Karlsruhe, 20. Februar 2025. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit im Gesamtbetrieb – mehr als CO2!“ stand die Wintertagung Ökologischer Landbau in diesem Jahr ganz im Zeichen der Nachhaltigkeitsbilanzierung. Denn auch wenn CO2 und Treibhausgase oft im Vordergrund stehen, bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich doch den Dreiklang aus vielfältigen sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren.

Dr. Jörn Breuer, Direktor des LTZ Augustenbergs, eröffnete die Tagung, bevor Landwirtschaftsminister Peter Hauk in einer Videobotschaft an die Teilnehmenden betonte, dass Baden-Württemberg weiter am ambitionierten Ökolandbauziel festhalte. Gleichzeitig griff er einen Kernaspekt der Nachhaltigkeitsbilanzierung auf: „Erzeuger werden nur biologisch wirtschaften, wenn es sich auch für sie lohnt.“ Denn die erfolgreiche und verständliche Kommunikation der Mehrwerte, die letztendlich auch eine angemessene Honorierung des Öko-Landbaus ermöglichen soll, stellt in der Praxis leider noch oft Herausforderungen dar. Auch Christoph Zimmer, Geschäftsführer der AÖL e.V., wies auf die Bedeutung des Öko-Landbaus hin: „Im Öko-Bereich haben wir mehr als manches anderes: mehr als Landwirtschaft, es ist die ganze Wertschöpfungskette; mehr als Klimaschutz, denn Öko-Landbau bedeutet auch Ernährungssouveränität“. Trotzdem werde der Transformationssektor viel zu selten als Wirtschaftsfaktor bedacht.

Mehrwerte einzelbetrieblich messbar und wissenschaftlich dokumentiert

Dass die Mehrwerte des Öko-Landbaus messbar sind, zeigten Horst Fehrenbacher vom ifeu-Institut in Heidelberg und Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der TU München auf. Fehrenbacher, der einen Überblick über verschiedene Bilanzierungs-Tools lieferte, bekräftigte deren Nutzung und fortgeschrittenen Entwicklungsstand – nichtsdestotrotz gebe es keine universell passende Empfehlung, notwendig sei immer noch eine Tool-Auswahl nach betriebsindividuellen Kriterien.

Prof. Dr. Hülsbergen gab Einblick in die vielbeachtete Studie zu „Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus“1. In einer umfassenden Datenauswertung von Pilotbetrieben und Langzeitexperimenten wird belegt, dass Öko-Landbau mit seiner klimaschonenden und biodiversitätsfördernden Praxis zur Vermeidung von Umweltproblemen beiträgt. Dadurch können Klimafolgekosten in Milliardenhöhe, die die Gesellschaft belasten, vermieden werden.

Praxis bietet Chancen, aber noch mit Entwicklungsbedarf

Als erfolgreiches Beispiel aus der Praxis stellte Hendrik Alkemade von der rebio GmbH, der ersten Gemeinwohl-zertifizierten Erzeugergemeinschaft, das Projekt „Wandelschwein“ vor. Durch den Auf- und Ausbau einer regionalen Wertschöpfungskette für Schweinefleisch in Verbands-Bio-Qualität wird Betrieben eine echte Vermarktungsalternative geboten, besonders für konventionelle Betriebe zur Umstellung statt zur Betriebsaufgabe.

Zuletzt bleibt nach wie vor die Frage, wie die erfassten Mehrwerte an Verbraucher:innen kommuniziert werden können. Prof. Dr. Carolyn Hutter von der DHBW Heilbronn verglich dazu freiwillige Labels wie den Eco-Score oder Planet-score. Die Kunst liege darin, möglichst viel abzubilden, ohne zu überfordern. Laut Hutter sei es für die Branche jedoch besonders wichtig, die Deutungshoheit eines Labels nicht einzelnen Marktakteuren zu überlassen, sondern durch fundierte, wissenschaftliche Kontrolle zu einem staatlich geprüften Ergebnis zu kommen. Auch sie legt den Erzeugerbetrieben nahe, sich mit dem Thema Nachhaltigkeitsbilanzierung auseinanderzusetzen, denn die Verfügbarkeit von Daten und Argumenten bringe die Betriebe in eine bessere Ausgangsposition, wie auch immer sich die Situation um die Bilanzierung und Auslobung weiterentwickle.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde das Thema der Verbraucherkommunikation, ebenso wie die Erfassung von Nachhaltigkeits- und Biodiversitätsleistungen, in verschiedenen Workshops von den Teilnehmenden angeregt diskutiert. Nun wünsche man, so Martin Ries, Leiter des Referats Ökologischer Landbau beim MLR, in seinen Schlussworten, „dass die Ideen auch ins Handeln führen“.

 

1 Hülsbergen, K.-J., Schmid, H., Chmelikova, L., Rahmann, G., Paulsen, H.M., Köpke, U., 2023. Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus, 1. ed, Weihenstephaner Schriften Ökologischer Landbau und Pflanzenbausysteme. Verlag Dr. Köster, Berlin. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00085966

 

Zur Wintertagung: Die Wintertagung Ökologischer Landbau ist eine jährlich stattfindende Tagung rund um aktuelle Themen des Öko-Landbaus und richtet sich an Personen aus Landwirtschaft, Forschung und Verwaltung. Die Tagung wird gemeinschaftlich organisiert vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), dem Zentrum für Ökologischen Landbau an der Universität Hohenheim, der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) und der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (AÖL e.V.).

Besonderer Dank gilt dem LTZ Augustenberg, welche als diesjährige Ausrichter der Wintertagung nicht nur Ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellten, sondern auch Koordination und Verpflegung vor Ort organisiert haben.

Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.

Kontakt: Christoph Zimmer, Geschäftsführer, info@aoel-bw.de

 

Fotos: LTZ Augustenberg

(Foto 1: Christoph Zimmer, Geschäftsführer AÖL e.V., spricht Grußworte zur Beginn der Wintertagung. Foto 2: Dr. Jörn Breuer, Direktor des LTZ Augustenberg, eröffnet die Wintertagung Ökolandbau. Foto 3: Christoph Zimmer, Geschäftsführer AÖL e.V. (mitte hinten), in der Diskussion mit Tamara Rogalski, Regionalmanagerin der Bio-Musterregion Hohenlohe (links).)

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