Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL gibt Startschuss für Wettbewerb zu Bio-Musterregionen im Land

Esslingen, 31. Juli 2017. Aus Sicht von Landwirtschaftsminister Peter Hauk bietet der Südwesten gute Perspektiven zur Stärkung des Ökolandbaus entlang der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zu neuen Vermarktungswegen für regionale Bioprodukte. Bereits im zurückliegenden Jahr stellte täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb in Baden-Württemberg seine Produktion auf Bio um. Dieser Positivtrend setzt sich auch im Jahr 2017 ungemindert fort. Damit verzeichnet die hiesige ökologische Agrar- und Ernährungswirtschaft auf der Fläche und in den Regalen starke Zuwächse. Dr. Christian Eichert, AÖL-Geschäftsführer, verdeutlicht vor diesem Hintergrund:„Heute müssen etwa 30 Prozent der Biomilch sowie jeweils etwa 50 Prozent der Biokartoffeln und Biomöhren importiert werden.“ Der deutsche Ökomarkt sei in vielen Bereichen somit noch immer kein ‚Selbstversorgermarkt‘.

Der von Minister Peter Hauk heute verkündete Start des Wettbewerbs für erste vier Bio-Musterregionen stellt Eichert zufolge einen zentralen ersten Schritt zur Fortschreibung des Aktionsplans ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ dar:„Der Ansatz der Bio-Musterregionen ist ein geeignetes und schlüssiges Konzept, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken und das Thema Bio innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen. Wir sind uns sicher, dass dadurch neue und nachhaltig wirksame Bio-Leuchttürme geschaffen werden und sich klare Chancen für noch mehr regionales Bio ergeben. Bei Ihnen, Herr Minister, möchten wir uns herzlich bedanken, dass der Wettbewerb heute angestoßen wurde.“ Eichert erinnert Peter Hauk in diesem Kontext an seine Zusage, das in den Nebenabsprachen des Koalitionsvertrags hinterlegte Budget von jährlich zwei Millionen Euro zeitnah vollständig für weitere Bio-Musterregionen bereitzustellen. Damit einher geht die notwendige personelle Aufstockung des zuständigen Referats im Ministerium, welches die Aktivitäten in den einzelnen Musterregionen bündeln und inhaltlich sowie konzeptionell eng begleiten soll. „Als Branchenvertretung sind wir erfreut über die Einhaltung des Zeitplans und das gute inhaltliche Vorankommen. Ebenso begrüßt die AÖL, dass relevante Forderungen des Sektors bei der konzeptionellen Ausrichtung der Bio-Musterregionen aufgegriffen wurden“, so Eichert.

In den benachbarten Bundesländern Hessen und Bayern werden mit den sogenannten Öko-Modellregionen laut Eichert vergleichbare Konzepte bereits erfolgreich umgesetzt:„Hessen und Bayern können im Zuge der Etablierung von Bio-Musterregionen hier im Land als Positivbeispiele dienen. Eine intensive Vernetzung auf Erzeugerebene gilt es auch in Baden-Württemberg anzustreben. In Bayern können sich umstellungsinteressierte konventionelle Landwirte – in einem ‚Bauer berät Bauer‘-Format – auf Demonstrationsbetrieben bei Berufskollegen Empfehlungen und Ratschläge einholen. Diese Möglichkeit zum fachlichen Austausch und ein gutes ‚Miteinander‘ sind vor dem Hintergrund der derzeitigen Verschiebung von konventioneller Landbewirtschaftung in Richtung Biolandbau sehr wichtig.“ Wünschenswert seien Eichert zufolge in diesem Kontext ferner eine Quervernetzung mit bestehenden Organisationsformen wie dem bundesweiten „Bio-Städte-Netzwerk“ sowie die enge Einbindung lokaler Wirtschaftspartner.

Nähere Informationen zu den Bio-Musterregionen finden Sie hier.

Hintergrund AÖL:Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:
Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen
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„Grün-Schwarz muss Haushaltsverhandlungen mutig nutzen, um Umbau der Landwirtschaft positiv zu begleiten“

Angesichts der teilweise dramatischen Verwerfungen und anhaltender Preiskrisen in der konventionellen Landwirtschaft bietet der Südwesten erhebliches Potenzial für deutlich mehr Öko. Bereits im zurückliegenden Jahr stellte täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb seine Produktion auf Bio um. Dieser Positivtrend setzt sich auch im Jahr 2017 ungemindert fort. Eine vergleichbare Dynamik verzeichnet die ökologische Ernährungswirtschaft – und auch im Handel ist heimisches Bio gefragt wie nie zuvor. Diese Entwicklung muss auch die Politik erkennen und die Finanzausstattung entsprechend anpassen. Anlässlich der derzeit laufenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2018/2019 fordert der Spitzenverband der baden-württembergischen Land- und Ernährungswirtschaft die grün-schwarze Landesregierung dazu auf, die Rolle Baden-Württembergs als Stammland des Ökologischen Landbaus nicht zu verspielen.

Eine Bewirtschaftung nach den Prinzipien des Ökologischen Landbaus geht Hand in Hand mit der von Grün-Schwarz vorangetriebenen Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltpolitik. Noch mehr Öko sollte daher im Interesse aller Ressorts sein. „Der Ökologische Landbau ist in vielerlei Hinsicht eine ‚Schlüsseltechnologie‘ für den Interessenausgleich zwischen Naturbewahrung, der wirtschaftlichen Erzeugung gesunder heimischer Lebensmittel und der Sicherung vitaler ländlicher Räume. Als enkelgerechte Form der Landbewirtschaftung sorgt unsere Wirtschaftsweise laut unabhängiger Untersuchungen dafür, dass auf biologisch bewirtschafteten Höfen per se deutlich mehr Biodiversität vorherrscht. So finden sich auf Öko-Äckern beispielsweise zwei- bis dreimal so viele Ackerwildkraut-Arten. Zudem ist die Nachfrage nach heimischen Bio-Erzeugnissen ungebrochen“, so Dr. Christian Eichert in seiner Funktion als Geschäftsführer der AÖL.

 

"Baden-Württemberg muss seine Rolle als Stammland des Ökolandbaus weiter ausbauen"

 

An die Verhandlungspartner gerichtet erinnert die AÖL an die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags. Dort sei hinterlegt, dass Grün-Schwarz den Ökologischen Landbau stärken und weiterentwickeln wird. So gelte es nun unter anderem die nötigen Mittel bereitzustellen, um die Verwendung von Öko-Erzeugnissen in den landeseigenen Kantinen voranzubringen, im Zuge einer zeitgemäßen Werbekampagne für die Verwendung von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung zu sorgen, die dringend notwendigen Nachbesserungen und personellen Aufstockungen beim Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau KÖLBW auf der Hochburg in Emmendingen sicherzustellen sowie die Einrichtung einer Professur zum Ökologischen Landbau an der Universität Hohenheim finanziell abzusichern und zeitnah in die Tat umzusetzen.

Den in Bälde startenden Wettbewerb für die Einrichtung der vier ersten Bio-Musterregionen im Land betrachtet die AÖL als sehr gutes Konzept, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken und das Thema Bio innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen. Damit dieser Ansatz Wirkung erzielen kann und nachhaltig wirksame Projekte geschaffen werden können, gelte es jedoch das in den Nebenabsprachen des Koalitionsvertrags hinterlegte Budget von jährlich zwei Millionen Euro zeitnah vollständig für den Ansatz der Bio-Musterregionen bereitzustellen. Darüber hinaus sieht die AÖL die Notwendigkeit, zusätzliche Mittel für die Agrarumweltmaßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung zu sichern.

„Wir möchten die grün-geführte Landesregierung heute an eines ihrer ureigenen Kernthemen erinnern. Es ist gut und richtig, dass die grün-schwarze Landesregierung weiterhin Gelder in den Umwelt- und Naturschutz lenkt. Dennoch plädieren wir dafür, dass dabei die Koalitionszusagen zum Ökologischen Landbau nicht auf der Strecke bleiben. Wir appellieren an die Verhandlungspartner, die selbst gesteckten Ziele verantwortungsvoll in den Blick zu nehmen. In Zeiten des fortschreitenden Umbaus der hiesigen Land- und Ernährungswirtschaft hin zu deutlich mehr Bio brauchen wir jetzt das klare Bekenntnis der Landesregierung und das dafür notwendige Budget für eine verlässliche Förderung“, so Eichert abschließend.

Hintergrund Koalitionsvertrag und Aussagen von Minister Peter Hauk zum Ökologischen Landbau: An prominenter Stelle nimmt die Koalitionsvereinbarung Bezug zum Ökologischen Landbau („Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“). Im Rahmen einer Landtagsdebatte sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk jüngst: „Auch wir in Baden-Württemberg haben ein Ziel vor Augen. Aber wir wollen nicht 20 Prozent, wir wollen mindestens 25 Prozent der Fläche. Ich glaube, das entspricht auch der höheren Kaufkraft und dem Bedürfnis der Bürger in unserem Land.“ In ihrer Einjahresbilanz der grün-schwarzen Regierungsarbeit stellte die AÖL im Mai 2017 fest, dass die Regierungsfraktionen in vielen der politisch selbst gesteckten Ziele hinter dem Zeitplan zurückstehen und eine Umsetzung in konkrete Maßnahmen in einigen Bereichen bis heute ausgeblieben ist.

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen,                          

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Tagung „Landwirtschaft: Auf zu neuen Ufern“ gibt Anstöße für GAP-Neuausrichtung Minister Peter Hauk plädiert für Verantwortungsgemeinschaft

Eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Agrarförderung beinhaltet weit mehr als die wirtschaftliche Unterstützung der Landwirtschaft: Die Frage ist vielmehr, wie auch ökologisch und sozial bestmögliche Förderinstrumente entwickelt werden können. Die Laufzeit der aktuellen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union endet im Jahr 2020. Doch schon heute werden die Weichen dafür gestellt, wie die jährlich rund 60 Milliarden Euro im EU-Agrarhaushalt künftig verteilt werden. Im Rahmen der Tagung „Landwirtschaft: Auf zu neuen Ufern“, die am vergangenen Donnerstag, 13. Juli 2017, in Kooperation mit den baden-württembergischen Landesverbänden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sowie der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. (AÖL) in der Evangelischen Akademie Bad Boll stattfand, diskutierten zahlreiche Sektorvertreterinnen und -vertreter kontrovers die gesamtgesellschaftlich relevanten Aspekte der GAP. 

In seinem Impulsvortrag sprach Peter Hauk MdL, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, sich klar für eine Verantwortungsgemeinschaft aus: „Wir erwarten von der Landwirtschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur – doch zugleich muss auch vonseiten der Gesellschaft Verständnis für die Landwirtschaft aufgebracht werden. Auch im Umgang mit unseren Landwirtinnen und Landwirten sollten wir Verantwortungsbereitschaft zeigen.“ Ein zweiter Schwerpunkt war die Bedeutung regionaler Landbewirtschaftung und Lebensmittelproduktion: „Wir müssen den baden-württembergischen Landwirtinnen und Landwirten in ihrem konkreten Tun und Handeln den nötigen Freiraum lassen, sonst bleibt der Wunsch nach Erzeugnissen aus der Region ein reines Lippenbekenntnis.“

Im Anschluss analysierte Prof. Dr.-Ing. Frieder Haakh, Direktor und Technischer Geschäftsführer des Zweckverbands Landeswasserversorgung, die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Wasserqualität hierzulande. Der Vortrag machte deutlich, dass in Deutschland ein Nitratproblem herrsche: Deutschland sei wegen Nichtumsetzung der Nitratrichtlinie mit einer von der EU-Kommission gut begründeten Klage vor dem Europäischen Gerichtshof konfrontiert. Obwohl im Durchschnitt in Baden-Württemberg laut Messung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg die Nitratbelastung rückläufig sei, zeige das Haupteinzugsgebiet der Landeswasserversorgung einen ansteigenden Trend. „Die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft sind ursächlich für die Nitratverseuchung des Grundwassers. Wir haben somit kein Erkenntnisdefizit, sondern ein massives Umsetzungsdefizit“, betonte Haakh. Insbesondere an einer Verbesserung der Stickstoffnutzungseffizienz müsse mit Nachdruck gearbeitet werden. Eine Vorbildfunktion komme hier Öko-Betrieben zu, deren Stickstoffnutzungseffizienz deutlich über dem Durchschnitt liege und bis zu 90 Prozent erreichen könne.

Jan Plagge, Präsident von Bioland e.V. und Vorstandsmitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), ging der Frage nach, wie eine Land- und Ernährungswirtschaft der Zukunft aussehen kann und soll. Um Landwirtinnen und Landwirte, Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen im Blick zu haben, sei es notwendig, sich in den kommenden zwölf Monaten für eine grundlegend veränderte und damit umweltwirksamere und „grünere“ Agrarpolitik einzusetzen: „Gegenwärtig erreicht die GAP ihre zentralen Ziele nicht, sie ist nicht effektiv, nicht konsistent, setzt die falschen Anreize und erfüllt die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger Europas nicht.“ Laut Plagge ist die Honorierung von öffentlichen Leistungen, die der Markt nicht vergütet, ein wichtiger Schritt, um die Landwirtschaft stärker auf ökologische und gesellschaftliche Ziele auszurichten und zugleich das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern auf mehrere verlässliche Säulen zu stellen. 

Mögliche Wege zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt zeigte Dr. Rainer Oppermann, Leiter des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim, auf. Der Referent wies darauf hin, dass trotz aller Bemühungen und guter Agrarumweltprogramme im Bezugsraum Baden-Württemberg die Artenvielfalt weiterhin rückläufig sei – und das, obwohl dem naturräumlich vielfältigen Südwesten als „Schicksalsland für das Grünland in Deutschland“ eine Schlüsselrolle zukomme. Zwar gebe es Erfolgsbeispiele im Ackerland und beim Grünland, doch reichten diese qualitativ und quantitativ nicht aus. Maßnahmen für mehr Biodiversität umzusetzen, sei nicht nur Aufgabe des Landes Baden-Württemberg, sondern liege in der Verantwortung von jedem und jeder, von Kommunen über Kirchen und Verbände bis hin zu Privatleuten. „Gemeinden sollten Versuchsflächen anlegen und unterhalten. Landwirte könnten durch lichte, weite Reihen auf ihren Getreideäckern und durch die Haltung seltener Tierrassen einen Beitrag leisten“, appellierte Oppermann an die Zuhörer.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion, an der auch Heike Hespe als Referatsleiterin Agrarpolitik für das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg teilnahm, war die Notwendigkeit eines Schulterschlusses zwischen allen, die an Landwirtschaft beteiligt sind, zentraler Konsens. Ein Miteinander statt eines Gegeneinanders sei angezeigt, wie auch in Wortbeiträgen der engagierten Tagungsbesucher immer wieder deutlich wurde: Eine Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger gegenüber Landbewirtschaftung, auch im eigenen direkten Umfeld, sei erforderlich. Über alle Interessengruppen und Blickwinkel hinweg sei es für den Sektor von entscheidender Bedeutung, in einem ständigen Dialog zu bleiben – gerade auch bei Themen mit Konfliktpotenzial. Dass die Bürger Europas an Entscheidungsprozessen durchaus teilhaben und „mit ins Boot geholt werden“ möchten, habe nicht zuletzt die große Anzahl an Beiträgen im Rahmen der europäischen Online-Konsultation zur GAP jüngst vor Augen geführt, so das Fazit der Diskussionsrunde.  

Doppelte Aussendungen dieser Pressemeldung bitten wir zu entschuldigen. 

Sollten Sie die im Anhang befindlichen Fotos in einer höheren Auflösung wünschen, wenden Sie sich bitte an mich.

Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne unter +49 711 550939-19 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Imme Schäfer
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Imme Schäfer
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AÖL zur Landtagsdebatte „Erhalten, was uns erhält: Baden-Württemberg für biologische Vielfalt“

Esslingen / Stuttgart, 21.06.2017. Anlässlich der Landtagsdebatte ‚Erhalten, was uns erhält: Baden-Württemberg für biologische Vielfalt‘ am 21.06.2017 in Stuttgart nimmt die AÖL Stellung zu den Themen Biodiversitätserhalt und politische Unterstützung für eine zukunftsgerechte Form der Landbewirtschaftung. „Der Ökologische Landbau ist in vielerlei Hinsicht eine ‚Schlüsseltechnologie‘ für den Interessensausgleich zwischen Naturbewahrung und der wirtschaftlichen Sicherung vitaler Ländlicher Räume. Als enkelgerechte Form der Landbewirtschaftung sorgt der Ökologische Landbau laut unabhängiger Untersuchungen dafür, dass auf biologisch bewirtschafteten Höfen bis zu sechsmal mehr Brutrevieren und bis zu achtfach höhere Populationsdichten wichtiger Vogelarten vorliegen. Untersuchungen in England zeigen eine doppelt so hohe Anzahl an Schmetterlingsarten auf ökologisch bewirtschafteten Flächen. Zudem finden sich auf Öko-Äckern zwei- bis dreimal so viele Ackerwildkraut-Arten“, so Dr. Christian Eichert in seiner Funktion als Geschäftsführer der AÖL.

Eine Bewirtschaftung nach Öko-Kriterien erhöht zudem das Vorkommen von Laufkäfern, Kurzflüglern und Spinnen. Insbesondere der vermehrten Anlage und Pflege von Hecken und Wildkrautstreifen auf Öko-Betrieben kommt hier eine wichtige Funktion zu. Darüber hinaus nachgewiesen sind deutlich größere Populationen von Bodenmikroorganismen und Bodentieren: Auf Öko-Flächen liegt deren Anzahl um bis zu 85 Prozent über konventionellen Vergleichsflächen.

Der Öko-Sektor ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und stehe heute nicht mehr für Sozialromantik, sondern für Wirtschaftskraft und Zukunftsgerichtetheit. Der erfreulich konstant zweistellig wachsende Bio-Markt sollte im Sinne der einheimischen Erzeugerbetriebe genutzt und nicht der ausländischen Konkurrenz überlassen werden. Eine Landbewirtschaftung nach den Maßgaben des Ökologischen Landbaus bildet die prädestinierte Maßnahme innerhalb der Agrarumweltpolitik, um umwelt- und gesellschaftspolitische Anliegen zu vereinen. Zudem bietet das derzeitige Klima im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft – momentan stellt täglich ein Landwirtschaftsbetrieb in Baden-Württemberg seine Produktion auf ‚Bio‘ um und man rechnet für die kommenden Jahre mit gleichbleibend hohen Umstellungszahlen – beste Voraussetzungen, um den Ökolandbau mutig nach vorne zu entwickeln. Mehr Öko-Bewirtschaftung nutzt nicht nur der Biodiversität und dem Naturschutz, sondern sichert den Erhalt vitaler und strukturstarker Ländlicher Räume.

Als zentraler Wirtschaftsverband der ökologisch ausgerichteten Land- und Ernährungswirtschaft im Land setzt setzt sich die AÖL dafür ein, die notwendigen und in der Koalitionsvereinbarung zugesicherten Mittel im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes zeitnah zu beschließen und sinnvoll innerhalb der festgesetzten Umwelt- und Naturschutzziele einzusetzen. Zugleich äußert die Sektorvertretung gegenüber der Landesregierung ihre große Sorge, dass die Themen und Fragestellungen der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft von der politischen Landkarte verschwinden. „Wir fordern die Landesregierung dazu auf, nicht nur an die Zukunft der Schmetterlinge zu denken, sondern sich zugleich um eine enkelgerechte Form der Landbewirtschaftung zu kümmern. Derzeit treibt uns die Sorge, dass die grün-geführte Landesregierung eines ihrer Kernthemen aus den Augen verliert.“ Die geplanten Kürzungen im Bereich der Beratungsförderung sind laut Eichert ein Warnsignal und zielen eindeutig gegen den Trend auf den Höfen. Daher fordert Eichert die Koalitionspartner dazu auf, die geplante Kappung zurückzunehmen und die im Koalitionsvertrag gemachten Zusagen zeitnah anzugehen und umzusetzen.

„Für uns ist es komplett unverständlich, dass eine Landesregierung sich im Koalitionsvertrag zu einer Stärkung des Ökolandbaus bekennt – und dann mit Kürzungen und einer schleppenden Umsetzung der selbst gesteckten Ziele eine rückwärtsgewandte und auch für die Umwelt nicht gerade förderliche Politik betreibt“, so Eichert abschließend.


 

Pressekontakt für Rückfragen : Dr. Christian Eichert, Mobil: 0160.7406015 Ansprechpartnerin für Presseanfragen: Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


 

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.


Ökomonitoring belegt die gesundheitlichen Vorteile einer ökologisch ausgerichteten Ernährung

PRESSE-ZUMELDUNG

Ergebnisse des heute vorgestellten Ökomonitoring-Berichts stellen gesundheitliche Vorteile einer ökologisch ausgerichteten Ernährung unter Beweis

Esslingen / Stuttgart, 16. Juni 2017. Im Rahmen der heutigen Landespressekonferenz stellte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk die aktuellen Zahlen und Erkenntnisse aus dem Ökomonitoring-Bericht 2016 vor. Mit dieser jährlich durch die Landesbehörden durchgeführten Untersuchung lassen sich erneut die gesundheitlichen Vorteile einer ökologisch ausgerichteten Ernährung unter Beweis stellen. Die Lebensmittelkontrolleure attestierten der untersuchten Bio-Ware erfreulicherweise weitestgehend Echtheit und Rückstandsfreiheit. Damit wird den Erwartungen der Verbraucher beim Kauf von Bio-Produkten Rechnung getragen. Öko-Lebensmittel halten, was sie versprechen, und rechtfertigen eindrücklich das ihnen von immer mehr Käufern entgegengebrachte hohe Vertrauen.

Mit dem seit 2002 jährlich durchgeführten Ökomonitoring verfügt Baden-Württemberg über eine deutschlandweit einmalige Untersuchung von Bio-Lebensmitteln, die eine wichtige Ergänzung der Öko-Kontrolle in den Betrieben vor Ort darstellt. „Die Ergebnisse des heute präsentierten Ökomonitorings machen erneut deutlich, dass die Verbraucher mit ihrer Wahl von Bio-Ware goldrichtig liegen. Der Kauf heimischer Bio-Produkte ist nicht nur ein Gewinn für die Natur und den Erhalt einer gesunden Lebensumwelt, sondern bedeutet auch ein Plus für die Lebensmittelqualität und damit für die eigene Gesundheit“, so Dr. Christian Eichert, Geschäftsführer der AÖL, heute anlässlich der Veröffentlichung der Berichtsergebnisse.

Der Markt für ökologisch erzeugte Produkte verzeichnet seit über 15 Jahren jährlich zweistellige Zuwächse. Besonders erfreut zeigte sich Eichert darüber, dass neben dem erstaunlich konstanten Marktwachstum auch immer mehr Flächen im Südwesten auf Öko-Wirtschaftsweise umgestellt werden. „Das Bewusstsein für die Vorteile ökologischer Erzeugung und Ernährung nahm im eher städtisch geprägten Milieu seinen Anfang. Diese Entwicklung setzt sich derzeit in seiner ganzen Breite auch im ländlichen Raum fort. Momentan stellt täglich ein Landwirtschaftsbetrieb seine Produktion auf Bio um. Wir rechnen für die kommenden Jahre mit gleichbleibend hohen Umstellungszahlen. Immer mehr Bauernfamilien erkennen für sich, dass die Erzeugung von heimischem, authentischem Bio zum einen reelle Vermarktungs- und Absatzchancen bietet und zum anderen dem Erhalt einer enkelgerechten Form der Landbewirtschaftung dient“, so Eichert. Bio sei laut Eichert längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und stehe heute nicht mehr für Sozialromantik, sondern für Wirtschaftskraft und Zukunftsgerichtetheit. Der im Südwesten kontinuierlich wachsende Bio-Markt diene damit dem Erhalt vitaler ländlicher Räume.

 

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

 


Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen; T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de

 


Spitzengespräch AÖL und BLHV

Freiburg, 26. Mai 2017. Im Haus der Bauern begrüßte BLHV-Präsident Werner Räpple die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL) am vergangenen Mittwoch zum mittlerweile fest etablierten jährlichen Spitzengespräch des bäuerlichen Berufsstandes. Die anwesenden Spitzenvertreter waren sich einig darüber, dass die heimische Landwirtschaft ausreichend Potenzial biete, um die wachsende Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln in größerem Umfang zu bedienen. Dafür müsse jedoch das Land Baden-Württemberg eine kompetent geführte und an die biologische Produktionsweise angepasste landwirtschaftliche Aus- sowie Weiterbildung gewährleisten. Im Zusammenspiel mit einer finanziell gut ausgestatteten Agrarforschung könne für die ökologische und auch die konventionelle Landwirtschaft so ein nachhaltiges Wissensfundament geschaffen werden.

In Zusammenhang mit drängenden Herausforderungen wie dem Klimawandel und angesichts der steigenden gesellschaftlichen Ansprüche an Umweltschutz und Tierwohl müssten Bildung und Forschung Kernelemente der Agrarpolitik werden, erklärten die Teilnehmer des Spitzengesprächs. Darum müssten das Landwirtschaftliche Bildungszentrum Hochburg und das Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (KÖLBW) ihrem Leitbildcharakter für die Nachwuchsförderung und Forschung gerecht werden, forderte BLHV-Präsident Werner Räpple. Erneut sicherten beide Verbände zu, die Weiterentwicklung des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums zu befördern und sich aktiv an der Umsetzung eines gemeinsam getragenen Konzepts zu beteiligen.

Unter den Spitzenvertretern herrschte auch Einigkeit darüber, dass Eingriffe in den Naturhaushalt, zum Beispiel durch infrastrukturelle Baumaßnahmen, nicht durch Stilllegung landwirtschaftlicher Nutzfläche kompensiert werden sollten. Stattdessen könnten Landwirte durch besonders umweltfreundliche Wirtschaftsformen oder die Pflege von artenreichen Habitaten umweltfördernde Leistungen erbringen. Dies gewährleiste einen gleichwertigen Naturschutzausgleich, ohne landwirtschaftliche Nutzfläche aufgeben zu müssen. Die berufsständischen Spitzenvertreter fordern die Landesregierung zudem einstimmig dazu auf, das Konzept der Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK) im Zuge der Revision der Ökopunkteverordnung neu mit aufzunehmen. Damit soll Städten und Kommunen ein angemessenes flächen- und landwirtschaftsfreundliches Instrument zur Kompensation von Baumaßnahmen an die Hand gegeben werden. 

Ansprechpartner für Presseanfragen:

AÖL – Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.

Imme Schäfer, Tel.: +49 711 550939-19

BLHV – Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband Freiburg

Padraig Elsner, Öffentlichkeitsreferat, Tel.: +49 761 27133-231


 

Pressekorrespondenz des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) Freiburg i. Br.
und der AÖL – Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.


Presseinfo: AÖL zieht Einjahresbilanz der grün-schwarzen Landespolitik

Esslingen, 5. Mai 2017. Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat die grün-schwarze Landesregierung das Bekenntnis verbunden, die baden-württembergische Landwirtschaft auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Getreu dem Motto „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ bekannten sich die Koalitionäre zur Ausrichtung der Agrarförderung an konkret erbrachten gesellschaftlichen Leistungen. An prominenter Stelle nimmt die Koalitionsvereinbarung Bezug zum ökologischen Landbau („Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“). Im Rahmen einer Landtagsdebatte sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk jüngst die Öko-Bewirtschaftung von landwirtschaftlicher Nutzfläche betreffend: „Auch wir in Baden-Württemberg haben ein Ziel vor Augen. Aber wir wollen nicht 20 Prozent, wir wollen mindestens 25 Prozent der Fläche. Ich glaube, das entspricht auch der höheren Kaufkraft und dem Bedürfnis der Bürger in unserem Land.“

Nach einem Jahr grün-schwarzer Regierungsarbeit zieht die AÖL nun Bilanz und bewertet, wie weit die politisch selbst gesteckten Ziele in konkrete Maßnahmen umgesetzt wurden. Oder anders gesagt: Wo wurde tatkräftig angepackt und wo blieb es bei Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden.

Derzeit stellt täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb in Baden-Württemberg seine Produktion auf „Bio“ um, für die kommenden Jahre wird mit vergleichbaren Umstellungszahlen gerechnet. Als Konsequenz besteht die Notwendigkeit, zusätzliche Mittel für die Agrarumweltmaßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung bereitzustellen. Jenseits mündlicher Zusicherungen fehlt jedoch bis jetzt das klare Bekenntnis der Landesregierung, dass eine verlässliche Förderung politisch gewünscht und finanziell abgesichert ist.

Im Rahmen des Landesprojekts „Beratung.Zukunft.Land“ werden landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe sowohl in ihrem unternehmerischen Handeln als auch bei neuen Strategien in der Vermarktung beraten. Qualifizierte Beratungskräfte tragen Sorge, dass Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte auf den Höfen in Einklang gebracht werden. In diesem Zusammenhang stoßen jüngst bekannt gewordene Überlegungen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die Beratungsförderung im Bereich der Umstellung auf Ökologische Bewirtschaftung zu beschneiden, auf unser Unverständnis. Dieses Vorgehen würde nicht nur den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag entgegenlaufen, sondern in Zeiten des fortschreitenden Umbaus der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Land hin zu mehr Ökologie auch grundsätzlich ein falsches Zeichen setzen.

Das Engagement der Landesmarketinggesellschaft MBW in Richtung ökologische Land- und Ernährungswirtschaft hat sich in den zurückliegenden Monaten deutlich vermindert. Die verfügbaren Mittel zur Ausgestaltung des Öko-Aktionstags und der gewählte Rahmen machen deutlich, dass der strategische Fokus der Landes-Tochtergesellschaft auf anderen Themen liegt. Ein zeitgemäßes Konzept für einen Öko-Aktionstag fehlt. Wir fordern die Landesregierung dazu auf, ein festes Budget für die Durchführung von Aktionstagen zum Ökologischen Landbau zu beschließen, um in Zukunft gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen. Ergänzend notwendig ist eine moderne Marketingkampagne, die den Endverbraucher über die Vorzüge von Öko-Nahrungsmitteln informiert und für Bio aus der Region wirbt.

Die von der AÖL geforderte und im Koalitionsvertrag zugesagte Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ findet derzeit nicht statt. Die lange verlangte Festsetzung eines konkreten Finanzrahmens für den Aktionsplan blieb ebenso aus wie die zugesicherte Zwischenbewertung des Aktionsplans unter Einbezug des Sektors. Eingebrachte Themenvorschläge wie eine angemessene und ideologiefreie Berücksichtigung der Themen des ökologischen Landbaus in der beruflichen Ausbildung oder Maßnahmen zur Steigerung des Einsatzes ökologisch produzierter Lebensmittel im Außer-Haus-Verzehr blieben bisher unberücksichtigt. Mit mehr Öko-Produkten und entsprechenden flankierenden Schulungsangeboten in landeseigenen und weiteren öffentlichen Einrichtungen und Kantinen könnte die Landesregierung ihrer herausgehobenen Leitbildfunktion im Bereich der Nahrungsmittelverwendung Rechnung tragen.

Die Maßnahmen zur Umsetzung von Bio-Musterregionen sind zeitlich und inhaltlich auf einem guten Weg. Das Land fördert damit einen geeigneten Ansatz, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken und nachhaltig wirksame Leuchttürme zu schaffen. Erfreulicherweise sicherte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu, das in den Nebenabsprachen hinterlegte Budget von jährlich 2 Millionen Euro vollständig für die Umsetzung dieser Koalitionsaussage einzusetzen.

In der Grundkonzeption des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (KÖLBW) sollen am Standort Emmendingen-Hochburg für die drei Themenbereiche Bildung, Forschung und Praxis Kompetenzen aufgebaut und mit weiteren landesweiten Aktivitäten zusammengeführt werden. Die Praxisaktivitäten konnten auf ein gutes Gleis gesetzt werden. Rund um die Fachschule für Ökologischen Landbau bestehen derzeit personelle Kapazitätsengpässe und – aus Sicht der Fachschüler – auch Nachbesserungsbedarf bei der inhaltlichen Ausrichtung des Unterrichts. Die Einrichtung eines Versuchswesens zum Ökologischen Landbau und der Aufbau des „Kompetenzzentrums Ökolandbauforschung“ konnten noch nicht vertiefend angegangen werden.

Hinsichtlich einer Stärkung des ökologischen Landbaus an der Universität Hohenheim wurde universitätsintern ein Umsetzungskonzept erarbeitet, welches die Zustimmung der AÖL findet. Ein finanzielles Konzept zur Umsetzung der Koalitionsaussage liegt – Stand heute – noch nicht vor. Die AÖL fordert die Landesregierung dazu auf, zeitnah ein schlüssiges Finanzkonzept vorzulegen, um eine Einhaltung der Koalitionszusage sicherzustellen.

„Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Landesregierung im zurückliegenden Jahr einige wichtige Impulse zur Weiterentwicklung des Biolandbaus in Baden-Württemberg gesetzt hat, was wir sehr begrüßen. In weiteren zentralen Punkten steht das Ergebnis hinter den gesetzten Zielen zurück. Aufgrund des in diesen Themen bestehenden akuten Handlungsbedarfs kann die Jahresbilanz in weiten Teilen nicht zufriedenstellend ausfallen. Um den ökologischen Landbau in Baden-Württemberg adäquat und nachhaltig zu fördern, muss daher an einigen Stellen couragiert nachjustiert werden“, resümiert Dr. Christian Eichert in seiner Funktion als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.

Die Gesamtbewertung findet sich hier

 


Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen

T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Gesamtbewertung: Ein Jahr grün-schwarzer Koalitionsvertrag – Bilanz der AÖL

Esslingen, 5. Mai 2017. Mit ihrer Koalitionsvereinbarung hat die grün-schwarze Landesregierung das Bekenntnis verbunden, die baden-württembergische Landwirtschaft auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Gemäß der Koalitionsvereinbarung soll das Augenmerk dabei insbesondere auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und auf den Ausbau regionaler Wertschöpfung gelegt werden. Zudem sollen die regionale Herkunft und die besondere Güte heimischer Qualitätsprodukte stärker betont werden. Getreu dem Motto „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ bekennen sich die Koalitionäre zur Ausrichtung der Agrarförderung an gesellschaftlichen Leistungen, welche durch den Sektor erbracht werden.

An prominenter Stelle nimmt die Koalitionsvereinbarung Bezug zum ökologischen Landbau („Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“).

Im April 2017 nutzte Landwirtschaftsminister Peter Hauk eine Landtagsdebatte dazu, seine Vision für die Ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zu umreißen. Bezug nehmend auf die von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ausgerufenen 20 Prozent ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland sagte Hauk: „Auch wir in Baden-Württemberg haben ein Ziel vor Augen. Aber wir wollen nicht 20 Prozent, wir wollen mindestens 25 Prozent der Fläche. Ich glaube, das entspricht auch der höheren Kaufkraft und dem Bedürfnis der Bürger in unserem Land.“

Nach einem Jahr grün-schwarzer Regierungsarbeit zieht die AÖL nun Bilanz und bewertet, wie weit die politisch selbst gesteckten Ziele in konkrete Maßnahmen umgesetzt wurden.

 

Verlässlicher Politikrahmen

Derzeit stellt täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb seine Produktion auf „Bio“ um. Für die kommenden Jahre wird mit gleichbleibenden Umstellungszahlen gerechnet. Folglich besteht die Notwendigkeit, innerhalb der laufenden Förderperiode der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik ausreichend Mittel für die entsprechenden Agrarumweltmaßnahmen „Öko-Umstellung“ und „Öko-Beibehaltung“ bereitzustellen und vorausschauend in die Förderhaushalte einzuplanen. Jenseits mündlicher Zusicherungen fehlt bis jetzt das klare Bekenntnis der Landesregierung, dass eine verlässliche Förderung politisch gewünscht und finanziell abgesichert ist.

 

Landesprojekt „Beratung.Zukunft.Land“

Die im Jahr 2015 im Rahmen des Landesprojekts „Beratung.Zukunft.Land“ begonnene Modulberatung war und ist aus Sicht der AÖL die richtige Maßnahme, um die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe im Land sowohl in ihrem unternehmerischen Handeln als auch bei neuen Strategien in der Vermarktung zu beraten und zu unterstützen. Mit modernem Fakten- und Methodenwissen ausgestattet kann es vielen Erzeugerbetrieben gelingen, Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte in Einklang zu bringen und einen starken Landwirtschaftssektor im Lande zu erhalten und zu sichern. Für dieses Gelingen unabdingbar sind schlagkräftige Beratungsorganisationen, die die Erzeugerbetriebe mithilfe langjähriger Erfahrung auf ihrem Weg begleiten. In diesem Zusammenhang unverständlich sind jüngst bekannt gewordene Überlegungen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die Beratungsförderung im Bereich der Umstellung auf Ökologische Bewirtschaftung zu kappen. Ein Beschneiden der derzeitigen Beratungsförderung würde nicht nur die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag konterkarieren, sondern wäre in Zeiten des fortschreitenden Umbaus der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Südwesten hin zu mehr Ökologie ein falsches und fatales Signal an den gesamten Sektor. Die AÖL fordert daher Verlässlichkeit und Kontinuität – und bittet die beiden Koalitionsparteien dringend, den geplanten Schritt zur Kappung der Beratungsförderung zu überdenken und umgehend zurückzunehmen.

 

Landesmarketinggesellschaft MBW

Das Engagement der MBW Marketing- und Absatzförderungsgesellschaft für Agrar- und Forstprodukte aus Baden-Württemberg mbH in Richtung ökologische Land- und Ernährungswirtschaft hat sich in den zurückliegenden Monaten deutlich vermindert. Die verfügbaren Mittel zur Ausgestaltung des Öko-Aktionstags und der gewählte Rahmen machen deutlich, dass die Ausrichtung und das Engagement der Landes-Tochtergesellschaft auf anderen Themen liegen. Die verbliebenen Aktivitäten und generelle Maßnahmen der Landesmarketinggesellschaft finden weitestgehend ohne Einbindung des Sektors oder Rückkoppelung mit selbigem statt. Trotz einer Vertretung im Beirat der MBW werden die gesetzten Impulse der AÖL größtenteils unberücksichtigt gelassen. Derzeit fehlt es an einem zeitgemäßen Konzept für einen regionalen oder landesweiten Öko-Aktionstag. Die Landesregierung muss daher ein festes Budget für die Durchführung von Aktionstagen zum Ökologischen Landbau beschließen, um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen. Diese Maßnahme muss durch die Landesmarketinggesellschaft MBW in Form einer modernen und finanziell entsprechend ausgestatteten Marketingkampagne, die den Endverbraucher informiert und für Bio aus der Region wirbt, begleitet werden.

 

Weiterentwicklung Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“

Die von der AÖL geforderte und im Koalitionsvertrag zugesagte Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ findet derzeit nicht statt. Die lange verlangte Festsetzung eines konkreten Finanzrahmens für den Aktionsplan blieb ebenso aus wie die zugesagte Zwischenbewertung des Aktionsplans unter Einbezug des Sektors. Die eingebrachten Themenvorschläge, mittels derer der Aktionsplan weiterentwickelt werden könnte, wurden seitens der Landesregierung bisher nicht aufgegriffen. Konkret zu nennen sind hier:

  • Bildung / Berufsausbildung: Die Themen des Ökologischen Landbaus sollten in der beruflichen Ausbildung eine zeitgemäße und ideologiefreie Berücksichtigung finden. Es sollte sichergestellt sein, dass angehende Landwirte bereits in ihrer Ausbildung in Kontakt mit den Themen und Herausforderungen des Ökologischen Landbaus kommen.
  • Steigerung des Einsatzes ökologisch produzierter Lebensmittel im Außer-Haus-Verzehr: Trotz mehrfacher Verlautbarungen und Ankündigungen in dieser Sache wurde noch kein Konzept vorgelegt. Mit einer Umsetzung dieser Maßnahme werden landeseigene und weitere öffentliche Einrichtungen und Kantinen ihrer herausgehobenen Leitbildfunktion im Bereich der Nahrungsmittelverwendung gerecht. Zudem sichert das Land dadurch den Aufbau und die Verstetigung verlässlicher Absatzschienen für regionale Bio-Erzeugung. Um dieser Vorgabe aus der Koalitionsvereinbarung gerecht zu werden, muss die „Verwaltungsvorschrift der Landesregierung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VwV Beschaffung)“ hinsichtlich verbindlicher Vorgaben für den Einsatz ökologischer Lebensmittel angepasst werden. Flankierend gilt es, eine Kampagne zur Förderung des Einsatzes Ökologischer Erzeugnisse im Bereich Außer-Haus-Verzehr zu etablieren, ein breites Schulungsangebot aufzubauen sowie die staatliche Ernährungsberatung zu reformieren.

 

Einrichtung von Bio-Musterregionen

Mit der Umsetzung der von der AÖL seit langem geforderten Bio-Musterregionen wird ein geeigneter Ansatz gefördert, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken, die Themen und Fragestellungen des Sektors innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen und nachhaltig wirksame Leuchttürme zu schaffen. Der Wettbewerb zur Auswahl geeigneter Musterregionen soll noch innerhalb des zweiten Quartals 2017 angestoßen und die Aktivitäten in den dann ausgewählten Musterregionen sollen spätestens Anfang 2018 begonnen werden. Zudem sicherte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu, das in den Nebenabsprachen hinterlegte Budget von jährlich 2 Millionen Euro vollständig für die Umsetzung der Koalitionsaussage einzusetzen. Damit einher geht die notwendige personelle Aufstockung des zuständigen Referats im Ministerium, welches die Aktivitäten in den einzelnen Musterregionen bündeln und inhaltlich sowie konzeptionell eng begleiten soll. Als Branchenvertretung sind wir erfreut über die Einhaltung des Zeitplans und das gute inhaltliche Vorankommen. Ebenso begrüßt die AÖL, dass relevante Forderungen des Sektors bei der konzeptionellen Ausrichtung der Bio-Musterregionen aufgegriffen wurden.

 

Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau Baden-Württemberg und Kompetenzzentrum Ökolandbauforschung

In der Grundkonzeption des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (KÖLBW) sollen am Standort Emmendingen-Hochburg für die drei Themenbereiche Bildung, Forschung und Praxis Kompetenzen aufgebaut und mit weiteren landesweiten Aktivitäten zusammengeführt werden. Die Praxisaktivitäten konnten mit Hilfe eines engagierten Pächterpaares auf der Staatsdomäne Emmendingen-Hochburg auf ein gutes Gleis gesetzt werden. Die bauliche Ertüchtigung bzw. der Aufbau eines Vorzeigebetriebes ist auf einem guten Weg. Damit ist die Basis für eine praxisnahe Bildungsarbeit gelegt.

Am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Emmendingen-Hochburg wurde eine Fachschule für Ökologischen Landbau aufgebaut, die eine qualifizierte Ausbildung für junge Landwirtinnen und Landwirte mit Interesse am Ökologischen Landbau gewährleisten soll. Aufgrund bestehender personeller Kapazitätsengpässe und einer aus Sicht der vor Ort ausgebildeten Schüler verbesserungswürdigen inhaltlichen Ausrichtung des Fachschulunterrichts besteht derzeit die Gefahr, dass der eben geschaffene Ruf als Vorreiter für eine moderne Ausbildung zum Ökologischen Landbau leidet – das eben geschaffene Renommee droht durch sich ausbreitende „Negativschlagzeilen“ verspielt zu werden. Daher fordert die AÖL zeitnahe personelle und inhaltliche Nachbesserungen sowie eine Entflechtung der Verantwortlichkeiten vor Ort. Die AÖL sieht es als geboten, dass das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz direkten Durchgriff auf die personelle Aufstellung und inhaltliche Ausrichtung des Schulunterrichts erlangt.

Am KÖLBW wird im Bereich Forschung derzeit ein Versuchswesen zum Ökologischen Landbau aufgebaut. Hierfür wurde eine Außenstelle des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) an den Standort Emmendingen-Hochburg verlagert. Der Aufbau des „Kompetenzzentrums Ökolandbauforschung“, an welchem alle Forschungsaktivitäten zum Ökologischen Landbau im Lande gebündelt werden sollen, konnte aufgrund personeller Engpässe noch nicht vertiefend verfolgt werden. Hier gilt es durch personelle Aufstockung die Koalitionszusage einzuhalten.

 

Ökologischer Landbau an der Universität Hohenheim

Hinsichtlich einer Stärkung des ökologischen Landbaus an der Universität Hohenheim wurde universitätsintern ein Konzept erarbeitet, welches die Zustimmung der AÖL findet. Eine Abstimmung mit den politischen Verantwortungsträgern ist im Gange. Ein finanzielles Konzept zur Umsetzung der Koalitionsaussage liegt – Stand heute – nicht vor. Die AÖL fordert die Landesregierung dazu auf, zeitnah ein schlüssiges Finanzkonzept vorzulegen, um eine Einhaltung der Koalitionszusage sicherzustellen.

 

Personelle Ausstattung des Referats für Ökologischen Landbau

Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft bedarf es einer generellen Anpassung der personellen Ausstattung des Referats Ökologischer Landbau innerhalb des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Hier sind bedauerlicherweise noch keine Umsetzungsschritte erkennbar.

 

Generelle Stimmung in der Landwirtschaftsverwaltung

Auf vielen Landwirtschaftsämtern ist eine generelle Voreingenommenheit gegenüber der ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft spürbar. Anfragende Umstellungsinteressenten werden teilweise bewusst desinformiert. Wenn es um die Förderwürdigkeit beispielsweise von Stallbauvorhaben geht, wird die Umstellung auf eine ökologische Bewirtschaftung und die damit einhergehende verbesserte Ökonomik vielfach nicht berücksichtigt. Wir fordern die Landesregierung auf, eine unvoreingenommene und neutrale Beratung aller Landwirtschaftsbetriebe sicherzustellen und aktiv gegen bewusste Fehlinformationen vorzugehen.

 

Hintergrund: Der Koalitionsvertrag nimmt zum Ökologischen Landbau konkret Bezug: „Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen. Wie bisher ist uns dabei die freie betriebliche Entscheidung wichtig, welche Bewirtschaftungsform gewählt wird. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln übersteigt das Angebot deutlich, und Länder wie Baden-Württemberg haben ein besonderes Potenzial für den ökologischen Landbau. Wir wollen, dass baden-württembergische Betriebe das Marktpotenzial und den Einkommensvorteil nutzen können, der sich daraus für unsere Betriebe ergibt. Die Umstellungs- und Beibehaltungsförderung für Landwirtschaftsbetriebe, die sich für den Ökologischen Landbau entschieden haben, wollen wir weiterführen. Der Bio-Aktionsplan wird weiterentwickelt. In Ergänzung zu den Aktivitäten der Marketinggesellschaft Baden-Württemberg zur regionalen Vermarktung wird als weiterer Baustein ein Landeswettbewerb zur Einrichtung von Bio-Muster-Regionen eingeführt.“

Weiterhin heißt es: „Wir wollen ein integriertes Programm „Landwirtschaft 4.0 nachhaltig.digital“ starten. Es hat vor allem das Ziel, die Effizienz der eingesetzten Produktionsmittel zu steigern und den Ressourcenschutz auch vor dem Hintergrund der ökologischen Erzeugung zu verbessern. Außerdem werden wir mit unseren Landesanstalten ein Kompetenzzentrum Ökolandbauforschung schaffen und das Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau auf der Hochburg weiterentwickeln. Wir streben eine Professur für Ökolandbau an der Universität Hohenheim an.“


ÖBBW und AÖL befürchten massive Fehlentwicklung beim Landesprojekt "Beratung.Zukunft.Land"

Esslingen, 26. April 2017. Mit der nachfolgenden Pressemeldung bringen die beiden Ökolandbau-Organisationen Öko-Beratung Baden-Württemberg e.V. und Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. ihre große Sorge bezüglich einer drohenden Fehlentwicklung bei der EU-ko-geförderten Landwirtschaftsberatung zum Ausdruck.

Die im Jahr 2015 im Rahmen des Landesprojekts „Beratung.Zukunft.Land“ begonnene Modulberatung war und ist aus Sicht von ÖBBW und AÖL die richtige Maßnahme, um die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe im Land sowohl in ihrem unternehmerischen Handeln als auch bei neuen Strategien in der Vermarktung zu beraten und zu unterstützen. Wir sind uns sicher: Mit modernem Fakten- und Methodenwissen ausgestattet wird es gelingen, innerhalb der hiesigen Land- und Ernährungswirtschaft Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte in Einklang zu bringen und eine starke Landwirtschaft zu sichern. Für dieses Gelingen unabdingbar sind schlagkräftige Beratungsorganisationen, die die Erzeugerbetriebe mithilfe langjähriger Erfahrung auf ihrem Weg begleiten. Nur mittels der Weitervermittlung praxisnahen Know-hows kann der Weg in eine enkelgerechte Zukunft erfolgreich beschritten werden.

In ihrer Koalitionsvereinbarung hat sich die grün-schwarze Landesregierung darauf verständigt, den ökologischen Landbau weiter voranzubringen: In Anerkennung des besonderen Potenzials im Lande bekennen sich die Koalitionäre dazu, das bestehende Marktpotenzial und die aus einer Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung resultierenden Einkommensvorteile zu nutzen sowie die Umstellungs- und Beibehaltungsförderung weiterzuführen.

Mit über zehn Prozent liegt der Anteil ökologisch bewirtschafteter Landwirtschaftsflächen in Baden-Württemberg deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Gemäß aktuellen Zahlen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz wurden im Jahr 2016 im Südwesten rund 20.000 Hektar Landwirtschaftsfläche auf Bio umgestellt. An den Märkten ist heimisches Qualitäts-Bio so stark nachgefragt wie nie zuvor. Trotz einer vermehrten Umstellung landwirtschaftlicher Flächen kann die Marktnachfrage noch immer nicht durch ein inländisches Warenangebot gedeckt werden. Nach Auskunft des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz stellt derzeit täglich ein Landwirtschaftsbetrieb auf ökologische Bewirtschaftung um. Die ökologische Agrar- und Ernährungswirtschaft im Südwesten trägt als gewachsener Wirtschaftszweig zur Arbeitsplatzsicherung in ländlichen Räumen bei und hat sich als wichtiger Wirtschaftsfaktor etabliert.

In diesem Zusammenhang unverständlich sind jüngst bekannt gewordene Überlegungen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die Beratungsförderung im Bereich der Umstellung auf Ökologische Bewirtschaftung zu kappen. Ein Beschneiden der derzeitigen Beratungsförderung würde nicht nur die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag konterkarieren, sondern wäre in Zeiten des fortschreitenden Umbaus der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Südwesten hin zu mehr Ökologie ein falsches und fatales Signal an den gesamten Sektor. Angesichts der zunehmend dramatischen Verwerfungen innerhalb des Landwirtschaftssektors, im Zuge derer eine Vielzahl landwirtschaftlicher Erzeugungsbetriebe den Weg in Richtung „Bio“ für sich sondiert, bedarf es politischer Verlässlichkeit und Kontinuität. Die in der ÖBBW und AÖL zusammengeschlossenen Organisationen bitten die beiden Koalitionsparteien daher dringend, den geplanten Schritt zur Kappung der Beratungsförderung zu überdenken und umgehend zurückzunehmen.

Hintergrund ÖBBW: Unter dem Namen „Öko-Beratung Baden-Württemberg e.V.“ haben sich die im Lande tätigen Verbände und Beratungsdienste des Ökologischen Landbaus zu einer gemeinsamen Öko-Beratungsorganisation zusammengeschlossen. In der ÖBBW bündelt die Branche ihre bestehenden Kompetenzen und garantiert die Sicherstellung und Weiterentwicklung eines marktgerichteten Beratungsangebots mit dem Ziel einer Verbreitung des Ökologischen Landbaus.

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen: 

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen 

T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de 


Einrichtung von Bio-Musterregionen

Einrichtung von Bio-Musterregionen und Forderungen zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“

Stuttgart / Esslingen, 4. April 2017. Anlässlich einer öffentlichen Anhörung im Stuttgarter Landtag legte Dr. Christian Eichert als Vertreter der Verbände des Ökologischen Landbaus heute deren Erwartungen zur Schaffung von Bio-Musterregionen sowie zur Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ dar.

Eichert lobte Minister Peter Hauk für dessen Zusage, die im grün-schwarzen Koalitionsvertrag genannte und vom Ökosektor seit langem geforderte Einrichtung von Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg zeitnah umzusetzen. Laut Eichert sind Bio-Musterregionen ein geeigneter Ansatz, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken, das Thema „Bio“ innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen und nachhaltig wirksame Leuchttürme zu schaffen. Wichtig sei es dabei, ein solches Konzept auf fünf Jahre anzulegen: „Es bringt wenig, wenn sich die Programmverantwortlichen einer Bio-Musterregion aufgrund einer zu kurz bemessenen Laufzeit bereits nach den ersten Monaten ihrer Tätigkeit nach einer Folgebeschäftigung umsehen“, so Eichert am Rande der Sitzung. Zudem forderte Eichert das Ministerium dazu auf – wie in den benachbarten Bundesländern Hessen und Bayern erfolgreich umgesetzt – eine zentrale Koordinationsstelle einzurichten, die Synergien über die Musterregionen hinweg schafft. Diese Stelle solle eine wichtige Bündlerfunktion übernehmen und sei nicht an einer der nachgelagerten Behörden, sondern direkt am Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz einzurichten.

Ausgehend von den Erfahrungswerten in den beiden benachbarten Bundesländern forderte Eichert die Landesregierung auf, jede Musterregion für kleinere Investitionsvorhaben mit einem Sockelbetrag investiver Mittel auszustatten. Anzustreben sei ferner eine Quervernetzung mit bestehenden Organisationsformen wie dem bundesweiten „Bio-Städte-Netzwerk“ sowie die enge Einbindung lokaler Wirtschaftspartner.

Angesichts des derzeitigen enormen Sektorwachstums – momentan stellt in Baden-Württemberg täglich ein landwirtschaftlicher Betrieb seine Erzeugung auf ökologische Bewirtschaftung um – müsse der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ auf breiter Basis fortgeschrieben werden. Insbesondere seien nach bald einem Jahr grün-schwarzer Regierungsarbeit nun auch die weiteren Koalitionszusagen umzusetzen. Eichert nannte die Umschichtung von Fördermitteln von der Ersten in die Zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik als konkretes Anliegen: „Damit der derzeit voranschreitende Umbau der Agrar- und Ernährungswirtschaft erfolgreich gestaltet werden kann, muss das Land dringend zeitnah finanziell nachsteuern. Eine Verlässlichkeit bei den Ausgleichszahlungen während der gesamten Förderperiode muss hier oberste Priorität haben“. Zudem müsse das Land die Erzeugerberatung durch eine Fortführung des EU-ko-geförderten Landesprojekts „Beratung.Zukunft.Land“ auch in Zukunft verlässlich unterstützen.

Drängend seien darüber hinaus inhaltliche Nachbesserungen und eine personelle Aufstockung beim Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau KÖLBW, das auf der Hochburg in Emmendingen etabliert ist. Aufgrund von Kapazitätsengpässen im Unterricht und einer ungenügenden inhaltlichen – und für die Fachschüler damit unbefriedigenden – Ausrichtung des Fachunterrichts drohe dort der eben geschaffene Ruf als Vorreiter für eine moderne Ausbildung zum Ökologischen Landbau verspielt zu werden. Eichert forderte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dazu auf, sich dieses Umstands anzunehmen und baldmöglich Abhilfe zu schaffen. Verwundert zeigte sich Eichert darüber, dass die Koalitionszusage zur Einrichtung einer Professur zum Ökologischen Landbau an der Universität Hohenheim bis heute nicht angegangen wurde – und dies, obwohl Ministerpräsident Winfried Kretschmann dort selbst seine Ausbildung genossen hat. Hier forderte Eichert im Namen der AÖL eine dringende inhaltliche Befassung und ein klares und abgestimmtes Finanzierungskonzept durch die Landesregierung.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Erst regio macht bio zu öko

Erst regio macht bio zu öko

Auftakt-Treffen des ökologischen Berufsstandes mit dem neuen Landwirt-schaftsminister Peter Hauk – Austausch im Interesse einer zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Pressemitteilung als PDF

AÖL-Artikel Diskussionspapier BOELW


Zur Milchkrise - Diskussionspapier der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft

Die Lage der Milchvieh-Betriebe ist dramatisch. Praktisch jeder Betrieb, der aufgeben muss, scheidet endgültig aus – mindestens aus der Milcherzeugung. Jeder Betrieb, der aufgeben muss, ist Nachbar einer andern Bauernfamilie. Und jeder Betrieb ist potenziell ein künftiger Bio-Betrieb. Daher fühlen auch wir uns von dieser fatalen Situation der Milchviehhalter be-troffen.

Überproduktion – Preissturz – Betriebsaufgaben: Ein Teufelskreis Die Ursache für den Zusammenbruch des Milchmarktes in Deutschland und anderen Ländern mit ähnlichen Produktions- und Marktbedingungen liegt darin, dass insgesamt zu viel Milch produziert wird. Der einzelne Milchbauer hat auf diese Überproduktion keinen Einfluss. Jeder Milchbauer kann, solange die Milchpreise zumindest seine variablen Kosten decken, nur noch mehr Milch erzeugen, um zumindest einen Teil seiner festen Kosten bezahlen zu können. Damit wird die Überschussmenge an Milch insgesamt noch mehr gesteigert und das Marktproblem für alle weiter verschärft – ein Teufelskreis.

Unser Diskussionsbeitrag „Weniger Milch, mehr Qualität, mehr Einkommen“ beschränkt sich auf einen Lösungsweg, für den die Ökologische Erzeugung durch ihre Erfahrung Kompetenz hat: die Verringerung des Inputs durch Beschränkung des Kraftfuttereinsatzes. Dieser Lö-sungspfad ersetzt nicht kurzfristig notwendige Hilfspakete für Milchbauern, er schafft aller-dings die notwendige Perspektive, mit der ein Lindern der akuten Not erst sinnvoll wird.

Hohe Milchleistung auf Kosten von Tieren, Umwelt und Menschen

Die hohen Milchmengen in den intensiv geführten Milchviehbeständen können nur dadurch ermolken werden, dass die Leistung der Tiere bis an ihre physiologischen Grenzen – oder sogar darüber hinaus – getrieben wird. Entsprechend gering ist die durchschnittliche Lebensdauer der Milchkühe in Deutschland. Die Energie für diese Milchleistung stammt zu einem bedeutenden Teil aus Kraftfutter, also Getreide und Körnerleguminosen wie Soja, für das der Verdauungsapparat der Wiederkäuer nicht eingerichtet ist. Dazu kommt, dass ein erheblicher Teil der eingesetzten Eiweißfuttermittel als Sojabohnen auf Flächen in Übersee angebaut wird, die einmal Urwald oder artenreiche Savanne waren. In Gegenden mit hoher Tierhaltungsdichte führt diese Einbahnstraße der Nährstoffe – aus Südamerika auf die Flächen in Deutschland – zu Überdüngung und hoher Stickstoffbelastung von Grund- und Oberflächenwasser.

Menge runter, Qualität hoch: Anreize für tiergerechte und umweltfreundliche Fütterung setzen

Das Problem der Überproduktion kann dauerhaft nur mit Veränderungen auf der „Input-Seite“ gelöst werden: Mit einer Beschränkung auf heimisches, den physiologischen Bedürf-nissen der Tiere angepasstes Futter lässt sich die Milchmenge reduzieren, die Gesundheit der Tiere verbessern, Flächen in Übersee sparen, die Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer begrenzen und die Kuh zum klimaverträglichen Nutztier machen.

Die Lösung: Ein Extensivierungs-Programm für die Milchvieh-Fütterung Zur dauerhaften, freiwilligen Entlastung des Milchmarktes schlagen wir vor, ein zu-sätzliches Programm für Milchbauern anzubieten. Innerhalb des Programms soll dann ein Zuschuss gewährt werden, wenn keine Maissilage gefüttert und der Kraftfuttereinsatz je Kuh auf durchschnittlich 1,5 kg pro Tag gesenkt wird. Mit dieser grundfutterbetonten, artgerechten Fütterung würden die Tiere weniger Milch geben, die Milchmenge insgesamt würde deutlich gesenkt. Praxiserfahrungen zeigen, dass die Milchmenge je Kuh bei extensiver Fütterung etwa ein Drittel geringer ist als bei einer intensiven Fütterung. 

Die Kosten des Extensivierungs-Programms wären vergleichsweise gering. Die teilnehmen-den Betriebe blieben in der Landwirtschaft, der ländliche Raum würde gestärkt. Durch die grundfutterbetonte, tiergerechte Fütterung würde Milch von messbar höherer Qualität produ-ziert. Das ermöglicht dem Handel, eine eigene qualitätsbezogene Vermarktung und Kenn-zeichnung einzurichten, das Produkt mit Aufpreis zu verkaufen und die Erlöse den Milchbau-ern zugutekommen zu lassen. Zusätzlich entstehen positive Effekte für Tiergesundheit und ausgeglichenere Nährstoffkreisläufe durch eine bessere Flächenbindung der Tierhaltung. Die Umwelt würde so geringer belastet und es gäbe positive Wirkungen für die Artenvielfalt. Da man die Futterzusammensetzung der Kühe nur schrittweise verändern kann, muss ein Über-gangszeitraum für die Tiere einkalkuliert werden.

Das Programm kann auch von Bio-Bauern genutzt werden und so helfen, deren Markt für mehr neue Betriebe zu öffnen, als das derzeit möglich ist.

Es ist davon auszugehen, dass mit einem Betrag von 100 Mio. €, wie es vom Landwirt-schaftsministerium in Aussicht gestellt wurde, mit dem Extensivierungsprogramm der Fütte-rung eine Milchmengenreduzierung von etwa 10 % in Deutschland bewirkt werden kann.

Wir bitten die Bundesregierung, aus dem Vorschlag ein Programm zu entwickeln. Dabei ist insbesondere zu prüfen:

  • die Höhe der erforderlichen „Anreizkomponente“, damit das Programm ausgeschöpft und für den Markt wirksam werden kann;
  •  wie die Kontrolle organisiert werden muss;
  •  wie das Programm in die GAP bzw. die GAK eingeordnet werden kann;
  •  wie das Programm mit bestehenden Weide-Programmen kombiniert werden kann.

 

Das Diskussionspapier des BOELW als PDF

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Berlin, 30. Mai 2016 // Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft

Marienstr. 19-20, 10117 Berlin

Tel. 030.28482300 Fax 030.28482309 info@boelw.de

www.boelw.de 


AÖL verabschiedet Johannes Ell-Schnurr

1998 war Johannes Ell-Schnurr federführend an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (AÖL) Baden-Württemberg beteiligt und wirkte seither aktiv bei der politischen Arbeit mit. Nach 18 Jahren als Geschäftsführer von Demeter Baden-Württemberg hat Ell-Schnurr am 1. Juni 2016 die Geschäfte an seinen Nachfolger Christian Wüst übergeben. AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert blickt auf eine stets respektvolle Zusammenarbeit zurück und bedankt sich bei Ell-Schnurr für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit: „Mit Johannes Ell-Schnurr hatten wir einen äußerst fairen und immerzu lösungsorientierten Mitdenker in unserem Team. Mit Weitsicht, Kreativität und Humor übernahm er stets Verantwortung für gemeinsame, verbandsübergeordnete Ziele und die Interessen der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg“, so Eichert im Rahmen der Verabschiedung Ende April 2016. 

Zahlreiche Projekte der AÖL – wie zum Beispiel den Öko-Sommer oder die gemeinsam mit der Landesregierung erfolgreich durchgeführten Öko-Aktionstage – gestaltete Ell-Schnurr aktiv mit. Dabei setzte er sich mit Leidenschaft für die Belange des Ökologischen Landbaus in Baden-Württemberg ein. So war er zusammen mit dem MLR maßgeblich an der Einführung des Bio-Zeichens Baden-Württemberg beteiligt, das inzwischen deutlich über 150 Zeichennutzer verbuchen kann. Außerdem machte er sich für die stärkere Präsenz von Bio-Verbänden bei Verbraucher- und Fachmessen in Baden-Württemberg stark. Im Jahr 2003 war Ell-Schnurr zudem Mitbegründer des Aktionsbündnisses gentechnikfreie Landwirtschaft Baden-Württemberg.

Künftig wird der Diplom-Agraringenieur (FH) beim Demeter Beratung e. V. (DBeV) die Geschäftsführung übernehmen. „Wir freuen uns, dass Johannes Ell-Schnurr auch weiterhin als Fachmann für ökologische Landwirtschaft tätig und ihm die Entwicklung der Bio-Betriebe eine Herzensangelegenheit ist. Für seinen Willen und seine Tatkraft, mit der er sich in der AÖL engagiert hat, gilt es Dank zu sagen – ebenso für das allzeit entgegengebrachte Vertrauen und die vielen fröhlichen gemeinsamen Stunden,“ so Dr. Eichert abschließend.


Spitzengespräch BLHV und AÖL

Freiburg, 29. April 2016. Nach einem erfolgreichen Treffen des bäuerlichen Berufsstandes und der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg im Jahr 2015 waren sich die Verbände einig, dass ein fruchtbarer Austausch in Form eines jährlichen Spitzengesprächs verstetigt werden solle. Dieses Mal sollte das Haus der Bauern in Freiburg als Tagungsort dienen. Vor der Gesprächsrunde wurde am Vormittag das erfolgreiche Bio-Unternehmen Taifun-Tofu besichtigt. Dort präsentierte sich den Besuchern ein innovatives Vermarktungskonzept für heimische Sojaprodukte. Auch wenn das südbadische Klima für den Sojaanbau geeignet ist, ist für einen erfolgreichen Anbau der Eiweißpflanze ein zuverlässiger Marktpartner wie Taifun unerlässlich. Dank Taifun entwickle sich der regionale und biologische Sojaanbau aus einer Nische hin zu einem lukrativen Betriebszweig für immer mehr Biolandwirte. Anschließend begrüßte BLHV-Präsident Werner Räpple die Teilnehmer des Spitzengesprächs im Haus der Bauern.

Nachdem sich die Diskussionsrunde zu den Marktpotenzialen am Markt für heimische Bio-Erzeugnisse ausgetauscht hatte, erfolgte ein vertiefter Austausch zum Thema Ausbildung und Nachwuchsförderung. So wurden sowohl der BLHV als auch die AÖL jüngst in den Beirat des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau (KÖLBW) berufen. Die Diskussionsrunde war sich einig, dass man durch die Einrichtung des KÖLBW auf der Hochburg in Emmendingen der sinnvollen Verzahnung der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Ökolandbau, dem begleitenden Versuchs- und Forschungswesen und der Veranschaulichung der landwirtschaftlichen Praxis im Rahmen eines Modellbetriebs einen großen Schritt näher gekommen sei. Der derzeitigen Konzeption mangele es nach Einschätzung der BLHV- und AÖL-Vertreter derzeit jedoch an personellen und finanziellen Kapazitäten, um den Anforderungen von Schülern, Praktikern und Forschern gerecht zu werden. Die Beteiligten forderten die neue Landesregierung dazu auf, das Landwirtschaftliche Bildungszentrum Emmendingen-Hochburg mit ihren Fachschulen für Landwirtschaft und Weinbau insgesamt personell zu stärken, um dem landesweiten Leitbildcharakter des Bildungszentrums für die landwirtschaftliche Nachwuchsförderung gerecht werden zu können. Zugleich sicherten die Verbände zu, die Weiterentwicklung des KÖLBW weiterhin zu befördern und zu begleiten. Man werde sich auch in Zukunft aktiv in die Umsetzung des gemeinsam getragenen Konzepts einbringen.

Stellvertretend für die Verbände des Ökologischen Landbaus bedankte sich Dr. Christian Eichert für die Einladung nach Freiburg. Er betonte, dass die derzeitigen Herausforderungen für die Landwirtsfamilien und den Sektor insgesamt nur dann bestanden werden können, wenn wie im Falle des KÖLBW gemeinsame Lösungsansätze entwickelt werden und ökologischer und konventioneller Landbau auch zukünftig vertrauensvoll zusammenarbeiten.

 

Ansprechpartner für Presseanfragen:

AÖL – Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.

Dr. Christian Eichert, Tel.: +49-160-7406015

BLHV – Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband Freiburg

Padraig Elsner, Öffentlichkeitsreferat, Tel.: +49-761-27133-231


Nach der Landtagswahl 2016: Positionen und Forderungen der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.

Das am 13. März dieses Jahres abgegebene Wählervotum ist auch ein Bekenntnis der Bürger Baden-Württembergs zu einem mutigen Umbau der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die beiden derzeit in Koalitionsverhandlungen stehenden Parteien haben im Rahmen der Beantwortung der Wahlprüfsteine zugesichert, ihre Politik in den kommenden Jahren entsprechend in Richtung einer nachhaltigen und deutlich sichtbareren Ökologisierung auszurichten. Diese Maßgabe aus dem Wahlkampf gilt es nun mutig anzugehen und in Regierungshandeln umzusetzen.

„Klar ist in jedem Fall: Nur Mut alleine reicht nicht, damit Veränderungen Raum greifen. Wenn der Nationalpark im Schwarzwald mit seiner großen Strahlkraft der umweltpolitische Höhepunkt der zurückliegenden Legislaturperiode war, gilt es nun Vergleichbares für die Land- und Ernährungswirtschaft anzugehen und im Koalitionsvertrag und den Haushaltsplanungen zu verankern. In der zurückliegenden Legislaturperiode wurde hier eindeutig zu wenig Mut zur Umgestaltung sichtbar“, so Dr. Christian Eichert, Geschäftsführer der  Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. heute in Esslingen.

Als Richtschnur für die angelaufenen Koalitionsgespräche wurden den beiden Hauptverhandlungsführern Winfried Kretschmann und Thomas Strobl die Forderungen der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau übermittelt. Darin enthalten sind Positionen zum Ressortzuschnitt, zur Ausstattung und Ausrichtung der Agrarförderprogramme, zum Schutz des Grundwassers als gesamtgesellschaftliche Herausforderung, zum Öko-Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“, sowie zur Forschungsförderung.

Die Forderungen und Positionen können hier nachgelesen werden.

Hier finden Sie die zugehörige Pressemitteilung.

AÖL-Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2016 finden Sie unter folgendem Link.


Ergebnisse des Politischen Frühschoppens - AÖL diskutiert über den Umbau der Agrar- und Ernährungswirtschaft

"Wie kann der gesellschaftlich geforderte Umbau der Agrar- und Ernährungswirtschaft gelingen?“ - dies war die zentrale Frage des Politischen Frühschoppens der AÖL, der am 25. Januar im Rahmen der Bioland-Wintertagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll stattfand.

In seinem Impulsvortrag griff Professor Grethe als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz den Meinungsstreit um Tierhaltungsbedingungen auf. Auf der Podiumsdiskussion wurden die Fragen aus den AÖL-Wahlprüfsteinen aufgegriffen. Die Agrarsprecher der Parteien bezogen Stellung zu vielfältigen Themen wie Agrarförderung, Verlässlichkeit dieser Förderprogramme und dem Spannungsfeld Markt und Landwirtschaft.

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Bildquelle: AÖL
Bildunterschrift:  Erste Reihe von links nach recht: Thomas Reusch Frey (MdL SPD-Fraktion), Dr. Christian Eichert (AÖL e.V.), Dr. Tanja Busse (Moderation), Paul Locherer (MdL, CDU-Fraktion) Zweite Reihe von links nach rechts: Dr. Friedrich Bullinger (MdL, FDP-Fraktion), Martin Hahn (MdL, Fraktion b90 / Die Grünen), Prof. Harald Grethe (Universität Hohenheim), Jan Plagge (Vorstand BÖLW)

 


PRESSEMELDUNG

Anlässlich der zweiten Sitzung des TTIP-Beirates fordern die kritischen Mitglieder im TTIP-Beirat, dass die Daseinsvorsorge vollständig von TTIP und CETA ausgenommen wird.

Karlsruhe, 11.01.2016. Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) birgt erhebliche Risiken für die öffentliche Daseinsvorsorge. Anlässlich der Sitzung des TTIP-Beirates am Montag (11. Januar 2016), der die Daseinsvorsorge im transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP als zentrales Thema behandeln wird, fordern die TTIP-kritischen Beiratsmitglieder, die Daseinsvorsorge auszunehmen und so vor mehr Wettbewerb zu schützen. Zahlreiche TTIP-Gegner haben am Montag vor dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe demonstriert und der EU-Handelskommissarin die 3,3 Millionen Unterschriften der selbst organisierten Europäischen Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA - dem Abkommen mit Kanada - überreicht. 260.000 der Stimmen kamen aus Baden-Württemberg. Diese sind Europaminister Peter Friedrich überreicht worden.

Den TTIP-kritischen Organisationen im TTIP-Beirat in Baden-Württemberg gehören neben der AÖL der BUND, der NABU, der Verein Mehr Demokratie e.V., Ver.di, ATTAC, die Verbraucherschutzzentrale, sowie weitere zivilgesellschaftliche Organisationen an.

Die TTIP-kritischen Mitglieder im TTIP-Beirat der Landesregierung lehnen TTIP und CETA, so wie sie derzeit geplant sind, ab. „Die beiden Freihandelsabkommen mit Kanada und den USA stellen zentrale Errungenschaften des europäischen Verbraucher-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes in Frage und sind daher in ihrer derzeitigen Form unbedingt abzulehnen“, so AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert heute am Rande der zweiten TTIP-Landesbeiratssitzung in Karlsruhe. „Jede transatlantische Partnerschaft muss die althergebrachten Werte Europas sichern und aus diesem Grund einige derzeit in Verhandlung stehende Aspekte aus dem Bereich Daseinsvorsorge, Ernährung, Verbraucherschutz und Kultur ausklammern. Wir fordern die Landesregierung dazu auf, sich im Bundesrat in diesem Sinne einzubringen.“ Die bisherigen Verhandlungen machen deutlich, dass Fragen der Daseinsvorsorge, aber auch die hohen Umwelt- und Sozialstandards in Europa als Handelshemmnisse gesehen und verwässert werden sollen. Es steht zu befürchten, dass die Verhandlungsführer diese auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen möchten. Ein deregulierter Markt könne dazu führen, dass zum Beispiel Gentechnik-Lebensmittel ohne Kennzeichnung auf unseren Tellern landen. Somit steht auf dem Spiel, was in Sachen Verbraucher- und Umweltschutz in Europa in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde. „Die Freihandels- und Investorenschutz-Rezepte aus dem 20. Jahrhundert bieten keine Lösungen für unsere aktuellen Probleme“, bilanziert Eichert. Er sieht hinter CETA und TTIP eine Mogelpackung: Ziel der neoliberalen Politik und Deregulierung ist nicht das Wohl der Menschen in den USA, Europa und dem Rest der Welt, sondern die Profitmaximierung einiger weniger international agierender Konzerne. Die Interessen der Verbraucher und der großen Mehrheit europäischer Landwirte bleiben auf der Strecke. Wie jüngst Erhebungen zeigen würden die kleinbäuerlichen Strukturen Europas einem immensen Wettbewerbsdruck ausgesetzt werden, dem sie kaum noch standhalten könnten. Eine nachhaltige und umweltgerechte EU-Agrarpolitik wäre unter den Regeln des Freihandelsabkommens nicht mehr möglich.

Darüber hinaus bergen TTIP und CETA große Gefahren für die Demokratie. „Die Investor-Staats-Schiedsverfahren unterwandern den Rechtsstaat und erschweren Gesetze zum Schutz von Umwelt, Gesundheit und Kultur“, argumentiert Eichert. Er warnt davor, dass mit der geplanten regulatorischen Kooperation der Einfluss von Lobby-Gruppen weiter gestärkt und Entscheidungen in den vorparlamentarischen Bereich und damit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung verlagert würden. Abschließend brachte Eichert die Forderungen der Ökolandbau-Verbände auf den Punkt: „Wir brauchen aber mehr Demokratie und nicht freie Fahrt für wirtschaftliche Interessen.“

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Agrar-Politik und Landtagswahl 2016: Wahlprüfsteine der AÖL - Wie stehen die Parteien zum Ökologischen Landbau?

PRESSEMELDUNG

Landtagswahl 2016: Wahlprüfsteine der AÖL

Wie stehen die Parteien zum Ökologischen Landbau?
Welchen Stellenwert hat der Ökologische Landbau, wenn im Frühjahr 2016 in Baden-Württemberg wieder Landtagswahlen anstehen? Was sind die agrarpolitischen Ideen und geplanten Maßnahmen der Parteien? Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e. V. (AÖL) hat den derzeit im Landtag vertretenen Parteien Fragen zur Agrarpolitik im Land gestellt.
In der zu Ende gehenden Legislaturperiode wurden hinsichtlich der Ökolandbau-Politik viele richtige Schwerpunkte gesetzt. Dennoch kommt die AÖL zu der Bewertung, dass sich innerhalb des politischen Rahmens noch Optimierungsspielräume bieten, um die von der Gesellschaft gewünschten Leistungen des Ökologischen Landbaus im Allgemeinen angemessen zu honorieren und die gesellschaftlich geforderten Tierschutz-, Naturschutz-, Klimaschutz- und Umweltleistungen des Ökolandbaus im Besonderen in eine zukunftsgerichtete Agrarpolitik zu überführen.
„Der Ökologische Landbau ist die effizienteste Methode, um den gesellschaftlichen Ansprüchen an die Landwirtschaft gerecht zu werden. Gleichzeitig schafft unsere Branche zusätzliche Arbeitsplätze – insbesondere im ländlichen Raum. Der Ökologische Landbau sollte deshalb die Leitbildfunktion für die Entwicklung der gesamten Landwirtschaft übernehmen“, so Dr. Christian Eichert als Geschäftsführer der AÖL.
Bereits im September 2015 hat die AÖL einen umfassenden Fragenkatalog zu agrarpolitischen Leitlinien und Ausrichtungen an die Parteien geschickt. Darin enthalten sind Fragen zu aktuellen Maßnahmen wie dem Öko-Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“, zu ökonomischen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und Wettbewerbsgleichheit oder zu den Themen Gentechnikfreiheit und Erhalt von Streuobst. Bislang haben Bündnis 90 / Die Grünen, CDU und SPD die Wahlprüfsteine beantwortet.

Wahlprüfsteine der AÖL als Orientierung zur Landtagswahl 2016

Über die bisherigen Antworten und Statements von SPD, Grüne und CDU können sich alle Wähler und Interessierten auf der Internetseite der AÖL unter www.oekolandbau-bawue.de ein Bild machen.
Trotz einer deutlichen Fristverlängerung und mehrfachen Nachhakens bei der FDP konnte noch keine Rückmeldung auf den Fragenkatalog der Öko-Anbauverbände Baden-Württembergs vermeldet werden. Sollten noch Antworten eintreffen, werden diese ergänzend auf der Internetseite aufgenommen werden. Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e. V. (AÖL)
Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg: Bioland, Demeter, Naturland, Ecovin und Ecoland. In dieser Funktion möchte sie aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg mitgestalten.

Presse-Ansprechpartner: Dr. Christian Eichert: +49-160-7406015

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF

Hier kommen Sie zum Fragenkatalog und den Stellungnahmen der verschiedenen Parteien


Wahlprüfsteine der AÖL zur Landtagswahl 2016 - Fragen und Antworten

Bereits im September 2015 hat die AÖL einen umfassenden Fragenkatalog zu agrarpolitischen Leitlinien und Ausrichtungen an die Parteien geschickt. Darin enthalten sind Fragen zu aktuellen Maßnahmen,  wie dem Öko-Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“,  zu ökonomischen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und Wettbewerbsgleichheit oder zu den Themen Gentechnikfreiheit  und Erhalt von Streuobst. Bislang haben Bündnis 90 / Die Grünen,  CDU und die SPD die Wahlprüfsteine beantwortet.

Den ausführlichen Fragenkatalog finden Sie hier.

CDU

Die Orientierung am christlichen Menschenbild und die Bewahrung der Schöpfung ist für die CDU Maßstab ihres Handelns. Deshalb ist das Ziel unserer Politik eine Landwirtschaft, die wirtschaftlich arbeitet, die aber gleichzeitig umweltfreundlich ist, dabei Tier- und Naturschutz beachtet und weiter entwickelt. Das sehen wir als Grundsatz und Aufgabe für die konventionelle wie für die ökologische Wirtschaftsweise gleichermaßen.

Der ökologische Landbau leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag und sein Potential soll im Rahmen der wirtschaftlichen Gegebenheiten weiter ausgebaut werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer übergreifenden Strategie, die aktuell auf Bundesebene durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erarbeitet wird und die Ende 2016 vorliegen soll. Ziel ist es, den ökologischen Landbau weiter zu stärken und den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen auszuweiten.

Bei der Förderung und weiteren Stärkung des ökologischen Landbaus schreibt die CDU-Landtagsfraktion den lokalen Vermarktungsstrukturen von heimisch produzierten Lebensmitteln eine wichtige Bedeutung zu. So sollen regional erzeugte Produkte für alle Verbraucher noch attraktiver werden. Der Faktor „Regionalität der Agrarprodukte“ ist aus unserer Sicht in gleicher Weise bedeutsam wie die Frage nach ökologischer oder konventioneller Produktion. In der Verbindung von ökologischer Wirtschaftsweise und regionaler Herkunft sehen wir Wettbewerbsvorteile für unsere Erzeuger. Gerade für die Käufer von Bioprodukten ist der regionale Aspekt von besonderer Bedeutung.

Um weiteres Wachstum im ökologischen Landbau in Baden-Württemberg zu erzielen und zu verstetigen, darf nach Überzeugung der CDU-Landtagsfraktion nicht allein auf mehr  staatliche Unterstützung gesetzt werden. Wichtig ist vielmehr eine zunehmende Behauptung am Markt. Fortlaufende Unterstützung allein schafft auf Dauer keine gesicherte Selbstständigkeit, auch nicht im Bereich der ökologischen Bewirtschaftung. Der ökologische Landbau ist eine sehr zukunftsfähige Form der Landwirtschaft und so ist auch vor dem Hintergrund der hohen Produktionsstandards in Deutschland großes Wachstumspotential vorhanden. Dabei sind für die CDU-Landtagsfraktion Planungssicherheit und Verlässlichkeit für die ökologisch wie auch konventionell wirtschaftenden Betriebe besonders bedeutsam. Wir werden deswegen die mit hohem Aufwand verbundene Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung und ihre Beibehaltung weiterhin verlässlich fördern. Wir unterstützen den Ökolandbau zudem durch die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette, die Bildung von Erzeuger- und Absatzgemeinschaften und die Verbesserung der Vermarktung.


Die Grünen

Der Einsatz für den Ökologischen Landbau gehört zu den Grundpfeilern grüner Politik. Unter der grün-geführten Regierung haben wir den Ökolandbau daher ins Zentrum der Agrarpolitik gerückt. So haben wir uns erfolgreich für die Umsetzung des Prinzips „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ eingesetzt. Wir sind der Ansicht, dass Steuermittel vor allem dort eingesetzt werden sollten, wo die Gesellschaft besonders davon profitiert. So leisten unsere landwirtschaftlichen Betriebe oftmals erhebliche Beiträge zum Klima-, Umwelt-, und Naturschutz, zur Landschaftspflege sowie zum Tierwohl, die aber häufig nicht angemessen vom Markt entlohnt werden.
Hierzu zählen ökologische Betriebe, die erwiesenermaßen besondere Leistungen für unser Ökosystem und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser erbringen. In Folge hat die grün-geführte Landesregierung die Förderung des Ökolandbaus deutlich angehoben und den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ aufgelegt. Dabei wurde zum Beispiel die Umstellungsprämie wiedereingeführt, die Investitionsförderung für Ökobetriebe erhöht, die Beibehaltungsprämien deutlich erhöht sowie gezielt die Aktivitäten in Beratung, Forschung und Vermarktung ausgebaut.
In diesem Zuge hat die grün-geführte Regierung auch durchgesetzt, dass Stallneubauten nur noch gefördert werden, wenn die gesetzlichen Mindeststandards deutlich überschritten werden. Höhere Prämien gibt es, wenn Premiumbedingungen für besonders tiergerechte Ställe erfüllt werden.
Auch in Zukunft werden wir GRÜNE uns konsequent für die Förderung des ökologischen Landbaus einsetzen. Unser Ziel ist es, den Anteil ökologischer Lebensmittel im Land zu erhöhen, um auf diese Weise der stetig steigenden Nachfrage nach Biolebensmitteln nachkommen zu können. Da derzeit noch große Mengen Bioprodukte aus dem Ausland importiert werden müssen, sehen wir hier erhebliches Potential für unsere Landwirte, vom Bio-Boom zu profitieren. Aus unserer Sicht kommt der Förderung der Umstellung konventioneller Betriebe auf die ökologische Bewirtschaftung daher eine große Bedeutung zu.
In diesem Zusammenhang ist uns GRÜNEN bewusst, dass Planungssicherheit und Verlässlichkeit in Hinblick auf die Agrarförderung für Landwirte oberste Priorität haben. Nachdem die letzte Förderperiode 2014 ausgelaufen ist, wurde FAKT im Rahmen von MEPL III als letztes Förderprogramm von Seiten der EU im Frühjahr 2015 bestätigt. Wir GRÜNE stehen für eine verlässliche Politik mit klaren Rahmenbedingungen, was Dauer und Höhe der Förderung betrifft.


SPD

Wie unter Grün-Rot seit 2011 praktiziert, werden wir auch in einer künftigen Landesregierung die Förderung des Ökologischen Landbaus weiter voranbringen. Leitlinie ist für uns einerseits, dass alle umstellungswilligen Betriebe auch beraten und gefördert werden, wenn sie auf Ökolandbau umstellen möchten. Zugleich wollen wir den Biolandbau in dem Maße steigern, in dem auch die Nachfrage nach Bioprodukten weiter steigt, um diese auch mit regionalen Bioprodukten bedienen zu können, statt mit Produkten aus der Ferne.

Mit der Umstellung des alten MEKA-Programms auf das Programm FAKT, mit einer deutlich verbesserten Grünlandförderung sowie den jetzt schon hinsichtlich Biolandbau verbesserten Investitionsbeihilfen sind bereits geeignete Instrumente vorhanden, die man je nach Bedarf nachsteuern muss. Auch der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ und weitere Maßnahmen dienen diesem Ziel. Zugleich wird die konventionelle Landbewirtschaftung durch diese und weitere Maßnahmen weiter ökologisiert.

Wir haben die Investitions-Förderprogramme des Landes im Agrarbereich bereits um Bedingungen artgerechter Tierhaltung ergänzt und werden diesen Weg konsequent weitergehen. Zugleich arbeiten wir auf Bundesebene dafür, die Mindestanforderungen an die Tierhaltungsbedingungen weiter zu verbessern. Insbesondere bei der Schweinehaltung, der Haltung von Mastgänsen, Masthähnchen und Enten sowie Legehennen besteht noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Selbstverständlich müssen auch bestehende Förderprogramme immer wieder nachjustiert werden, um an die Bedürfnisse der Landwirtschaft und an andere, sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst zu werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass alle genehmigten Maßnahmen und Förderungen mit ausreichendem Bestandsschutz versehen sind, um den beteiligten Betrieben Planungssicherheit zu gewährleisten.

CDU

Der ökologische Landbau hat gerade in Baden-Württemberg eine lang bewährte Tradition mit einem etablierten Markt. Aus diesem Grund ist es der CDU-Landtagsfraktion ein Anliegen, die Weiterentwicklung des Aktionsplans im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und selbstverständlich unter der Einbindung aller beteiligten Verbände zu fördern.


Die Grünen

Wir GRÜNE haben uns erfolgreich für die Einführung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“ eingesetzt. Dieses Maßnahmenbündel zur Förderung des Ökolandbaus und seiner Wettbewerbsfähigkeit umfasst verschiedene Komponenten: Maßnahmen zur Förderung, Bildung, Beratung und Information Forschung und Versuchswesen, Markt und Vermarktung sowie zum Verbraucherschutz.
Unser Ziel ist die Fortsetzung und Weiterentwicklung des Aktionsplans. Hierbei wollen wir einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Ökolandbau-Forschung legen und damit Baden-Württemberg bundesweit in diesem Bereich zu einer Vorreiter-Region machen. Darüber hinaus möchten wir einen weiteren Schwerpunkt auf die Vermarktung von Bio- und Regionalprodukten legen, um so den Absatz in diesem Segment weiter anzukurbeln.
Die Höhe der künftigen finanziellen Ausstattung lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestimmen, da diese wesentlich von der Ausgestaltung eines möglichen Koalitionsvertrags sowie der künftigen gesamtwirtschaftlichen Situation abhängen wird. Wir sind uns jedoch bewusst, dass es zur erfolgreichen Umsetzung des Aktionsplans eines angemessenen Finanzrahmens bedarf und werden uns hierfür stark machen.
Wir GRÜNE stehen für einen dauerhaften Dialog mit Vertretern des Ökologischen Landbaus. Diesen Austausch werden wir auch künftig durch regelmäßige Verbändetreffen und Vororttermin gewährleisten.


SPD

Wir wollen den erfolgreichen Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ fortführen und weiterentwickeln. Diese Weiterentwicklung muss auf wissenschaftlicher Basis fußen, die Erfahrungen mit den bisherigen Maßnahmen und deren Erfolg einbeziehen und eng mit den Ökolandbau-Verbänden abgestimmt werden. Die Nennung bestimmter einzelner Maßnahmen macht deshalb zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn.

Für eine erfolgreiche Steigerung des Bioanbaus im Land und die Weiterentwicklung der bestehenden Programme wird auch zusätzliches Geld erforderlich sein. Konkrete Fördersummen schon jetzt zu nennen, wäre jedoch unseriös, da dies immer im Gesamtzusammenhang vorhandener Rahmenbedingungen wie EU-Fördermittel, Steuereinnahmen oder auch der Agrarförderung insgesamt zu entscheiden ist.

Eine enge Einbindung und Anhörung der betroffenen Verbände bei jeglicher Änderung von Förderprogrammen und anderen Maßnahmen ist für uns eine Selbstverständlichkeit, die wir weiterhin praktizieren werden.

CDU

Auch bei der Frage nach den ökonomischen Rahmenbedingungen für ökologisch und konventionell wirtschaftende Erzeugerbetriebe anerkennt und begrüßt die CDU-Landtagsfraktion die wichtige Bedeutung des ökologischen Landbaus für Baden-Württemberg. Gleichzeitig kommt nach unserer Überzeugung der konventionellen Landwirtschaft eine ebenso wichtige Rolle zu. Ein gesunder Wettbewerb zwischen den verschiedenen Bewirtschaftungsformen, die sich gegenseitig ergänzen, um die Gunst der Verbraucher ist aus unserer Sicht sinnvoll.


Die Grünen

Siehe II. Weiterentwicklung des Öko-Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“


SPD

Die Politik kann nicht jegliche Marktmechanismen in einem Markt von Angebot und Nachfrage, der auch über die Landesgrenzen hinausgeht, außer Kraft setzen. Wir werden aber darauf achten, dass innerhalb des gesamten Förderrahmens in der Agrarwirtschaft bestehende Ungleichheiten zwischen konventionellen und ökologisch wirtschaftenden Betrieben möglichst entgegengewirkt wird.

CDU

Baden-Württemberg gilt als Vorreiter beim Schutz des Grundwassers und dazu leistet auch die Landwirtschaft ihren Beitrag. Die CDU-Landtagsfraktion tritt für eine umweltfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft ein und will dabei auf sachgerechte Umweltvorschriften, Information, Beratung und Qualifizierung sowie auf die Förderung ökologischer und umweltfreundlicher Maßnahmen setzen. Eine Einführung von zusätzlichen Belastungen für unsere bäuerlichen Familienbetriebe über das Ordnungsrecht halten wir jedoch ausdrücklich nicht für zielführend. Eine Abgabe auf Stickstoff- oder Pflanzenschutzmittel hält die CDU-Landtagsfraktion deswegen nicht für sinnvoll, denn sie würde die landwirtschaftliche Produktion für die allermeisten Betriebe weiter verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft schwächen. Im Zusammenhang mit dem Schutz des Grundwassers gilt es aktuell zudem, die Novellierung der Düngemittelverordnung auf Bundesebene abzuwarten, bevor in weitere Überlegungen eingetreten werden sollte.


Die Grünen

Wir GRÜNE werden uns in der nächsten Legislaturperiode weiterhin für die Internalisierung externer Kosten einsetzen. Bisher spiegeln die Preise für Lebensmittel oftmals nicht die wahren Kosten wider, die bei der Produktion entstehen. In diesem Zusammenhang sind wir der Ansicht, dass Verursacher künftig stärker als bisher in die Verantwortung genommen werden müssen beziehungsweise die Kosten hierfür tragen müssen.
Konzepte wie eine bundesweite Pestizidabgabe müssen aus unserer Sicht daher ernsthaft diskutiert und geprüft werden. Der unmittelbare Vorteil einer solchen Abgabe wäre, dass pestizidfrei produzierte Lebensmittel konkurrenzfähiger gegenüber pestizidbehandelten Lebensmitteln wären, da der direkte Verursacher für die Kosten wie zum Beispiel zur Wasseraufbereitung aufkommen müsste. Auch das Konzept einer Stickstoffabgabe halten wir für grundsätzlich für begrüßenswert. Die Möglichkeiten zur Einführung einer solchen Abgabe müssen aus unserer Sicht jedoch auf Bundesebene geprüft werden.


SPD

Zweifelsohne resultieren Grundwasserverunreinigungen und Bodenbelastungen auch aus landwirtschaftlicher Nutzung. Eine Anlastung konkreter Kosten und deren Berechnung und Umlegung auf einzelne Betriebe gestaltet sich jedoch als unmöglich. Wir gehen deshalb den erfolgversprechenderen Weg, die Belastungen selbst durch Ordnungsrecht und Förderpolitiken zu reduzieren. Dazu gehören eine novellierte Düngemittelverordnung, stärkere an Umweltanforderungen- und Tierwohl-orientierte Förderprogramme oder auch der deutliche Rückgang des Antibiotikaeinsatzes inklusive strenger Kontrollen. Auch das Grünlandumbruchverbot sowie der deutlich verbreiterte Gewässerrandstreifen – beides Maßnahmen unseres Regierungshandelns in den letzten Jahren hier im Land – sind Beispiele für unser politisches Handeln, um dieses Ziel zu erreichen.

Eine Zwangsabgabe auf Pestizide halten wir für den falschen Weg. Wenn Pestizide gesundheitlich und ökologisch bedenklich sind, müssen sie ersetzt bzw. vom Markt genommen werden. Zudem muss geprüft werden, ob hinreichend Alternativen zur Verfügung stehen.

Den Pestizideinsatz wollen wir durch strengere Vorgaben zur Unbedenklichkeit und strengere Auflagen zur Anwendung sowie deren Kontrolle erreichen. Zudem fördern wir die Umstellung von konventioneller auf biologische Landbewirtschaftung.

Der Grundwasserschutz im Land konnte in den Sanierungsgebieten durch konsequentes Umsetzen der Schutzgebietesausgleichs-Leistungsverordnung SchalVO verbessert werden. Zugleich ist flächendeckend jedoch keine wesentliche Verbesserung und regional auch eine Verschlechterung zu beobachten. Wir werden das Instrument der SchalVO zusammen mit einer Weiterentwicklung des FAKT so gestalten, dass es den Stickstoffeinsatz verringert und optimiert, um auch in der Fläche eine mittel- und langfristige Verbesserung Reduzierung der Nitratwerte in Boden und Grundwasser und Oberflächengewässern zu erreichen.

CDU

Die landwirtschaftliche Produktion in Baden-Württemberg arbeitet ohne Gentechnik. Die Sorgen der Menschen nehmen wir ernst und empfehlen unseren landwirtschaftlichen Betrieben gleich welcher Ausrichtung, keine gentechnisch veränderten Organismen anzubauen. Mit Blick auf die Entwicklungen der Gentechnik weltweit sehen wir es jedoch als wichtig und richtig an, die Forschung über gentechnisch veränderte Organismen in Baden-Württemberg weiterhin zu ermöglichen. Wir fördern damit nicht die Einführung der Grünen Gentechnik. Vielmehr wollen wir damit den wissenschaftlichen Einfluss in diesen Forschungsbereichen erhalten und auch die Möglichkeiten von sinnvollen Entwicklungen weiterhin ermöglichen sowie neue Gefahren rechtzeitig erkennen können. Es ist für dabei selbstverständlich, dass eine derartige Forschung nur unter besonderen Rahmenbedingungen machbar ist – und nur für diesen Bereich sind wir bereit, entsprechende Grundlagen zu schaffen. Bei der Verpachtung von landwirtschaftlichen Nutzflächen des Landes ist sich die CDU-Landtagsfraktion dieser Grundsätze bewusst; es gilt aber auch, die Vorgaben der Landeshaushaltsordnung zu wahren. Zur Forderung nach einem Verbot des Einsatzes von glyphosathaltigen Wirkstoffen auf Landesflächen möchten wir festhalten, dass erst im vergangenen Jahr alle zuständigen deutschen Bewertungsbehörden in einem Fachgespräch des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft auf Bundesebene die Unbedenklichkeit von Glyphosat bestätigt haben. Ein Verbot dieses seit Jahrzehnten bewährten und für die Landwirtschaft grundlegenden Wirkstoffs allein aufgrund der jüngsten punktuellen Entwicklung halten wir für verfehlt.  Die neue Bewertung von Glyphosat durch eine Unterorganisation der WHO steht im Widerspruch zu den Ergebnissen zahlreicher nationaler und internationaler Bewertungsbehörden. Deshalb reicht sie nach unserer Überzeugung nicht als Grund für ein Verbot aus.

Im Bereich des Qualitätszeichens Baden-Württemberg (QZBW) teilen wir das Ziel des Standards „ohne Gentechnik“  bis Ende 2017. Dies gilt auch für die Erzeugung regional gewonnenen Streuobsts unter QZBW. Eine zeitlich frühere Umsetzung streben wir an.


Die Grünen

Wir GRÜNE setzen uns seit Langem für ein gentechnikfreies Baden-Württemberg ein. Kein Bundesland nutzt die vorhandenen Instrumente so konsequent wie die grün-geführte Landesregierung. So ist Baden-Württemberg seit 2012 Mitglied im Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen, welches sich für gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. In diesem Zusammenhang werden landwirtschaftliche Nutzflächen, die sich in Landeseigentum befinden, bereits heute nur noch mit der Auflage verpachtet, keine gentechnisch veränderten Organismen anzubauen. Auch werden Tiere in den landwirtschaftlichen Landesanstalten nur mit GVO-freiem Futter gefüttert. Im Landesnaturschutzgesetz hat die grün-rote Koalition einen Schutzgürtel um Naturschutzgebiete verankert, durch den in 3 Kilometer Umkreis keine GVO-Organismen angepflanzt werden dürfen.
Darüber hinaus werden wir uns dafür einsetzen, dass künftig ökologische Kriterien in Pachtverträgen von in Landeseigentum befindlichen landwirtschaftlichen Nutzflächen stärker berücksichtigt werden. Grundsätzlich stehen wir GRÜNE dem Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel seit Langem kritisch gegenüber, umso mehr seitdem Glyphosat im Frühjahr 2015 von der WHO-Organisation IARC als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft wurde. So lange die Wirkungen von Glyphosat nicht abschließend geklärt sind, sind wir gegen eine erneute Mittelzulassung und werden uns dafür einsetzen, dass die Bundesregierung die Anwendung von Glyphosat untersagt. Die grün-geführte Landesregierung hat sich bereits erfolgreich für eine Bundesratsinitiative zum Verbot von Glyphosateinsatz kurz vor der Ernte sowie im Haus- und Kleingartenbereich eingesetzt, wir sehen hier aber weiter dringenden Regelungsbedarf auf Bundesebene. Unser Ziel ist es, das Qualitätszeichen Baden-Württemberg um den Standard „Ohne Gentechnik“ zu ergänzen. Daher würden wir es ausdrücklich begrüßen, wenn in Kooperation zwischen den wirtschaftlich Verantwortlichen und der Politik eine schnellere Einführung gelingt. Wir GRÜNE haben uns in einer ersten Initiative der grün-geführten Landesregierung dafür eingesetzt, dass das Qualitätszeichen Baden-Württemberg nur noch Produkte enthält, die zu 100 Prozent gentechnikfrei hergestellt sind. Entsprechend ist unter dem QZBW-Label vertriebenes Streuobst bereits heute gentechnikfrei. Streuobst ist landschaftsprägend und leistet einen erheblichen Beitrag zur Biodiversität. Daher sollte der Streuobstanbau aus unserer Sicht pestizidfrei erfolgen.


SPD

In den Landesanstalten ist der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen bereits seit einigen Jahren nicht mehr zulässig. Für die verpachteten landwirtschaftlichen Flächen werden wir ein solches Verbot gerne prüfen, wollen aber auf Basis des EU-Rechts lieber ein bundes- oder notfalls auch landesweites Verbot des Einsatzes gentechnisch veränderter Organismen. Eine zwingende Vorgabe des ökologischen Landbaus auf allen landeseigenen Flächen halten wir für nicht sachgerecht.

Der Einsatz von Glyphosat ist nicht unbedenklich und hat Langzeitfolgen durch die Ansammlung von Abbauprodukten im Boden und Grundwasser. Sein Einsatz muss deshalb drastisch beschränkt werden. Das gilt insbesondere für alle nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen und Freiflächen. Aber auch im Bereich der Landbewirtschaftung muss es mit geeigneten Übergangsfristen zu einem Verbot kommen. Eine Bundesratsinitiative kann dazu der richtige Weg sein.

Die SPD setzt sich seit vielen Jahren für die Gentechnikfreiheit der Landwirtschaft ein. Sobald der Bund regeln würde, dass die Länder die rechtliche Möglichkeit zum Verbot von Grüner Gentechnik eingeräumt bekommen, würden wir dies für Baden-Württemberg umsetzen. Unabhängig davon plädieren wir dafür, dass der Bund dies bundesweit regelt und Deutschland gentechnikfrei bleibt. Zudem streben wir die Gentechnikfreiheit aller Produkte unter dem Label „Qualitätszeichen Baden-Württemberg“ an. Zu welchem Zeitpunkt dies umgesetzt werden kann, würden wir, wie Sie an anderer Stelle völlig zu Recht gefordert haben, mit den betroffenen Betrieben abstimmen, denn deren Planungssicherheit liegt uns am Herzen. Einen Termin jetzt schon zu nennen, würde die Interessen der betroffenen Landwirtschaftsbetriebe ignorieren, die Zeit und oft auch Geld für eine Umstellung brauchen.

CDU

Fragen zur Mehrwertsteuer und möglichen Reformen werden auf Bundesebene entschieden. Eingriffe in das Bewertungssystem der Umsatzbesteuerung bedürfen stets einer übergreifenden Betrachtung und einer besonderen Rechtfertigung in der Sache. Dies gilt gerade auch mit Blick auf Art 3 GG.


Die Grünen

Grundsätzlich begrüßen wir GRÜNE den Vorschlag einer Ökologischen Mehrwertsteuerreform auf Bundesebene. In diesem Sinne stehen wir für eine Steuerreform, die der bisherigen fehlenden Verteilungswirkung der Mehrwertsteuer entgegensteuert und sich stattdessen an einer größeren Steuergerechtigkeit orientiert. Hierfür ist unserer Sicht nach eine Überprüfung der Ermäßigungstatbestände notwendig. Im Sinne der Steuergerechtigkeit ist es wichtig, klar nachvollziehbare Regeln für Produkte und Dienstleistungen aufzustellen, die unter den ermäßigten Steuersatz fallen. Eine Ökologische Mehrwertsteuerreform liegt jedoch nicht im Kompetenzbereich des Landes, sondern muss Bundes- bzw. EU-Ebene umgesetzt werden.


SPD

Eine Implementierung gesamtgesellschaftlicher Kosten und ökologischer sowie gesundheitlicher Folgekosten in die Steuergesetzgebung klingt auf den ersten Blick charmant. Dabei wäre jedoch die tatsächliche, in einen Steuersatz einfließende Quantifizierung von solchen Folgekosten oft kaum möglich. Überdies handelt es sich hierbei um Bundesrecht.

CDU

Überlegungen, die Vergabe öffentlicher Aufträge stärker an der ökologischen Produktion auszurichten, sind nach unserer Überzeugung vor dem Hintergrund der aktuellen massiven Herausforderungen der öffentlichen Hand derzeit nicht prioritär. Eine Kampagne speziell zur Förderung regional in Baden-Württemberg erzeugter Produkte in Einrichtungen des Außer-Haus-Verzehrs der öffentlichen Hand kann ein sinnvoller Schritt sein, das Bewusstsein für Regionalität weiter zu stärken.

Abschließend ist zu betonen, dass wir uns gleichermaßen zu allen Bewirtschaftungsformen bekennen, ohne dabei einzelne zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Ein wesentliches Ziel ist es dabei stets, die Einkommenssituation unserer landwirtschaftlichen Familienbetriebe mit Blick auf eine gute Zukunftsperspektive weiter zu verbessern.


Die Grünen

Wir GRÜNE werden uns bei der Überarbeitung der Verwaltungsvorschrift der Landesregierung über die Vergabe öffentlicher Aufträge dafür einsetzen, dass Kriterien wie regional, ökologisch, gentechnikfrei sowie auch Streuobst berücksichtigt werden. Allerdings setzt das EU-Wettbewerbsrecht in diesem Zusammenhang klare Grenzen. So darf eine Ausschreibung nach Vorgabe der EU zum Beispiel nicht den Standard „Ohne Gentechnik“ enthalten.

Wir GRÜNE stehen für eine gesunde, ausgewogene und nachhaltige Ernährung. Daher wollen wir, dass diese auch in der Außer-Haus-Verpflegung stärker Berücksichtigung findet. Mit der Vernetzungsstelle Außer-Haus-Verpflegung haben wir in der grün-geführten Regierung bereits eine Beratungsmöglichkeit geschaffen. Auch haben wir das Coachingprojekt „Große Küche – Gutes Essen“ und die Kampagne „Mach’s Mahl“ ins Leben gerufen. Zudem haben wir das Ziel, den Bio-Anteil in Kantinen zu steigern.
Wie es gelingen kann, den Anteil von Bio-Produkten und regional erzeugten Lebensmitteln weiter zu erhöhen, möchten wir künftig anhand von Modellprojekten in Kantinen, Mensen und Küchen des Landes zeigen und so mit gutem Beispiel vorangehen. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden so gestärkt. Gleichzeitig erhalten Ökolandwirte und Ökolandwirtinnen verlässliche Abnehmer für ihre Erzeugnisse.


SPD

Vorschriften über pauschale Mindestanteile bestimmter Produkte in Vergaben des Landes können zu bürokratischen Ungetümen führen, ohne die gewünschte Effizienz zu erreichen. Wir setzen deshalb eher auf Kampagnen und Aufklärung, um auch innerhalb der Landesverwaltung die Sensibilität hierfür zu verbessern.

Die Ergänzung der Verwaltungsvorschrift um die Anforderung „ohne Gentechnik“ werden wir auf ihre Handhabbarkeit prüfen.

Eine stärkere Berücksichtigung von Bioprodukten auch in den Kantinen von Landeseinrichtungen wäre zu begrüßen. Wir werden deshalb prüfen, auf welche Weise sich ein höherer Anteil an Bioprodukten beim Warenbezug realisieren lässt.

Im Zuge von Kampagnen für eine gesündere und zugleich ökologisch verantwortungsvollere Ernährung halten wir auch das Werben für den Verzehr von Bio-Produkten für sinnvoll, nicht nur in Kantinen und anderen AHV-Einrichtungen, sondern insgesamt. Wir werden solche Kampagnen auf den Weg bringen, insbesondere auch in Verbindung mit dem Regionalisierungsgedanken.


Regional erzeugte Bio-Lebensmittel sind gefragt. Um die kontinuierlich steigende Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher mit noch mehr ökologisch erzeugten Produkten aus der Region bedienen zu können, hat die grün-rote Landesregierung den Aktionsplan Bio aus Baden-Württemberg mit vielfältigen Maßnahmen aufgelegt. Am Montag (9. November) fand in Stuttgart das Jahresgespräch der Landesregierung mit den Verbänden des Ökologischen Landbaus Baden-Württemberg stattDer Aktionsplan der Landesregierung zeige Wirkung, stellten Minister Alexander Bonde und der kommissarische Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg Dr. Christian Eichert fest: Die ökologisch bewirtschafteten Flächen im Land seien im Jahr 2015 gestiegen. Ersten Zahlen der Ökokontrollbehörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe von Oktober 2015 zufolge sei außerdem ein Zuwachs an Ökobetrieben im laufenden Jahr zu erwarten.

Stuttgart / Esslingen, 09.11.2015. Als Vertreter der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg dankte Dr. Christian Eichert der Landesregierung für das bisher Erreichte: „Wir merken nicht nur auf Verbraucher-Seite einen Schub – auch auf den Höfen spielt Bio eine immer bedeutendere Rolle. In Baden-Württemberg wachsen Markt- und Absatzchancen sowie die Unterstützung der Erzeugerinnen und Erzeuger wunderbar zusammen.“

„Die ökologische Landwirtschaft ist gut für Umwelt, Böden, Artenvielfalt, Tierwohl und das Klima. Und auch die Landwirtinnen und Landwirte, die ökologischen Landbau betreiben oder betreiben wollen, profitieren von der zunehmenden Nachfrage nach Bio: Denn Bio aus Baden-Württemberg steht für Regionalität und bringt Wertschöpfung in die hiesigen Familienbetriebe – gerade im Ländlichen Raum. Wir schaffen gute Rahmenbedingungen für die Bio-Betriebe in unserem Land. Unter dem Dach des Aktionsplans ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ haben wir erfolgreich zahlreiche Maßnahmen und Projekte umgesetzt“, sagte Minister Alexander Bonde.

Dr. Christian Eichert pflichtete Bonde im Namen der Verbände des Ökologischen Landbaus Baden-Württemberg bei: „Bio wird in Baden-Württemberg verstärkt als eine echte Chance wahrgenommen. Immer mehr Landwirtsfamilien, erwägen aufgrund des zunehmend attraktiven Marktumfeldes eine Umstellung. Fortwährende Anstrengungen für diese Erzeugerbetriebe seien zu tätigen, um die sich bietenden Absatzchancen zu erhalten und diese weiter auzubauen.“

Aktionsplan Bio aus Baden-Württemberg wirkt

Mit dem Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ unterstützt die Landesregierung seit dem Jahr 2012 mit einem umfangreichen Maßnahmenbündel den Öko-Landbau in Baden-Württemberg. Der Aktionsplan enthält Maßnahmen zur finanziellen Förderung, zu Ausbildung und Beratung, zu Forschung und Versuchen, zu Markt und Vermarktung und zum Verbraucherschutz. „Ein Schwerpunkt des Aktionsplans ist es, ökologisch wirtschaftende Familienbetriebe in Baden-Württemberg zu unterstützen. Dafür haben wir die Prämien für ökologisch bewirtschaftete Flächen 2015 deutlich erhöht“, sagte Bonde. Der Minister wies darauf hin, dass die Zunahme der ökologisch bewirtschafteten Flächen zeige, dass das neue Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) von den Landwirtinnen und Landwirten gut angenommen werde. „Auch die neue Umstellungsförderung für ökologisch wirtschaftende Betriebe wird rege nachgefragt. Die Höfe werden intensiv von unseren Expertinnen und Experten beim Umstellungsprozess begleitet“, sagte Bonde abschließend.

Hintergrundinformationen:

In Baden-Württemberg waren im Jahr 2014 6.919 Erzeugerinnen und Erzeuger im Kontrollverfahren nach der EU-Öko-Verordnung gemeldet. Davon sind 3.316 landwirtschaftliche Öko-Betriebe, die weiteren Betriebe sind reine Streuobsterzeuger. In Baden-Württemberg wurden Ende 2014 rund 124.534 Hektar nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Das sind 8,8 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Hinweis: Nicht alle Betriebe im Öko-Kontrollverfahren beantragen eine Förderung nach FAKT.

Flächenförderung der Ökobetriebe in FAKT seit 2015:
FAKT                                            MEKA
Nutzung                                  Einführung*    Beibehaltung       bisher
Acker/Grünland                         350 €/ha      230 €/ha           190 €/ha
Gartenbau                                   935 €/ha     550 €/ha           550 €/ha
Dauerkulturen                           1.275 €/ha    750 €/ha           700 €/ha

Kontrollkostenzuschuss
FAKT:            60 €/ha max. 600 € pro Betrieb
MEKA:           40 €/ha max. 400 € pro Betrieb

* Umsteller/innen erhalten die Einführungsprämie für max. zwei Jahre

Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg

Der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ ist ein Maßnahmenbündel zur Förderung des Öko-Sektors in Baden-Württemberg. Darin sind Maßnahmen zur finanziellen Förderung, zu Ausbildung und Beratung, zu Forschung und Versuchswesen, zu Markt und Vermarktung sowie zum Verbraucherschutz zusammengefasst. Diese dienen dazu, die Rahmenbedingungen für die Umstellung auf ökologischen Landbau sowie die Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise zu verbessern.

Informationen zum Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ sind unter http://mlr.baden-wuerttemberg.de sowie unter http://mlr.baden-wuerttemberg.de/templates/gfx/ico-external-mlr.png) abrufbar.
Schwerpunkte des Aktionsplans sind die Unterstützung ökologisch wirtschaftender Familienbetriebe in Baden-Württemberg sowie die intensive Begleitung von Betrieben, die neu mit der ökologischen Wirtschaftsweise beginnen. Neben der erhöhten Flächenförderung seit dem Jahr 2015 unterstützt die Landesregierung den ökologischen Landbau mit weiteren Maßnahmen wie beispielsweise:

  • Beratung: Das Land Baden-Württemberg hat die landwirtschaftliche Beratung neu aufgestellt und die Mittel dafür verdoppelt. Die definierten Beratungsmodule werden mit 50 bis 100 Prozent der Kosten gefördert. Das Öko-Umstellungsmodul wird zu 100 Prozent gefördert und von neun Beratungsorganisationen angeboten. Von den neuen Beratungsmodulen sind viele speziell auf Ökobetriebe zugeschnitten, darüber hinaus stehen den Ökobetrieben selbstverständlich alle anderen Beratungsmodule zur Verfügung.
  • Bildung: Auf der Hochburg bei Emmendingen werden Fachschülerinnen und -schüler an einer spezialisierten Bildungseinrichtung für die Leitung von Ökobetrieben ausgebildet. Diesen Monat startet der zweite Jahrgang.
  • Vermarktung: Ziel ist es, die Vermarktungsstrukturen sowie den Marktauftritt für ökologisch erzeugte Produkte aus Baden-Württemberg weiter zu verbessern, die Wertschöpfung für heimische Erzeugnisse zu erhöhen und das regionale Angebot auszubauen. Dazu werden beispielsweise mit dem Biozeichen Baden-Württemberg eine Kooperationen von Bioerzeugern mit Direktvermarktung in Baden-Württemberg unterstützt. Auch werden regelmäßig auf Großveranstaltungen (wie dem evangelischen Kirchentag im Juni 2015 in Stuttgart) Verkostungen mit dem Biozeichen Baden-Württemberg durchgeführt.Informationen zur Beratungsförderung in Baden-Württemberg sind unter http://mlr.baden-wuerttemberg.de/templates/gfx/ico-external-mlr.png) abrufbar. Es gibt etliche Beratungsmodule speziell für Ökobetriebe, wobei den Ökobetrieben alle Beratungsmodule zur Verfügung stehen.Presse-Ansprechpartner: Dr. Christian Eichert: +49-160-7406015