Wege zu weniger Chemie - Praxis zeigt Perspektiven
Vertreterinnen und Vertreter aus Öko‑Verbänden, Landwirtschaft und Naturschutz diskutierten in Ditzingen praxisnahe Wege zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Ein Rundgang zeigte eindrucksvoll, wie vielfältige Anbaustrategien und neue technische Ansätze, von durchdachten Fruchtfolgen bis hin zu Robotik, bereits heute wirksam eingesetzt werden.
Am 21. Mai 2026 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Öko‑Verbänden, Landwirtschaft und Naturschutz auf dem Naturland-Betrieb der Familie Hagenlocher in Ditzingen. Der Termin fand im Rahmen des Veränderungsdialogs zum Thema Pflanzenschutzmittelreduktion statt, der das Spannungsfeld zwischen Biodiversität, politischen Zielsetzungen und betrieblicher Praxis beleuchtet.
Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e. V. wurde unter anderem durch ihren Vorsitzenden Marcus Arzt – selbst Bioland-Landwirt – sowie Martin Bär, Landesgeschäftsführer von Naturland, vertreten.
Praxisnaher Einblick in alternative Anbaustrategien
Betriebsleiter Frank Hagenlocher zeigte eindrucksvoll, wie sich der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen deutlich reduzieren lässt. Dazu gehören:
- Vielfältige Fruchtfolgen, die den Krankheits- und Unkrautdruck mindern.
- Mechanische Beikrautregulierung, etwa durch Striegeln oder Hacken.
- Gute Feldhygiene, um Infektionsquellen frühzeitig zu minimieren.
- Gezielte Sortenwahl mit robusten und standortangepassten Pflanzen.
- Weite Reihenabstände, die Luftzirkulation und Pflanzenentwicklung verbessern.
- Saatgutuntersuchungen, um Krankheiten bereits vor der Aussaat vorzubeugen.
Hagenlocher betonte, dass er auf seinem Betrieb kontinuierlich ausprobiert, welche Methoden unter den jeweiligen Standortbedingungen am besten funktionieren. Der Rundgang machte deutlich: Es gibt nicht die eine Lösung – aber viele praktikable Wege, die sich individuell kombinieren lassen.
Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Verbänden
Während des Betriebsrundgangs und der anschließenden Diskussion verknüpften die Teilnehmenden praktische Erfahrungen mit wissenschaftlicher Expertise und politischen Anforderungen. So präsentierte etwa Prof. Dr. Gerhards von der Universität Hohenheim neue Erkenntnisse aus dem Einsatz von Robotik zur Beikrautbekämpfung. Deutlich wurde, dass der ökologische Landbau bereits heute zahlreiche Ansätze zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln bietet. Gleichzeitig muss das System kontinuierlich weiterentwickelt werden, um auch neue Herausforderungen meistern zu können, wie beispielsweise das Auftreten der Schilfglasflügelzikade.
Bedeutung des Veränderungsdialogs
Der Termin zeigte, wie wertvoll Formate wie der Veränderungsdialog sind, um gegenseitiges Verständnis zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik zu fördern. Die beteiligten Verbände begrüßten den konstruktiven Austausch und wollen sich auch weiterhin aktiv in den Prozess einbringen, um gemeinsam eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft in Baden-Württemberg zu gestalten.
Ein besonderer Dank gilt der Familie Hagenlocher, die die wertvolle Einblicke in ihren Betriebsalltag ermöglicht und so maßgeblich zu einem gelungenen Austausch beigetragen hat.

Bildunterschrift: Frank Hagenlocher (4. von links) demonstriert den Teilnehmenden verschiedene Maßnahmen praxisnah auf dem Feld.
Credit: LBV/Brodbeck

Bildunterschrift: Bodenbearbeitung – wie hier mit dem Striegel – ist eines der zentralen Elemente der Beikrautbekämpfung.
Credit: LBV/Brodbeck

Bildunterschrift: Beim Gemüseanbau im Folientunnel setzt Frank Hagenlocher unter anderem auf Nützlinge zur Schädlingsbekämpfung.
Credit: LBV/Brodbeck
Zur AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucherschaft befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft aktiv. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher heraus.
Kontakt: Christoph Zimmer, Geschäftsführer, info@aoel-bw.de
