen in den Bereichen Erzeugung und Verarbeitung;
  2. Herausforderungen in den Bereichen Bildung, Beratung, Forschung & Fachinformationen;
  3. Herausforderungen in den Bereichen Vermarktung und Marketing;
  4. Herausforderungen in den Bereichen Öko-Kontrolle und Recht;
  5. Herausforderungen in den Bereichen Information, Nachfrage und Genuss;
  6. Herausforderungen hinsichtlich allgemeiner Rahmenbedingungen und Projekte für mehr Öko-Landbau.

Die aufgrund der fundierten Analyse identifizierten Themenfelder bilden aus Sicht der AÖL eine hervorragende Grundlage, um hierauf aufbauend konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Diese Maßnahmen gilt es, basierend auf einem Zeitplan und einem soliden Finanzierungskonzept, anzugehen und mit Unterstützung der Sektorbeteiligten in die Umsetzung zu bringen.

Der Begriff „Aktionsplan“ geht zurück auf das lateinische Wort agere,was so viel bedeutet wie treibenund in Bewegung setzen. Es ist somit naheliegend, dass ein Aktionsplan hinsichtlich der formulierten Ziele und Maßnahmen konkret ist – und in der Folge auch einen zeitlich konkretisierten Umsetzungsplan sowie eine verbindliche Finanzausstattung beinhaltet. Anders gesagt bleibt ein Aktionsplan ohne festumrissene Ziele, Zeitplan und Finanzausstattung ein „Papiertiger“ und Politik, die zwar Ziele formuliert aber dabei im Vagen bleibt, bloße Ankündigungspolitik.

Um das von der Politik ausgerufene Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis zum Jahr 2030 zu erreichen, muss die anstehende Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ couragiert angegangen werden.

Maßnahmen

Folgende konkrete Maßnahmen müssen durch die baden-württembergische Landesregierung dringend beschlossen werden:

I. Reform der beruflichen Ausbildung und zeitgemäße Berücksichtigung der Themen des ökologischen Landbaus in den Lehrplänen: Die Landesregierung stellt eine angemessene und dem aktuellen Stand des ökologischen Landbaus entsprechende Berücksichtigung seiner Themen in der beruflichen Ausbildung sicher und verankert die Themen und Fragestellungen des ökologischen Landbaus in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen. Hierzu sei auf Hessen verwiesen: Die dortige Landesregierung hat, basierend auf dem bundesweit gültigen Rahmenlehrplan, regionale Ergänzungen („Öko-Komponenten“) beschlossen und in die Umsetzung gebracht. Wir fordern die hiesige Landesregierung dazu auf, diesen regionalen „Spielraum“ zu nutzen und den baden-württembergischen Lehrplan zeitnah um moderne und zukunftsgerichtete Lehrinhalte zum ökologischen Landbau zu ergänzen und nachfolgend zu überprüfen.

Zuständig: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

II. Zeitgemäße Berücksichtigung der Themen des ökologischen Landbaus in der Ausbildung der Landwirtschaftsreferendarinnen und -referendare: Die Landes-regierung stellt eine angemessene und dem aktuellen Stand des ökologischen Landbaus entsprechende Berücksichtigung seiner Themen in der Ausbildung der Landwirt-schaftsreferendarinnen und -referendare sicher.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

III. Umsetzung der Koalitionszusage im Bereich der ökologischen Praxisforschung und Neuordnung der Zuständigkeiten am Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Emmendingen-Hochburg: In der Koalitionsvereinbarung ist die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Ökolandbauforschung hinterlegt, um zukünftig die über das Land verteilten Aktivitäten in der ökologischen Praxisforschung strukturell und konzeptionell zusammenzuführen. Die Landesregierung bekennt sich zu ihrer Koalitionszusage und beschließt die hierfür notwendigen personellen und strukturellen Ressourcen.

Am Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Emmendingen-Hochburg (KÖLBW) sollte der ökologische Landbau im Bereich Bildung, Praxis und Forschung gestärkt werden. Hierzu ist festzuhalten, dass die Entfaltung der Möglichkeiten des KÖLBW in den zurück-liegenden Jahren an unklaren Zuständigkeiten und an einem fehlenden Gesamtkonzept litt. Damit das KÖLBW die mit seiner Einrichtung verbundenen Erwartungen erfüllen kann, beschließt die Landesregierung eine Neuordnung der Zuständigkeiten für sämtliche Konzepte und Aktivitäten des KÖLBW. Hierzu überführt die Landesregierung das KÖLBW in die direkte Zuständigkeit des MLR und setzt nachfolgend gemeinsam mit dem Sektor ein finanziell unterlegtes Konzept für die Bereiche Bildung und Praxisforschung um.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens Mitte 2019

Finanzrahmen: mind. 300.000 € jährlich

 

IV. Klares Bekenntnis zum ökologischen Landbau im Bereich der Agrarforschung: Aktuell werden bundesweit gerechnet lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für die Beforschung des ökologischen Landbaus verwendet. Damit die angestrebten 30 Prozent Bio im Land bis 2030 erreicht werden, setzt sich die Landesregierung dafür ein, 30 Prozent der Forschungsmittel im Agrarbereich für Forschung zum ökologischen Landbau zu verwenden. Die Landesregierung wirft auf nationaler Ebene all ihren Einfluss in die Waagschale, um im Bereich Bildung und Forschung das Innovationspotenzial von Bio zu heben. Neben dem Landwirtschaftsministerium setzt sich insbesondere das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau dafür ein, im Bund eine Neuausrichtung der Agrarforschung an den veränderten Bedürfnissen zu realisieren.

Zuständig: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

V. Umsetzung klarer ökologischer Vorgaben bei der Verpachtung landeseigener Flächen: Die Landesregierung schreibt bei der Verpachtung von Landesflächen und Domänen eine Bewirtschaftung gemäß der Vorgaben des ökologischen Landbaus verpflichtend vor und stellt die eigenen Liegenschaften konsequent auf Öko-Bewirtschaftung um. Die Politik bekennt damit Farbe, geht selbst als Vorbild voran und gestaltet dadurch den Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft tatkräftig mit.

Zuständig: Ministerium für Finanzen (federführend), Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

VI. Anerkennung der Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme:Immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche fällt dem Flächenfraß zum Opfer. Um diesem Trend Einhalt zu gebieten und um mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen zu erhalten, anerkennt die Landesregierung (wie dies in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis ist) die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung im Zuge der Neufassung der Ökokonto-Verordnung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur.

Zuständig: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (federführend), Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig, da aus dem vorhandenen Budget des Ökokontos bestritten

 

VII. Beschluss und Umsetzung einer Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung: Die Landesregierung nutzt die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für die Absatzsteigerung von Bio-Produkten und befördert damit die ökologische Ernährung. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde beispielsweise in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 Prozent in allen öffentlichen Einrichtungen nahezu kostenneutral erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert. Mit einer unterstützenden Kampagne, die zeigt, wie Bio in der Außer-Haus-Verpflegung funktioniert und die Köchen Lust auf die Verwendung von Bio-Produkten macht, nutzt die baden-württembergische Landesregierung die Chancen im Bereich des Bio-Außer-Haus-Marktes. Ergänzend beschließt die Landes-regierung einen verbindlichen „Fahrplan“, mittels welchem die gültigen Vorgaben zur Verwendung von Bio-Produkten in den landeseigenen Kantinen umgesetzt werden. Konkret beinhaltet die Kampagne die nachfolgenden Elemente:

  1. Analyse der Versorgungsketten in der Gemeinschaftsverpflegung;
  2. Vernetzung von Erzeugern, Verarbeitern und Großküchen;
  3. Entwicklung einer landesweiten Kommunikationskampagne;
  4. Beratung von Großküchen bei der Beschaffung von Biolebensmitteln und regionalen Produkten;
  5. Informations- und Weiterbildungsangebote für Küchenpersonal/Verpflegungs- verantwortliche;
  6. Informations- und Weiterbildungsangebote für Kita- und Schulträger;
  7. Lehrerfortbildungen zum Thema „Nachhaltige Ernährung“;
  8. Schaffung einer zusätzlichen Arbeitskraft zur Beratung von Kitas und Schulen hinsichtlich des Einsatzes von Biolebensmitteln.

Zuständig für die Kampagne: Ministerium für Ländlichen Raum; vergibt Auftrag per Aus-schreibung an kompetente Agentur

Zeitplan: Implementierung ab Sommer 2019

Finanzrahmen: Jährlich 550.000 € angelegt auf fünf Jahre. Aus vorhandenen Mitteln der Nachhaltigkeitsstrategie oder Mitteln des Doppelhaushalts 2020/21

 

VIII. Umbau der staatseigenen Unternehmen zu „Leuchttürmen“ der ökologischen Ernährungsindustrie: Die Landesregierung beschließt einen verbindlichen „Fahrplan“ zur Umstellung der landeseigenen Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie werden zu „Botschaftern“ für den ökologischen Landbau umgebaut. Der Sektor sichert zu, dass das Thema Rohstoffversorgung für beispielsweise eine schrittweise Bio-Umstellung der staatseigenen Brauerei „Rothaus“ realistisch möglich ist.

Zuständig: Ministerium für Finanzen (federführend), Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Beginn der Maßnahme Mitte 2019, Umsetzung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: noch nicht absehbar, hängt von Umfang der Maßnahmen ab

 

IX. Beschluss und Umsetzung einer Marketingkampagne zur Heraushebung der positiven gesellschaftlichen Leistungen des Sektors gegenüber einer breiten Öffentlichkeit: Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen, beschließt die Landesregierung ein festes Budget für die Durchführung eines jährlichen „Tages des Ökologischen Landbaus“ begleitet durch ein zeitgemäßes Marketingkonzept. Mittels einer modernen Marketingkampagne werden Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln informiert. Die durch eine unabhängige Marketingagentur konzipierte Kampagne wirbt zeitgemäß für „heimisches Bio“.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab spätestens 2020

Finanzrahmen: Jährliches Budget für einen „Tag des ökologischen Landbaus“ 100.000 €, Einmaliges Budget für eine moderne und zeitgemäße Marketingkampagne für heimisches Bio: 325.000 €.

 

X. Beschluss und Umsetzung von „Bauer-zu-Bauer-Gesprächen“ zur messbaren Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln: Angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zum dramatischen Artenschwund hat Baden-Württemberg im November 2017 das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ beschlossen. Insgesamt 30 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren u. a. dazu genutzt werden, innerhalb der Landbewirtschaftung eine für die Umwelt spürbare Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln zu erreichen. In Bayern hat sich die Methode der „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ als hervorragende Methode herauskristallisiert, um Betrieben die Hemmnisse bei einer möglichen Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung zu nehmen. Die Landesregierung beschließt ein vergleichbares Netzwerk in Baden-Württemberg – ausgerichtet auf den reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Damit trägt sie wirksam zur Umweltentlastung bei. Denn die Weitergabe der Erfahrungen von Praktiker zu Praktiker liefert die besten Argumente für eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Die „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ werden begleitet durch eine adäquate Einbindung der Erzeugerberatung in den Themenbereichen Ackerbau und Biodiversität.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: Implementierung ab Mitte 2019

Finanzrahmen: Aus Finanzmitteln des Sonderprogramms Biodiversität

 

XI. Beschluss und Umsetzung eines Projekts „Grundwasserschutz durch ökologischen Landbau“: Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat ist nach wie vor problematisch. Als Hauptverursacher gilt vor allem die Landwirtschaft. Seit 1995 liegt der jährliche Bilanzüberschuss von Stickstoff auf konventionellen Betrieben bei knapp 100 Kilogramm pro Hektar. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass von diesen Überschüssen mehr als die Hälfte des Stickstoffs ins Grundwasser ausgewaschen werden. Je nach Bodenart, Klima und Niederschlagsmenge können diese Werte regional sogar noch höher ausfallen. Für kommunale Wasserversorger ist dieser übermäßige Eintrag ein großes Problem. Denn für jedes Kilogramm Stickstoff, das aus dem Wasser gefiltert werden muss, fallen laut einer wissenschaftlichen Studie Kosten in Höhe von fünf bis 15 Euro an.

Studien belegen, dass auf ökologisch genutzten Acker- und Grünlandflächen durchschnittlich nur halb so viel Stickstoff ausgewaschen wird wie bei konventioneller Bewirtschaftung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil des ökologischen Landbaus ist der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und ein deutlich geringerer Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Beides sind Problemstoffe, die bei der Trinkwasseraufbereitung zusätzliche Schwierigkeiten bereiten und Kosten verursachen.

Die baden-württembergische Landesregierung bekennt sich mit einem Projekt „Grundwasserschutz durch ökologischen Landbau“ dazu, die Herausforderung Grundwasserschutz konkret anzugehen und mittels eines Projekts Lösungswege in Verbindung mit einer landwirtschaftlichen Flächennutzung aufzuzeigen. Das Projekt wird durch eine Kommunikationskampagne begleitet, die die Vorteile grundwasserschonender Landbewirtschaftungsmethoden herausstellt.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Zeitplan: Implementierung ab Mitte 2019

Finanzrahmen: Jährlich 500.000 € angelegt auf fünf Jahre

 

XII. Agrarpolitischen Einfluss auf Bundes- und europäischer Ebene zum Umbau der Agrarförderung hin in Richtung „Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen“ nutzen: Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen eingesetzt werden. Steuergeld muss künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere artgerecht zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben. Die Öko-Branche zeigt mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP, wie Steuergeld zielgenau und ohne Strukturbrüche für eine zukunftsfähige Landwirtschaft verwendet werden kann – und damit auch die Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft erfüllt werden (siehe www.boelw.de/gap2020). Die baden-württembergische Landes-regierung bekennt sich zu diesem Modell und engagiert sich auf Bundesebene für dessen Umsetzung.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

 

XIII. Finanzielle Sicherstellung der Agrarumweltmaßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise: Im Rahmen der laufenden Diskussion um die Ausgestaltung der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 setzt sich die Landesregierung auf der Grundlage des Beschlusses des Bundesrates für die Sicherstellung der ausreichenden Finanzierung des Ausbauziels 30 Prozent Ökologischer Landbau in Baden-Württemberg ein. Ebenso sind ausreichende Ko-Finanzierungsmittel in den kommenden Landeshaushalten einzustellen.

Die Landesregierung setzt sich für eine ausreichende Finanzierung der Förderung des ökologischen Landbaus im Zuge des landeseigenen Agrarumweltprogramms FAKT ein und stellt die Fortführung der beiden Maßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise sicher. Die Betriebe müssen sich darauf verlassen können, dass die Förderung der Umstellung wie auch der Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise ohne Unterbrechung nach 2020 gewährleistet ist.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab sofort

Finanzrahmen: Keine zusätzlichen Finanzmittel notwendig

XIV. Stärkung der zuständigen Verwaltungsstrukturen: Die Landesregierung nimmt die Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ zum Anlass, das für den ökologischen Landbau zuständige Referat innerhalb des Landwirtschaftsministeriums personell und finanziell adäquat zu den Herausforderungen der Branche auszustatten.

Zuständig: Ministerium für Ländlichen Raum

Zeitplan: ab spätestens Mitte 2019

Finanzrahmen: zusätzliche Finanzmittel müssen spätestens im Doppelhaushalt 2020/21 zur Verfügung gestellt werden


Tag des Ökologischen Landbaus – Biobranche präsentierte sich heute erfolgreich im Rahmen des 100. LWH in Stuttgart

Immer mehr Menschen achten heute darauf, woher ihre Lebensmittel stammen und wie sie hergestellt werden. Zugleich lässt sich ein kontinuierlicher Bio-Boom beobachten. Im Rahmen des Tages des Ökologischen Landbaus stellten sich heute zahlreiche Bio-Akteure auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest (LWH) in Stuttgart vor. Öko-Landwirtinnen und -Landwirte aus der Region gewährten Einblick in ihre Arbeitsweise, ihre Werte, ihre Leidenschaft, ihre vielfältigen Erzeugnisse – und ließen die Besucher anhand von ausgewählten Bio-Köstlichkeiten „reinschmecken“.

Um dem anhaltenden Trend in Richtung Bio gerecht zu werden, ist es für Dr. Christian Eichert, AÖL-Geschäftsführer, nun an der Zeit, bisher ungenutzte Potenziale der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg zu heben. Die derzeitigen hervorragenden Markt- und Absatzchancen und ein fortdauerndes Marktwachstum zeigten das enorme Potenzial für einen konsequenten Umbau der heimischen Landwirtschaft in Richtung Ökologie auf. „Der Aktionsplan ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ muss dringend finanziell unterfüttert werden“, fordert Dr. Eichert in diesem Kontext. Um das von der Politik ausgerufene Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis zum Jahr 2030 zu erreichen und den von der grün-schwarzen Landesregierung selbst gesteckten Klima- und Umweltzielen näherzukommen, seien seitens der gesamten Landesregierung konkrete Maßnahmen zu treffen und ein klares Finanzierungskonzept als Bekenntnis zum Sektor zu beschließen. Bei der Weiterentwicklung des Aktionsplans sollten Dr. Eichert zufolge insbesondere die wertvollen Ergebnisse, die im Zuge des Öko-Kongresses in Weinsberg im Frühjahr 2018 durch relevante Sektorvertreter erarbeitet wurden, Berücksichtigung finden. Zugleich gelte es, das für den ökologischen Landbau zuständige Referat innerhalb des Landwirtschaftsministeriums personell und finanziell adäquat zu den Herausforderungen der Branche auszustatten.

„In ihrer Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung 2016 darauf verständigt, den ökologischen Landbau weiter voranzubringen“, so der AÖL-Geschäftsführer. Betrachte man den Status quo in Bezug auf das von der Landesregierung vereinbarte Ziel, die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft zu stärken, müsse zunächst lobend hervorgehoben werden, dass mit der Etablierung von Bio-Musterregionen bereits ein wichtiger Meilenstein bei der Konkretisierung des Aktionsplans ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ erreicht worden sei. Bio-Musterregionen seien ein innovativer und wirkungsvoller Weg, um dem gewachsenen gesellschaftlichen Bedarf an Ökoprodukten mit sinnvollen Maßnahmen und geeigneten Marktkonzepten zu begegnen. „Umso begrüßenswerter ist es vor diesem Hintergrund, dass neben den Akteuren des heutigen Bühnenprogramms auch Vertreter aus den Bio-Musterregionen zum Abendempfang eingeladen worden sind“, zeigt sich Dr. Eichert erfreut. Dies ermögliche eine gute Vernetzung der Verantwortlichen mit dem gesamten Sektor gleich zum Auftakt des Projekts.

Auch die jüngst beschlossene Modernisierung der Beschaffungsregeln des Landes sei eine positive Entwicklung. Diese gelte es nun jedoch auch mit einer entsprechenden Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in landeseigenen und weiteren öffentlichen Kantinen zu untermauern. Des Weiteren solle das Land sich für die Umsetzung klarer ökologischer Vorgaben bei der Verpachtung landeseigener Flächen starkmachen und die Anerkennung der Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme vorantreiben. „Wer seine Landwirtschaft auf Bio umstellt, sollte dafür Ökopunkte bekommen. Schließlich darf ein Ökolandwirt z. B. keine Pestizide und Mineraldünger einsetzen, was klar den Boden aufwertet, das Wasser schützt und zur Förderung der Artenvielfalt beiträgt“, erläutert Dr. Eichert.

Auch eine angemessene und ideologiefreie Berücksichtigung der Themen des Ökolandbaus in der beruflichen Ausbildung müsse vom Land sichergestellt und in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen verankert werden. Weitere Forderungspunkte der AÖL zielen ab auf den Umbau von staatseigenen Unternehmen zu „Leuchttürmen“ der ökologischen Ernährungsindustrie, die Umsetzung einer Marketingkampagne zur Heraushebung der positiven gesellschaftlichen Leistungen des Sektors gegenüber einer breiten Öffentlichkeit sowie die Etablierung von „Bauer-zu-Bauer-Gesprächen“ zur messbaren Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Darüber hinaus sei ein klares Bekenntnis zum Öko-Sektor im Bereich der Agrarforschung angezeigt. Ferner gelte es, den agrarpolitischen Einfluss auf Bundes- und europäischer Ebene zum Umbau der Agrarförderung hin in Richtung „Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen“ nutzen.

Für AÖL-Vorstand Marcus Arzt gilt es das Erreichte nun auszubauen und weitere Schritte mutig anzugehen. Der Biolandbau bringe Naturschutz in die Fläche, sichere Boden und Wasser, schaffe Arbeitsplätze und stabilisiere ländliche Räume. „Ökolandwirtschaft hat eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und trägt zudem zu mehr Tierwohl bei. Insofern sind wir sehr zuversichtlich, dass Baden-Württemberg auf dem Weg zum ‚Musterländle‘ einer modernen, umfassenden Agrarpolitik zügig vorankommen kann, wenn die nun notwendigen Maßnahmen von Seiten der Politik ergriffen werden. Gerne tragen auch wir das Unsere dazu bei.“

Den gesamten aktuellen Forderungskatalog der AÖL können Sie hier aufrufen.


Zum Landwirtschaftlichen Hauptfest:
Das Landwirtschaftliche Hauptfest (LWH) feiert dieses Jahr vom 29. September bis 07. Oktober 2018 sein 100. Jubiläum auf dem Cannstatter Wasen. Das LWH ist die größte süddeutsche Fachausstellung für Land-, Forst und Ernährungswirtschaft mit mehr als 600 Ausstellern und 200.000 Besuchern in Stuttgart. Nähere Informationen können Sie hier aufrufen.

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.


Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen

T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Bisher ungenutzte Potenziale der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Baden-Württemberg heben

Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer dramatischen Umbruchssituation: Im Jahr 2017 haben bundesweit über 7.600 landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe ihre Hoftore für immer geschlossen, demgegenüber haben weit über 2.000 Landwirtinnen und Landwirte ihren Hof auf ökologische Erzeugung umgestellt. Ein vergleichbarer Umbruch vollzieht sich auch in Baden-Württemberg. Um diesem Umbruch gerecht zu werden, muss die baden-württembergische Landesregierung die Landwirtschaft mutiger als bisher an den gesellschaftlichen Erwartungen ausrichten und den heimischen Öko-Sektor deutlich besser als bislang geschehen fördern. Die derzeitigen hervorragenden Markt- und Absatzchancen und ein fortdauerndes Marktwachstum zeigen das enorme Potenzial für einen konsequenten Umbau der heimischen Landwirtschaft in Richtung Ökologie auf.

Die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist angesichts der Preiskrisen im konventionellen Landbau sowie der dramatischen Situation des Naturhaushalts – beispielhaft zu nennen sind hier der Rückgang der Vögel und Insekten und der Zustand unserer Gewässer – eine Schlüsselbranche für die Zukunft unseres Planeten. Aufgrund der neu gefassten Ressortaufteilung durch die Umsiedelung der Abteilung Naturschutz vom Landwirtschafts- ans Umweltministerium besitzt der ökologische Landbau in Baden-Württemberg momentan eine Scharnierfunktion zum Ausgleich teilweise widerstrebender Interessen. Ein ressortübergreifendes Konzept zu seiner Stärkung sollte daher im Interesse der gesamten Landesregierung liegen.

In ihrer Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung im Frühjahr 2016 darauf verständigt, den ökologischen Landbau weiter voranzubringen: In Anerkennung des besonderen Potenzials im Lande bekennen sich die Koalitionäre dazu, das bestehende Marktpotenzial und die aus einer Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung resultierenden ökologischen und ökonomischen Vorteile zu nutzen sowie die Umstellungs- und Beibehaltungsförderung weiterzuführen. Mit weiteren konkreten Ansatzpunkten hat sich die Landesregierung zu einer Stärkung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft bekannt. Die Landesregierung kann mit einer zukunftsweisenden Politik für weitere Investitionen im Bio-Bereich sorgen und damit die Öko-Wirtschaftsmotoren auf dem Land gezielt stärken. Die grün-schwarze Landesregierung wird ihre selbst gesteckten Klima- und Umweltziele nur dann erreichen, wenn alle Ministerien gemeinsam am Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft mitwirken. Hier sieht die AÖL dringenden Nachbesserungsbedarf.

Viele Zielsetzungen der Koalitionsvereinbarung zur ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft sind noch nicht erreicht und zum Teil nicht einmal angegangen. Aktuell fehlt es an einem finanziellen Bekenntnis zum Sektor und einem inhaltlichen Konzept – der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ muss couragiert um konkrete Ziele und Maßnahmen erweitert und dringend auch finanziell unterfüttert werden. Um das von der Politik ausgerufene Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis zum Jahr 2030 zu erreichen, sind seitens der gesamten Landesregierung konkrete Maßnahmen zu treffen und ein klares Finanzierungskonzept zu beschließen. Konkret zu benennen sind hier:

I. Beschluss und Umsetzung eines Finanzierungskonzepts für den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“: Die Landesregierung muss die derzeit laufende Evaluation des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ zum Anlass nehmen, den Aktionsplan endlich mit einem Finanzierungskonzept zu unterlegen. Ein Aktionsplan ohne Finanzierung kann keine Wirkung erzielen. Bei der Weiterentwicklung des Aktionsplans sind die wertvollen Ergebnisse, die im Zuge des Öko-Kongresses in Weinsberg im Frühjahr 2018 durch relevante Sektorvertreter erarbeitet wurden, zu berücksichtigen. Zugleich gilt es das für den ökologischen Landbau zuständige Referat innerhalb des Landwirtschaftsministeriums personell und finanziell adäquat zu den Herausforderungen der Branche auszustatten.

II. Umsetzung klarer ökologischer Vorgaben bei der Verpachtung landeseigener Flächen: Die Landesregierung muss bei der Verpachtung von Landesflächen eine Bewirtschaftung gemäß der Vorgaben des ökologischen Landbaus verpflichtend vorschreiben und die eigenen Liegenschaften konsequent auf Öko-Bewirtschaftung umstellen. Hier muss die Politik Farbe bekennen und selbst als Vorbild voranschreiten, um den Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft tatkräftig mitzugestalten.

III. Anerkennung der Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme: Wie dies in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis ist, um in Zeiten von Flächenfraß die ökologische Landbewirtschaftung von Flächen zu erhalten, muss die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung im Zuge der derzeit stattfindenden Neufassung der Ökokonto-Verordnung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur anerkannt werden.

IV. Reform der beruflichen Ausbildung und zeitgemäße Berücksichtigung der Themen des ökologischen Landbaus in den Lehrplänen: Die Landesregierung muss eine angemessene und ideologiefreie Berücksichtigung der Themen des Ökolandbaus in der beruflichen Ausbildung sicherstellen und in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen verankern.

V. Beschluss und Umsetzung einer modernen Kampagne zur Beförderung des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung: Die Landesregierung muss die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine pestizidfreie und damit unbelastete Ernährung nutzen. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde beispielsweise in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 Prozent in allen öffentlichen Einrichtungen nahezu kostenneutral erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert. Die baden-württembergische Landesregierung muss hier dringend nachziehen und die Chancen im Bereich des Außer-Haus-Marktes nutzen.

VI. Umbau der staatseigenen Unternehmen zu „Leuchttürmen“ der ökologischen Ernährungsindustrie: Die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie sollten zu „Botschaftern“ für den Ökolandbau umgebaut werden. Angesichts der galoppierenden Umstellerzahlen auf Erzeugerebene ist das Thema Rohstoffversorgung für beispielsweise eine staatseigene Brauerei längst kein Hinderungsgrund mehr.

VII. Beschluss und Umsetzung einer Marketingkampagne zur Heraushebung der positiven gesellschaftlichen Leistungen des Sektors gegenüber einer breiten Öffentlichkeit: Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen, muss die Landesregierung ein festes Budget für die Durchführung eines jährlichen „Tages des Ökologischen Landbaus“ beschließen sowie ein zeitgemäßes Marketingkonzept entwickeln und umsetzen. Ergänzend notwendig ist eine moderne Marketingkampagne, die den Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln informiert und für „heimisches Bio“ wirbt.

VIII. Beschluss und Umsetzung von „Bauer-zu-Bauer-Gesprächen“ zur messbaren Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln: Angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zum dramatischen Artenschwund hat Baden-Württemberg im November 2017 das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ beschlossen. Insgesamt 30 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren u. a. dazu genutzt werden, innerhalb der Landbewirtschaftung eine für die Umwelt spürbare Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln zu erreichen. In Bayern hat sich die Methode der „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ als hervorragende Methode herauskristallisiert, um Betrieben die Hemmnisse bei einer möglichen Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung zu nehmen. Ein vergleichbares Netzwerk in Baden-Württemberg – ausgerichtet auf den reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – würde wirksam zur Umweltentlastung beitragen. Denn die Weitergabe der Erfahrungen von Praktiker zu Praktiker liefert die besten Argumente für eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Die „Bauer-zu-Bauer-Gespräche“ sollten begleitet werden durch eine adäquate Einbindung der Erzeugerberatung in den Themenbereichen Ackerbau und Biodiversität.

IX. Klares Bekenntnis zum Öko-Sektor im Bereich der Agrarforschung: Aktuell werden bundesweit gerechnet lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet. Um bis 2030 die angestrebten 30 Prozent Bio im Land zu erreichen, müssen bereits heute konsequent 30 Prozent der Mittel auf Öko-Forschung verwendet werden. Die Landesregierung muss auf nationaler Ebene all ihren Einfluss in die Waagschale werfen, um im Bereich Bildung und Forschung das Innovationspotenzial von Bio zu heben. Hier ist neben dem Landwirtschaftsministerium insbesondere das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Pflicht, sich im Bund für eine Neuausrichtung der Agrarforschung einzusetzen.

X. Agrarpolitischen Einfluss auf Bundes- und europäischer Ebene zum Umbau der Agrarförderung hin in Richtung „Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen“ nutzen: Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen eingesetzt werden. Steuergeld muss künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere artgerecht zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben. Die Öko-Branche zeigt mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP, wie Steuergeld zielgenau und ohne Strukturbrüche für eine zukunftsfähige Landwirtschaft verwendet werden kann – und damit auch die Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft an Landwirtschaft erfüllt werden (siehe www.boelw.de/gap2020). Hier fordert die AÖL ein klares Bekenntnis und erkennbares Engagement der Landesregierung.


Ökosektor bewertet Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ und fordert Landesregierung zu mutigen Schritten und einem finanziellen Bekenntnis auf

Esslingen / Weinsberg, 18. April 2018. Anlässlich des heute in Weinsberg stattfindenden Öko-Kongresses bezieht die AÖL Stellung zur Situation des ökologischen Landbaus im Lande und bewertet den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“. Als Sektorvertretung fordert sie die Landesregierung dazu auf, zeitnah weitere Schritte zur Konkretisierung des Aktionsplans vorzunehmen, um die Zielsetzungen der Koalitionsvereinbarung mutiger als derzeit anzugehen und das selbst gesteckte Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis zum Jahr 2030 kraftvoll und mit einem klaren Finanzierungskonzept zu erreichen.

Im zurückliegenden Jahr 2017 haben bundesweit über 7.600 landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe ihre Hoftore für immer geschlossen. Demgegenüber haben weit über 2.000 Landwirtinnen und Landwirte ihren Hof auf ökologische Erzeugung umgestellt. Das klassische landwirtschaftliche Mantra „Wachse oder weiche“ wird immer mehr ersetzt durch „Werde Bio oder weiche“. Alleine in Baden-Württemberg stellt derzeit täglich ein Betrieb seine Wirtschaftsweise auf ökologisch um. Der deutsche Ökomarkt wächst seit dem Jahr 2000 jährlich zweistellig und auch in der Fläche ist der Trend zu mehr „Öko“ seit über drei Jahren ungebrochen.

Im Januar dieses Jahres verkündete Landwirtschaftsminister Peter Hauk, dass das Land Baden-Württemberg sich zum Ziel gesetzt hat, 30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Offen ließ Hauk seinerzeit, welche Maßnahmen die Landesregierung hierzu plant und welche konkreten Förderinstrumente der hiesigen Agrar- und Ernährungswirtschaft auf diesem Weg helfen sollen.

Die AÖL bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass der heutige Öko-Kongress in Weinsberg zu mehr Klarheit führt.
„Wir wünschen uns von der Landesregierung, dass sie das derzeitige hervorragende Marktumfeld für mehr heimische Öko-Produkte entschlossen nutzt. Denn nur wenn die Politik deutlich umsteuert, kann unsere heimische Land- und Ernährungswirtschaft fit für die Zukunft gemacht werden. Die Politik des letzten Jahrhunderts fortzusetzen genügt nicht, damit das Wasser sauber bleibt, die Artenvielfalt gestärkt und das Klima geschützt wird. Anpacken muss die Landesregierung dabei nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Brüssel, wenn es um die Reform der Europäischen Agrarpolitik geht“, so AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert am Rande des Kongresses heute in Weinsberg.

10 Milliarden Euro jährlicher Bio-Umsatz in Deutschland und ein fortdauerndes Wachstum zeigen, welch großes Potenzial der Bio-Sektor für die heimische Wirtschaft birgt. Bio-Erzeugerbetriebe und -Hersteller sind meist kleine und mittelständische Unternehmen, die Menschen in Stadt und Land in Arbeit bringen und Nachhaltigkeits-Pioniere sind. Die Landesregierung kann mit einer zukunftsweisenden Politik für weitere Investitionen im Bio-Bereich sorgen, um die Öko-Wirtschaftsmotoren auf dem Land gezielt zu stärken.

Dabei ist klar: Die grün-schwarze Landesregierung wird ihre selbst gesteckten Klima- und Umweltziele nur dann erreichen, wenn alle Ministerien gemeinsam am Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft mitwirken. Hier sieht die AÖL noch dringenden Nachbesserungsbedarf.

Aktuell werden lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet. Um bis 2030 die angestrebten 30 Prozent Bio zu erreichen, müssen bereits heute 30 Prozent der Mittel auf Öko-Forschung verwendet werden. Die Landesregierung muss auf nationaler Ebene all ihren Einfluss in die Waagschale werfen, um im Bereich Bildung und Forschung das Innovationspotenzial von Bio zu heben. „Nur mit einer klaren Neuausrichtung der derzeit für den Sektor unzulänglichen Forschungsförderung kann es gelingen, das selbst gesteckte 30-Prozent-Ziel zu erreichen. Hier ist neben dem Landwirtschaftsministerium insbesondere das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Pflicht, sich im Bund für einen Neuausrichtung der Agrarforschung einzusetzen“, appelliert Dr. Eichert.

Um die heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft zukunftsfähig zu machen, sind im Weiteren folgende Themen zu berücksichtigen:

  • Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen eingesetzt werden. Steuergeld muss künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere artgerecht zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben. Die Öko-Branche zeigt mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP, wie Steuergeld zielgenau und ohne Strukturbrüche für eine zukunftsfähige Landwirtschaft verwendet werden kann – und damit auch die Erwartung der Gesellschaft erfüllt wird (siehe www.boelw.de/gap2020). Hier erwartet die AÖL ein klares Bekenntnis und erkennbares Engagement der Landesregierung.

 

  • Die Landesregierung muss die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine pestizidfreie und damit unbelastete Ernährung nutzen. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde beispielsweise in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 Prozent in allen öffentlichen Einrichtungen nahezu kostenneutral erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert.

 

  • Die Landesregierung muss sich bei der Verpachtung von Landesflächen für eine konsequente Bio-Bewirtschaftung stark machen und die eigenen Liegenschaften konsequent auf Öko-Bewirtschaftung umstellen. Zudem sollte man die derzeit stattfindende Neufassung der Ökokonto-Verordnung – wie dies in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis ist – dafür nutzen, die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur anzuerkennen.

 

  • Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen, muss die Landesregierung ein festes Budget für die Durchführung eines „Öko-Aktionstags“ beschließen sowie ein zeitgemäßes Konzept entwickeln und umsetzen. Ergänzend notwendig ist eine moderne Marketingkampagne, die den Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln informiert und für Bio aus der Region wirbt.

 

  • Die Landesregierung muss eine angemessene und ideologiefreie Berücksichtigung der Themen des Ökolandbaus in der beruflichen Ausbildung sicherstellen und in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen verankern.

 

  • Das vom Landtag Ende 2017 beschlossene „Forschungsprogramm Ökolandbau für Baden-Württemberg“ muss insbesondere genutzt werden, um praxisnahe Lösungsansätze für die aktuel-len Herausforderungen der Branche zu generieren. Beispielhaft genannt seien hier die Themen Biodiversitätsleistungen des Ökolandbaus, Schließen der Phosphorlücke, Minimierung des Kupfereinsatzes im Bereich ökologischer Sonderkulturen, sowie Erfolgsfaktoren des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung.

Für das bundesweit einzige grün-geführte Bundesland ist der derzeitige Aktionsplan ohne finanzielles Bekenntnis und Konzept laut AÖL-Geschäftsführer Dr. Eichert „wahrlich kein Aushängeschild“. Um das anvisierte 30-Prozent-Ziel zu erreichen, muss der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ couragiert um konkrete Ziele und Maßnahmen erweitert und dringend auch finanziell unterfüttert werden. Ein forscheres Engagement der Landespolitik und klares Zeichen der Unterstützung für den Sektor sind vor diesem Hintergrund insbesondere gefordert, wenn es um die Verwendung von Bio-Produkten in den landeseigenen Kantinen und Mensen geht.

„Hier muss Politik Farbe bekennen und selbst als Vorbild voranschreiten, um den Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft tatkräftig mitzugestalten. Die Stadtstaaten Bremen und Berlin sind hier glänzende Vorbilder, wohingegen Baden-Württemberg als Stammland des Ökolandbaus bisher nichts als Lippenbekenntnisse vorzubringen hat“, so Dr. Eichert. Weiterhin gelte es, die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie zu „Botschaftern“ für den Ökolandbau umzubauen. Angesichts der galoppierenden Umstellerzahlen auf Erzeugerebene sei das Thema Rohstoffversorgung für beispielsweise eine staatseigene Brauerei längst kein Hinderungsgrund mehr.

Nach fünf Jahren Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ und knapp zwei Jahre nach Amtsantritt der grün-schwarzen Landesregierung konnten einige erste Schritte erfolgreich gegangen werden, um den Ökolandbau zu fördern. Dennoch fehlen in vielen zentralen Bereichen bis heute wirksame Maßnahmen, die für die Zukunft des Sektors von zentraler Bedeutung sind. „Nur wenn Baden-Württemberg heute das Steuerruder couragiert in die Hand nimmt und ein finanziell unterfüttertes Maßnahmenbündel beschließt, kann das Ziel, “30 Prozent Biolandbau bis 2030” erreicht werden.

Lassen Sie uns dem heimischen Agrar- und Ernährungssektor gemeinsam eine klar umrissene Zukunftsperspektive aufzeigen. Der Ökolandbau weist dabei den Weg, um neben der Sicherung von Beschäftigung und Wohlstand in ländlichen Räumen und der Erzeugung gesunder Lebensmittel auch die Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen“, so Dr. Eichert abschließend.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:
Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen
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Vertreter der Ökobranche nehmen Stellung zur heutigen dpa-Meldung „Agrarminister kritisiert ersten Pflanzengiftbericht des NABU“

Vertreter der Ökobranche nehmen Stellung zur heutigen dpa-Meldung „Agrarminister kritisiert ersten Pflanzengiftbericht des NABU“

Esslingen, 22. März 2018. Im Zuge einer dpa-Meldung kritisierte Landwirtschaftsminister Peter Hauk heute den ersten Pflanzengiftbericht des NABU. Hierin tat der Agrarminister kund, dass es „die Bevölkerung nichts an(gehe), Hintergründe zum Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zu bekommen“. Zudem bezweifelte Hauk den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und dem im letzten Herbst öffentlich gewordenen massiven Insektensterben. Weiterhin artikulierte Hauk, dass das Insektensterben „um Bio-Betriebe ähnlich hoch“ sei wie um alle anderen Erzeugerbetriebe.

Am Rande einer Klausursitzung nimmt AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert hierzu Stellung: „Fast jeden Tag bestätigen wissenschaftliche Studien den schädlichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und dem Artensterben von Insekten oder Vögeln. Erst kürzlich hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA die sogenannten Neonicotinoide als gefährlich eingestuft. Generell werden im ökologischen Landbau keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dagegen werden im Ökolandbau natürlich vorkommende und EU-rechtlich zugelassene Mittel wie Kupfer und Molke verwendet. Der ökologische Landbau zeigt in Deutschland auf rund 1,4 Millionen Hektar und auf fast 30.000 Betrieben, wie man Flora und Fauna ökologisch nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich schützt. Bio-Ackerbauern und -Grünlandbewirtschafter wirtschaften – viele davon seit Jahrzehnten – komplett ohne chemisch-synthetische Herbizide wie Glyphosat.“

Die Zahlen vorliegender unabhängiger Studien und Forschungsprojekte wie beispielsweise des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau Niedersachsen (KÖN) oder des WWF-Projekts „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ belegen eindrucksvoll die Vorteile des ökologischen Landbaus auf Artenvielfalt und Biodiversität. „Für uns ist klar, dass das Land Baden-Württemberg mit seinem Sonderprogramm Biodiversität nur dann Erfolge haben wird, wenn es den ökologischen Landbau klarer als derzeit fördert und somit Biodiversität und Artenschutz wieder zurück auf die Fläche bringt“, so Dr. Eichert abschließend.

 

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen

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Mitgliederstatistik 2018

Aktuelle Statistik zur Anzahl der Betriebe und deren Fläche in Hektar. Stand 1. Januar 2018.

Verband Anzahl Betriebe Fläche in Hektar
Ecovin 105 485
Ecoland 46 2.432
Naturland 289 13.265
Demeter 515 19.700
Bioland 1.588 72.016