Esslingen/Vaihingen an der Enz, 24.09.2021 Regionale Biodiversität: Was macht sie aus, welche Bedeutung kommt ihr zu und wie lässt sie sich erhalten? Diesen Fragen widmete sich heute im Rahmen der Öko-Aktionswochen Baden-Württemberg eine Expert:innenrunde gemeinsam mit Minister Peter Hauk MdL, Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg.

Wie die Biolandwirtschaft in der Praxis zur Förderung der Artenvielfalt beitragen kann, erfuhr Minister Peter Hauk, MdL, heute auf dem Bioland-Betrieb Laiseacker in Eberdingen-Nussdorf. Seit 1987 ist der Betrieb biolandzertifiziert und baut auf den Flächen der Laiseacker Gärtnerei über 30 verschiedene Gemüse- und Kräuterarten an. Beim Rundgang über den Gärtnereibetrieb gab Betriebsleiterin Tabea Sanzio Einblicke in ihren Biokisten-Lieferservice, der mehrere tausend Haushalte in der Region mit Bio-Lebensmitteln und erntefrischem Gemüse der Saison versorgt.

Dazu Minister Hauk, MdL: „Auf dem Hof können Verbraucherinnen und Verbraucher erleben, wer und was hinter den Produkten steckt. Das schafft Transparenz und ist eine gute Basis für Vertrauen. Zudem kann so Wertschätzung entstehen, für hochwertige Lebensmittel und für die Menschen, die sie erzeugen. Genau diese Wertschätzung braucht es, wenn wir Regionalität und Ökolandbau voranbringen wollen“, betonte der Minister.

Nach dem Rundgang sprach Insektenforscher Thomas Hörren in seinem Impulsvortrag über „Insekten und regionale Biodiversität“. Hörren ist Mitautor einer Studie zum Rückgang von Fluginsekten in Naturschutzgebieten. Sie dokumentiert, dass der Bestand der Fluginsekten drastisch abgenommen hat – in den untersuchten Naturschutzgebieten von 1986 bis 2016 um bis zu 80 Prozent.

Hörren betonte: „Nicht zuletzt diese Langzeitstudie verdeutlicht, in welch schlechtem Zustand die Biodiversität hierzulande ist. Die Folgen dieses Missstandes sind deutlich zu spüren: Mit dem Rückgang von Insekten, geht auch ein Teil der Pflanzen und der insektenfressenden Vögel zurück, denen die Nahrung fehlt.“ Er bemerkte: „Viele Menschen sehen Insekten als Schädlinge an, die nicht schützenswert sind. Dabei vergessen sie oft: Insekten sind Grundlage für den Fortbestand unserer Natur, von der wir nicht nur abhängig sind, sondern die auch unsere Lebensgrundlage darstellt.“

Auch Christoph Zimmer, Geschäftsführer der AÖL, forderte mehr Schutz der Artenvielfalt und erklärte: „Bäuerinnen und –Bauern, die ökologisch wirtschaften, kümmern sich um krabbelnde, fliegende oder blühende Artenvielfalt und stützen so eine tragende Säule unseres Ökosystems. Unsere Weiden, Felder und Äcker sind auch Heimat für wilde Pflanzen und Tiere. Und wir tun viel dafür, dass die sich dort auch wohlfühlen.“

Was Bio bewirkt, zeigt ein Vergleich: Auf einem Quadratmeter ökologisch bewirtschaftetem Feld befinden sich im Durchschnitt 277 Blüten – auf der gleichen herbizid-behandelten Fläche nur bis zu drei geöffnete Blüten.

Dazu Zimmer: „Ökolandbau und Biodiversität gehen schon immer Hand in Hand. Nicht zuletzt der Schutz der Artenvielfalt ist wichtiger Beweggrund für Landwirtinnen und Landwirte, auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu verzichten und auf biologischen Landbau umzustellen. Es ist richtig und wichtig, dass diese Themen jetzt verstärkt in der Gesellschaft gesehen werden, denn: Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur, wenn jede und jeder einzelne, beispielsweise durch den Kauf von regionalen Bio-Lebensmitteln, hier Verantwortung übernimmt, erhalten und stärken wir Biodiversität in im Ländle in der Breite.“

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Öko-Aktionswochen 2021 statt.

Zu den Öko-Aktionswochen: Gemeinsam mit den Verbänden des ökologischen Landbaus Baden-Württemberg und mit Unterstützung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) organisiert die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL) die „Öko-Aktionswochen Baden-Württemberg 2021“. Bio-Erzeugerbetriebe, Akteur:innen aus Verarbeitung, Handel und Gastronomie sowie viele weitere spannende Partner:innen des Ökolandbaus in Baden-Württemberg bieten im Herbst 2021 eine Vielzahl an Veranstaltungen und Aktionen, um Bio für Jung und Alt mit allen Sinnen erlebbar zu machen.

Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen: Xenia Milosavljevic, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen, T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: xenia.milosavljevic@aoel-bw.de