Esslingen/Stuttgart, 23.09.2021 Welchen Stellenwert hat die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft im politischen Programm der Parteien, wenn am Sonntag der Bundestag neu gewählt wird? Beim gemeinsamen Betriebsbesuch hat die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e. V. (AÖL) Dr. Sandra Detzer, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg und Bundestagskandidatin im Wahlkreis Ludwigsburg, nach den agrarpolitischen Ideen ihrer Partei gefragt.

Einen Einblick in die Arbeit eines Bio-Betriebs, bei dem Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen, bekam Detzer gestern beim Hofrundgang auf dem Betrieb von AÖL-Vorstand Marcus Arzt in Ditzingen. Arzt ist seit 1989 mit seinem Gemüsebaubetrieb Mitglied bei Bioland, dem größten deutschen Öko-Anbauverband. Er baut im Freiland und in Foliengewächshäusern Bio-Salate an. Als einer der ersten regionalen Bio-Erzeuger liefert seine Erzeugergemeinschaft seit 2002 ihr Gemüse an die EDEKA Südwest.

Arzt freute sich über den Besuch der Bundestagskandidatin. Im Hofgespräch mit AÖL-Geschäftsführer Christoph Zimmer und Naturland-Geschäftsführer Martin Bär zeigte er Detzer auf, welche Potenziale Bio auch gerade für die weitere Entwicklung in der Region Ludwigsburg hat und wo die nächste Bundesregierung neue Weichen für die volle Ausschöpfung dieser Potenziale stellen kann.

„Die Nachfrage von Verbraucherinnen und Verbrauchern nach regionalem Bio steigt ungebremst, was aktuelle Zahlen zum Bio-Markt belegen. Aber: Um der gesteigerten Nachfrage nach heimischen, hochwertigen Lebensmittel nachkommen zu können, fehlt es an politischen Rahmenbedingungen. Was wir brauchen ist ein entschlossenes, gemeinsames Vorgehen von Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft, um den Ökolandbau in Baden-Württemberg zügig voranzubringen.“

„Die politischen Rahmenbedingungen im Ländle müssen nicht nur dafür Sorge tragen, Umwelt- und Tierschutz voranzubringen, sondern darüber hinaus dazu beitragen, eine krisenfeste Lebensmittelwirtschaft auch regional zu erhalten. Nur so ist es möglich, hochwertige Lebensmittel heimisch zu erzeugen: Langfristig eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren“, so Arzt.

AÖL-Geschäftsführer Zimmer ergänzte: „Das Land Baden-Württemberg definiert im Biodiversitätsstärkungsgesetz eine Zielquote von bis zu 40 Prozent Ökofläche bis 2030; auch die Bundesregierung hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie darauf festgelegt, bis 2030 20 Prozent der Agrarfläche auf Ökolandbau umzustellen. In der nächsten Legislaturperiode müssen auf entscheidende Zukunftsfragen wirkungsvolle Taten folgen, um dieses Ziel zu erreichen“, so Zimmer.

Er forderte: „Bund und Länder müssen die gesamte Wertschöpfungskette der Bio-Ernährungswirtschaft in den Blick nehmen und gezielt regional verankerte Hersteller- und Vermarktungsstrukturen, wie die der Erzeugergemeinschaft in Ditzingen, stärken. Die Stabilisierung von Wertschöpfungsketten ist wichtige Voraussetzung für eine Stärkung der Vermarktung inländischer Bio-Ware – und sichern uns

Detzer bestätigte: „Höfe, wie der Bioland-Betrieb Arzt sind für uns wichtige Pioniere auf dem Weg in die Landwirtschaft der Zukunft. Wir Grüne wollen diese Betriebe unterstützen und dazu beitragen, dass noch mehr Betriebe auf Bio umstellen. Bis 2030 sollen 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet sein. Unser Leitbild ist eine ökologische Landwirtschaft mit ihren Prinzipien Tierwohl und Gentechnikfreiheit, sowie dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide. Erzeugerinnen und Erzeuger sollen von ihrer Arbeit gut leben können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Preise für Produkte stimmen. Die EU-Agrarförderung soll umgestellt werden von Masse auf Klasse. Die regionale Verarbeitung und Vermarktung muss ausgebaut und unterstützt werden.“

Detzer weiter: „Wir wollen einen Gesellschaftsvertrag zwischen Erzeugern, Verbrauchern und der Politik erreichen. Erzeugerinnen und Erzeuger versorgen uns nicht nur mit guten Lebensmitteln, sie pflegen auch unsere Kulturlandschaft. Es ist höchste Zeit, dass sie für diese wichtige Aufgabe angemessen entlohnt werden. Wir wollen das System der EU-Direktzahlungen schrittweise durch eine Gemeinwohlprämie ablösen, die gesellschaftliche Leistungen honoriert. Außerdem hat uns Corona vor Augen geführt, wie wichtig regional funktionierende Lieferketten sind. Wir unterstützen beispielsweise Regionalsiegel und Regionalwerbung, die besonders für Erzeugergemeinschaften einen echten Mehrwert bringen sollen.“

Arzt abschließend: „Wir begrüßen es, dass die Politik mit ihrem Beschluss zum Ökolandbau konkreten Maßnahmen aufzeigt, um das bundesweite Ausbauziel von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 zu erreichen. Nur, wenn ökologische Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung aktiv gefördert werden, können wir Familien weiterhin mit frischen, hochwertigen Lebensmitteln versorgen und gleichzeitig einen Mehrwert im Ländle schaffen – mit vielfältigen Kulturlandschaften, dem Erhalt von Leben und Arbeitsplätzen auf den Höfen, in den Dörfern und Städten.“

Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen: Xenia Milosavljevic, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen, T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: xenia.milosavljevic@aoel-bw.de