"Bio ist der Thinktank der Landwirtschaft"
Grünen-Spitzenkandidat Özdemir diskutiert mit AÖL-Vertretern Chancen und Nöte im Ökolandbau
Burgstetten, 4. Februar 2026. Zu einem Hofgespräch hat sich Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen zur Landtagswahl, mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (AÖL) auf dem Biolandbetrieb Voltz bei Burgstetten (Rems-Murr-Kreis) getroffen. Themen waren unter anderem die Pläne der Partei für die Landesagrarpolitik in der neuen Legislaturperiode, die Ökolandbauförderung und die Agrarumweltprogramme des Landes.
Mit Turnschuhen und in Daunenjacke zeigte sich Cem Özdemir bei winterlichen Temperaturen gewappnet für einen Rundgang auf dem Breitwiesenhof der Familie Voltz. „Hier zeigt sich mustergültig, was Ökolandbau bedeutet“, betonte Marcus Arzt, AÖL-Vorsitzender, bei der Begrüßung. Will sagen: Der Biolandbetrieb ist mit Mutterkuhhaltung, Hühnern, Schweinen und Pferden breit aufgestellt. „Ein Hof mit Gesicht und Namen“, weist Helmut Voltz den Gast auf eine Tafel im Rinderstall hin: „Unsere Kühe und Kälber“ heißen nicht nur Lola und Larissa, auch ein Anatol und ein Luigi sind hier verzeichnet. Es sind Limpurger, setzt er hinzu: „Eine aussterbende Rasse, das passt zu uns.“ Ob dieses Versprechers muss auch der prominente Gast lachen.
Höfe wie der Breitwiesenhof dürfen aber nicht aussterben, da sind sich der Grüne und die AÖL-Vertreter einig. In seiner Zeit als Bundeslandwirtschaftsminister habe er sich vehement für den ganzheitlichen Ansatz „Green by Design“ eingesetzt. Laut diesem EU-Beschluss werden künftig Bio-Betriebe, die ihre Umweltleistungen bereits jährlich in der Bio-Kontrolle nachweisen, nicht durch Doppelprüfungen ausgebremst. „Das kriegen wir jetzt hoffentlich umgesetzt“, sagte Özdemir, der sich ausdrücklich zu den Zielen des Biodiversitätsstärkungsgesetzes und zum Strategiedialog Landwirtschaft bekannte.
AÖL-Vorsitzender Marcus Arzt betonte: „Wir ziehen als gesamte Biobranche an einem Strang, den Ökolandbau in Baden-Württemberg voranzubringen.“ Die AÖL – Mitgliedsverbände sind Bioland, Demeter, Naturland, Ecovin und Ecoland – wolle keine Gräben zwischen den Anbaubaumethoden ziehen, sondern Brücken bauen. Dem stimmte Özdemir zu: „Sollten bis zum Jahr 2030 in Baden-Württemberg 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden, arbeiten noch immer 60 bis 70 Prozent der Betriebe konventionell.“ Diese gelte es bei Klimaschutz und Artenvielfalt mitzunehmen. Bio habe hier als „Thinktank der Landwirtschaft“ schon viele wichtige Veränderungen bewirkt. „Ohne Bio können wir unsere Ziele aus dem Biodiversitätsstärkungsgesetz nicht erreichen“, machte der Spitzenkandidat klar.
Womit Biobetriebe zu kämpfen haben, machte Helmut Voltz beim Rundgang anhand einiger Beispiele deutlich. Mehr Tierwohl geht nicht: Transporte gibt es hier nicht mehr, seit zwei Jahren werden alle Tiere auf dem Hof geschlachtet – laut Vorschrift im Beisein eines Tierarztes. „Warum ist der nötig“, fragt sich nicht nur der Landwirt. AÖL-Vorständin Anja Frey klärte auf: „Das wird je nach Landkreis unterschiedlich gehandhabt.“ In einigen Kreisen sei nur eine Kamera vorgeschrieben, um den Vorgang zu dokumentieren. Auch die Rechtsunsicherheit beim Weideland macht dem Biolandwirt Sorgen. Seine Rinder beweiden 7,5 Hektar, eigene und gepachtete Flächen: „Nach fünf Jahren werden die wertvollen Ackerflächen zu Weidegrünland umgewidmet. Wer will dann noch an uns verpachten?“
Beim abschließenden Imbiss brachten die AÖL-Vertreter weitere Forderungen an die Landespolitik zur Sprache, etwa bessere Bildung zur Biolandwirtschaft, gezielte Junglandwirtförderung, sowie eine substanzielle Ökoprämie und die Weiterentwicklung des Förderprogramm FAKT. Cem Özdemir nickte zustimmend und sprach sich zudem – etwa nach dem Vorbild von Südtirol – für einen gemeinsamen Auftritt aller Bereiche, von Lebensmitteln bis zu Tourismus vor: „Mit einem Label bewerben, was es im Land gibt und damit das Regionalbewusstsein stärken.“
Nach einer guten Stunde verabschiedeten sich der Spitzenkandidat und sein Tross mit selbst gebackenem Kuchen von Beate Häußermann-Voltz im Gepäck. Der Wahlkampf um das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg geht weiter.

Grüne-Spitzenkandidat Cem Özdemir mit Biolandwirt Helmut Voltz, Marcus Arzt, Hans Bartelme, Anja Frey, Christoph Zimmer, Marek Bingel (alle AÖL) und Biobäcker Klaus Späth (von links).
Credit: AÖL

Biobauer Helmut Voltz klärt Cem Özdemir über die Namen seiner Rinder auf.
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Cem Özdemir nimmt Kontakt mit einer Mutterkuh auf.
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Als ehemaliger Landwirtschaftsminister weiß Özdemir, wie ein Huhn zu halten ist.
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Gute Gespräche: Cem Özdemir und AÖL-Vorsitzender Marcus Arzt.
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Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.
Kontakt: Christoph Zimmer, Geschäftsführer, info@aoel-bw.de
– Belegexemplar erbeten –
