„Mit Bio alles in einer Tüte: Tolle Produkte, Biodiversität und Tierwohl“
Gesellschaftsvertrag zur Zukunft der Landwirtschaft in Stuttgart unterzeichnet – AÖL-Vorsitzender Marcus Arzt: Vieles unkonkret geblieben
Die Landesregierung hat an diesem Montag im Neuen Schloss Stuttgart einen Gesellschaftsvertrag für die Zukunft der Landwirtschaft und der biologischen Vielfalt in Baden-Württemberg unterzeichnet – gemeinsam mit rund 50 Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz, Handel, Verarbeitung, Erzeugung, Gesellschaft, Wissenschaft, Kirchen und Politik. Der Vertrag zielt auf konkrete Lösungen, um die Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten, regionale Erzeuger und gleichzeitig die biologische Vielfalt in Baden-Württemberg zu stärken. Er ist Ergebnis des breit angelegten Strategiedialogs Landwirtschaft, den die Landesregierung im September 2022 initiiert hatte.
„Wir stehen vor großen Herausforderungen: Klimakrise, Artensterben und ein gesellschaftlicher Wandel, der von unseren Landwirten immer mehr verlangt. Diese Situation lässt sich nicht durch politische Einzelmaßnahmen lösen. Der Gesellschaftsvertrag zeigt, dass wir gemeinsam Verantwortung für die Zukunft unserer Landwirtschaft übernehmen wollen. Wir haben einen breit getragenen Konsens geschaffen, der alle relevanten Akteure einbindet und Naturschutz und Landwirtschaft zusammenbringt“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann MdL.
Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AÖL) vertrat deren Vorsitzender Marcus Arzt mit einem engagierten Statement für Biolandwirtschaft. Auf die Frage „Welchen Nutzen habe ich davon, bio-regionale Lebensmittel zu kaufen?“ lieferte er die Antwort gleich mit: „Alles in einer Tüte: hochwertige Produkte, Erhalt von Biodiversität und Stärkung von Tierwohl.“
Angesichts des geringen Anteils von Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung habe das Land mit der so genannten Kantinenrichtlinie eine Vorbildfunktion eingenommen. Diese hat zum Ziel, den Anteil an bio-regionalen Lebensmitteln bis 2030 stufenweise auf 40 Prozent und den Anteil an regionalen Lebensmitteln auf 75 Prozent in landeseigenen Kantinen zu erhöhen. „Das Instrument ist geschaffen, Landkreise und Kommunen sollten es schnellstmöglich übernehmen“, sagte der AÖL-Vertreter. Die in der AÖL organisierten Verbände hätten in den vergangenen fünf Jahre viele Umstellungsanfragen von Landwirten verzeichnet. „Die Akteure in der Landwirtschaft, der Verarbeitung und im Handel sind da, lasst es uns gemeinsam angehen“, forderte Arzt.
Der AÖL-Vorsitzende bedauerte freilich auch, dass der Gesellschaftsvertrag an vielen Stellen unkonkret geblieben sei. Das Ziel, die Interessen vieler zusammenzubringen sowie das Kartellrecht seien hier hohe Hürden gewesen. Der Wert des Vertrags müsse sich nun an der Umsetzung in die Praxis zeigen. Daran würden die Unterzeichnenden gemessen.
Der Gesellschaftsvertrag umfasst Handlungsempfehlungen und Selbstverpflichtungen der beteiligten Akteure in fünf Bereichen:
- Regionale und qualitativ hochwertige Lebensmittel fördern
- Wandel der Landwirtschaft muss sich rechnen
- Mehr Transparenz für Verbraucher schaffen
- Regionale Außer-Haus-Verpflegung weiter ausbauen
- Landwirtschaft und Artenvielfalt noch stärker in Bildung verankern
Für die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen aus dem Strategiedialog hat die Landesregierung im Doppelhaushalt 2025/2026 und den Folgejahren zusätzlich knapp 120 Millionen Euro vorgesehen. Dazu kommt die Sicherung von Landesmitteln nach dem Wegfall einer Bundesförderung, so dass die Gesamtsumme 143 Mio. Euro beträgt. Mit einer jährlichen Veranstaltung will die Landesregierung den Fortschritt der Roadmap überprüfen.
Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.
Kontakt: Christoph Zimmer, Geschäftsführer, info@aoel-bw.de
– Belegexemplar erbeten –
