Gute Gespräche statt meckern auf dem Ziegenhof

Weil im Schönbuch, 30. April 2025. 120 Ziegen, 170 Zicklein, 650 Hühner und drei Esel leben auf dem Bioland-Betrieb der Familie Binder in Weil im Schönbuch. Im April trafen sich dort die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL). Die großen Themen des Gesprächs: Artenvielfalt, Bürokratie und eine stärkere Zusammenarbeit.

Nach Begrüßung durch den AÖL-Vorsitzenden Marcus Arzt führte Frieder Binder über den Hof, der seit 2010 Mitglied im Bioland-Verband ist. Ein Großteil des Grünlands, das die Binders bewirtschaften, besteht aus FFH-Mähwiesen, die einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Vor diesem Hintergrund erläuterte Marcus Arzt, dass der Biolandbau bereits heute viele Möglichkeiten bietet, Umweltschutz und Landwirtschaft sinnvoll zu verbinden. Umweltministerin Thekla Walker bekräftigte, die Biodiversität in der Landwirtschaft solle gestärkt werden. Kritisch merkte Sie an, dass in den letzten Jahren zwar viel über die Landwirtschaft, aber nicht mit der Bio-Landwirtschaft und über deren Lösungen, gesprochen wurde. Beide Seiten bekräftigten deshalb die Notwendigkeit des Austauschs. „Der Biolandbau ist gerne Vorbild und Vermittler, wie die Lebensmittelerzeugung im Einklang mit dem Naturschutz funktionieren kann“, erklärte Marcus Arzt. Doch dafür benötige es Systeme, die auch am Markt bestehen können. Die Politik müsse daher unterstützen, dass sich die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung von Bio in dieser Hinsicht ändert.

Ein Standbein des diversifizierten Betriebs ist die Milchziegenhaltung, deren Milch direkt vor Ort von Senior Helmut Binder zu Käse der Marke ‚Die Käsmacher‘ verarbeitet wird. Die dabei erzeugten Zicklein werden zum Teil als Milchziegen behalten und zum Teil geschlachtet. Das Fleisch wird über den Hofladen und eine Kooperation mit der ‚Wielandshöhe‘ des Sternekochs Vincent Klink vermarktet. Doch die Schlachtung stellt den Betrieb regelmäßig vor Herausforderungen: Über eine Stunde Fahrt müssen sie den Ziegen zumuten, da sie in der Nähe keine Schlachtstätte mehr finden. Hier und an vielen anderen Stellen benötigt es politische Lösungen, um den Betrieben Aufwand abzunehmen. „Wenn man den Biolandbau fördern möchte, muss dies nicht nur über mehr finanzielle Unterstützung geschehen“, so Marcus Arzt. Eine Lösung sei auch, die Betriebe (bürokratisch) zu entlasten und ihnen damit den Freiraum für andere Tätigkeiten zu geben. „Dazu gehört auch, die Betriebsgröße bei bürokratischen Auflagen zu berücksichtigen“, ergänzte AÖL-Geschäftsführer Christoph Zimmer.

Ministerin Thekla Walker regte in diesem Kontext an, den „Strategiedialog Landwirtschaft“ in Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt Bürokratie fortzusetzen. Die universell gedachten Lösungen der EU würden auf regionaler Ebene, aufgrund verschiedenster spezifischer Gegebenheiten, oft nicht funktionieren. Daher müsse Baden-Württemberg seine Möglichkeiten nutzen, Landwirtinnen und Landwirte zu entlasten. Dies bestätigte Marcus Arzt: „Wo man etwas für die Landwirte erreichen und gestalten kann, da stehen wir gerne als Gesprächspartner zur Verfügung“, so sein Fazit.

Zum Abschluss betonten alle Seiten, dass es sich nicht um einen einmaligen Austausch handeln sollte, sondern um einen Auftakt für weitere Termine. In Zukunft soll die fachliche Zusammenarbeit zwischen der AÖL und dem Umweltministerium verstetigt werden, um das Engagement der Bio-Betriebe im Umweltschutz und deren Bedürfnisse noch besser berücksichtigen zu können. „Meine Tür ist offen“, so die Umweltministerin.

Bildunterschrift: Auftakt für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen AÖL und Umweltministerium: Marcus Arzt, Christoph Zimmer (beide AÖL und Bioland), Umweltministerin Thekla Walker, Biolandwirt Frieder Binder und Dr. Christoph Reiber (Demeter) (von links).

Credit: Umweltministerium

 

Text: Meike Walz, Christoph Zimmer, Magdalena Gromann

 

Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.

 

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