NÖK-Feldtag auf dem Georgshof zeigt: Kompost ist wertvoll
Hilzingen, 4. August 2026. Einer der ältesten Bioland-Höfe im Hegau, der Georgshof, öffnete seine Tore für eine Fachinformationsveranstaltung im NÖK – Netzwerk Ökolandbau und Kompost Baden-Württemberg. Das Interesse an diesem Thema war groß – rund 50 Landwirte, Fachleute und interessierte Bürgerinnen und Bürger machten sich ein Bild davon, wie Kompost im Maisanbau eingesetzt wird und welche positiven Auswirkungen er auf Boden, Pflanzen und Klima hat.
Was für viele Menschen mit dem Gang zur Biotonne endet, beginnt für Landwirtschaft und Umwelt erst richtig: Aus Grünschnitt und Bioabfällen entsteht hochwertiger Kompost, der Böden fruchtbarer macht, Wasser speichert und Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf zurückführt.
Der Georgshof wird seit 1974, jetzt in dritter Generation, ökologisch nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet. Seit 2017 setzte Gerhard Riesterer externen Kompost aus Grüngut ein. Seine engagierte Tochter, Ursel Riesterer (29), hat in diesem Jahr die Betriebsleitung übernommen. Sie zeigte eindrucksvoll, welchen Beitrag ökozertifizierter Kompost für die biologische Landwirtschaft leisten kann. Ihr Körnermais der Populationssorte Evolino vom Bio-Züchter Sativa steht – trotz anhaltender Trockenheit – recht gut.
Komposte sind ideale Bodenverbesserer. „Es gibt einen gut überwachten Standard für hohe Reinheit von Ökokomposten. Dieser garantiert, dass Kompostprodukte hygienisch sicher, frei von Schadstoffen und Unkraut sind sowie einen, geprüften Nährstoffgehalt besitzen. Überwacht wird dies von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK)“, erklärt Dr. Nikolas Zöller vom Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft Gottschall (ISA). „Auf diesen Standard werden zusätzlich die Anforderungen nach Bioland-/Naturlandrichtlinien und Demeter aufgesetzt.“ Diese Anforderungen der Öko-Anbauverbände erläuterte Jonathan Kern von der Bioland Beratung. Er ist überzeugt: „Wir müssen regionale Nährstoff-Kreisläufe sinnvoll nutzen“. Am Feldrand präsentierte Pirmin Eibofner von der Kompostierungsanlage Reterra, Singen, drei Kompostarten mit Prüfzertifikaten für den Ökolandbau. Einige Interessierte nahmen ihn in die Hände, beschnupperten ihn und fanden den Wohlgeruch frischer Erde.
Tommy Schirmer, Agraringenieur am Witzenhausen-Institut zeigte anhand aktueller Boden-Untersuchungen: Die Böden in diesem Maisfeld sind gut mit Nährstoffen versorgt. Mit der Spatenprobe holte er Erde ans Tageslicht und lobte die lockere Krümelstruktur des Bodens und das lebendige Wurzelwerk. Schirmer simulierte ein Starkregenereignis. Die Teilnehmenden beobachteten gespannt, wie der Boden eine etwa 10-cm hohe Wassersäule in weniger als einer Minute aufnahm. „Kompost ist weit mehr als ein Nährstofflieferant“, ist Schirmer überzeugt. „Er ist Baustein für ein langfristiges Bodenfruchtbarkeitssystem, das Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Bodenleben und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden fördert.“
Eva Regel, Projektkoordinatorin vom ÖkoNetzBW hob hervor, dass die Förderung des Komposteinsatzes die Abhängigkeit von energieintensiven Düngemitteln der konventionellen Betriebe reduziert. Bei den aktuellen Düngepreisen können sich konventionelle Betriebe bei den ökologischen Kollegen etwas abschauen. Der Georgshof ist einer der 32 Partnerbetriebe des ÖkoNetz BW, ein Netzwerk für den Wissenstransfer von ökologischen Methoden für die gesamte Landwirtschaft. Es unterstützt Betriebe bei der Umstellung auf ökologischen Landbau.
Cornelia Wiethaler von der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau BW (AÖL e.V.), Koordinatorin des NÖK, führte durch den Tag. Sie lud alle ein, im Netzwerk Ökolandbau und Kompost mitzumachen. Zuhause bei der sauberen Trennung von Bioabfall oder als Bio-Landwirt mit dem Einsatz von Komposten. Mit dieser regionalen grünen Kreislaufwirtschaft können Lebensgrundlagen geschützt werden.
Im Anschluss an den Feldtag nutzen einige Teilnehmende die Gelegenheit für einen Besuch bei der Reterra Hegau-Bodensee GmbH in Singen. Christian Goldschmidt sprach anschaulich über die Prozesse professioneller Kompostierung und Vergärung. Die Vergärung von Biogutkomposten habe zudem ein riesiges Energie-Potenzial. Schon jetzt werde ein Drittel der Stromversorgung der Haushalte in Singen mit Strom aus der Reterra-Anlage versorgt.
Die wichtigste Erkenntnis des Tages lässt sich einfach zusammenfassen: Kompost verdient Wertschätzung. Wer seine Bioabfälle sorgfältig trennt und frei von Plastik und anderem Müll hält, leistet einen direkten Beitrag zu gesunden Böden und einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Jeder saubere Eimer Bioabfall hilft mit, aus vermeintlichen Resten neues Leben wachsen zu lassen.

Bildunterschrift: Beim NÖK-Feldtag am Georgshof informierten sich Besucherinnen und Besucher über die Bedeutung ökozertifizierter Komposte für fruchtbare Böden und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Credit: Cornelia Wiethaler

Bildunterschrift: Pirmin Eibofner, Reterra Singen, beantwortet Fragen zu den ökozertifizierten Kompostarten.
Credit: Cornelia Wiethaler
Zum NÖK: Das Netzwerk Ökolandbau und Kompost Baden-Württemberg – NÖK – bringt Wissenschaft, Kompostwirtschaft, landwirtschaftliche Praxis und Beratung zusammen. Ziel ist, die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu stärken und den nachhaltigen Einsatz von Kompost im Ökolandbau weiterzuentwickeln. NÖK wird gefördert durch das Land Baden-Württemberg, das Umweltministerium, die Landesanstalt für Umwelt, das Landwirtschaftliche Technologie-Zentrum BW sowie unterstützt durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Heimat. Weitere Informationen unter noek-bw.de.
Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.
Kontakt: Cornelia Wiethaler, Projektkoordination, noek@aoel-bw.de
– Belegexemplar erbeten –
