Author: Manuel Uez

Ökosektor bewertet Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ und fordert Landesregierung zu mutigen Schritten und einem finanziellen Bekenntnis auf

Esslingen / Weinsberg, 18. April 2018. Anlässlich des heute in Weinsberg stattfindenden Öko-Kongresses bezieht die AÖL Stellung zur Situation des ökologischen Landbaus im Lande und bewertet den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“. Als Sektorvertretung fordert sie die Landesregierung dazu auf, zeitnah weitere Schritte zur Konkretisierung des Aktionsplans vorzunehmen, um die Zielsetzungen der Koalitionsvereinbarung mutiger als derzeit anzugehen und das selbst gesteckte Ziel von 30 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche bis zum Jahr 2030 kraftvoll und mit einem klaren Finanzierungskonzept zu erreichen.

Im zurückliegenden Jahr 2017 haben bundesweit über 7.600 landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe ihre Hoftore für immer geschlossen. Demgegenüber haben weit über 2.000 Landwirtinnen und Landwirte ihren Hof auf ökologische Erzeugung umgestellt. Das klassische landwirtschaftliche Mantra „Wachse oder weiche“ wird immer mehr ersetzt durch „Werde Bio oder weiche“. Alleine in Baden-Württemberg stellt derzeit täglich ein Betrieb seine Wirtschaftsweise auf ökologisch um. Der deutsche Ökomarkt wächst seit dem Jahr 2000 jährlich zweistellig und auch in der Fläche ist der Trend zu mehr „Öko“ seit über drei Jahren ungebrochen.

Im Januar dieses Jahres verkündete Landwirtschaftsminister Peter Hauk, dass das Land Baden-Württemberg sich zum Ziel gesetzt hat, 30 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Offen ließ Hauk seinerzeit, welche Maßnahmen die Landesregierung hierzu plant und welche konkreten Förderinstrumente der hiesigen Agrar- und Ernährungswirtschaft auf diesem Weg helfen sollen.

Die AÖL bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass der heutige Öko-Kongress in Weinsberg zu mehr Klarheit führt.
„Wir wünschen uns von der Landesregierung, dass sie das derzeitige hervorragende Marktumfeld für mehr heimische Öko-Produkte entschlossen nutzt. Denn nur wenn die Politik deutlich umsteuert, kann unsere heimische Land- und Ernährungswirtschaft fit für die Zukunft gemacht werden. Die Politik des letzten Jahrhunderts fortzusetzen genügt nicht, damit das Wasser sauber bleibt, die Artenvielfalt gestärkt und das Klima geschützt wird. Anpacken muss die Landesregierung dabei nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Brüssel, wenn es um die Reform der Europäischen Agrarpolitik geht“, so AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert am Rande des Kongresses heute in Weinsberg.

10 Milliarden Euro jährlicher Bio-Umsatz in Deutschland und ein fortdauerndes Wachstum zeigen, welch großes Potenzial der Bio-Sektor für die heimische Wirtschaft birgt. Bio-Erzeugerbetriebe und -Hersteller sind meist kleine und mittelständische Unternehmen, die Menschen in Stadt und Land in Arbeit bringen und Nachhaltigkeits-Pioniere sind. Die Landesregierung kann mit einer zukunftsweisenden Politik für weitere Investitionen im Bio-Bereich sorgen, um die Öko-Wirtschaftsmotoren auf dem Land gezielt zu stärken.

Dabei ist klar: Die grün-schwarze Landesregierung wird ihre selbst gesteckten Klima- und Umweltziele nur dann erreichen, wenn alle Ministerien gemeinsam am Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft mitwirken. Hier sieht die AÖL noch dringenden Nachbesserungsbedarf.

Aktuell werden lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet. Um bis 2030 die angestrebten 30 Prozent Bio zu erreichen, müssen bereits heute 30 Prozent der Mittel auf Öko-Forschung verwendet werden. Die Landesregierung muss auf nationaler Ebene all ihren Einfluss in die Waagschale werfen, um im Bereich Bildung und Forschung das Innovationspotenzial von Bio zu heben. „Nur mit einer klaren Neuausrichtung der derzeit für den Sektor unzulänglichen Forschungsförderung kann es gelingen, das selbst gesteckte 30-Prozent-Ziel zu erreichen. Hier ist neben dem Landwirtschaftsministerium insbesondere das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Pflicht, sich im Bund für einen Neuausrichtung der Agrarforschung einzusetzen“, appelliert Dr. Eichert.

Um die heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft zukunftsfähig zu machen, sind im Weiteren folgende Themen zu berücksichtigen:

  • Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss darauf ausgerichtet werden, dass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen eingesetzt werden. Steuergeld muss künftig dafür verwendet werden, Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere artgerecht zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben. Die Öko-Branche zeigt mit ihrem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP, wie Steuergeld zielgenau und ohne Strukturbrüche für eine zukunftsfähige Landwirtschaft verwendet werden kann – und damit auch die Erwartung der Gesellschaft erfüllt wird (siehe www.boelw.de/gap2020). Hier erwartet die AÖL ein klares Bekenntnis und erkennbares Engagement der Landesregierung.

 

  • Die Landesregierung muss die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine pestizidfreie und damit unbelastete Ernährung nutzen. Dänemark zeigt, wie es geht. So wurde beispielsweise in Kopenhagen ein Bio-Anteil von 90 Prozent in allen öffentlichen Einrichtungen nahezu kostenneutral erreicht und damit eine nachhaltigere, schmackhaftere und gesündere Ernährung realisiert.

 

  • Die Landesregierung muss sich bei der Verpachtung von Landesflächen für eine konsequente Bio-Bewirtschaftung stark machen und die eigenen Liegenschaften konsequent auf Öko-Bewirtschaftung umstellen. Zudem sollte man die derzeit stattfindende Neufassung der Ökokonto-Verordnung – wie dies in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis ist – dafür nutzen, die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur anzuerkennen.

 

  • Um gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Vorteile der heimischen Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Produkte herauszustellen und attraktive Einblicke in den Sektor zu ermöglichen, muss die Landesregierung ein festes Budget für die Durchführung eines „Öko-Aktionstags“ beschließen sowie ein zeitgemäßes Konzept entwickeln und umsetzen. Ergänzend notwendig ist eine moderne Marketingkampagne, die den Endverbraucher über die Vorzüge von regional und ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln informiert und für Bio aus der Region wirbt.

 

  • Die Landesregierung muss eine angemessene und ideologiefreie Berücksichtigung der Themen des Ökolandbaus in der beruflichen Ausbildung sicherstellen und in den Lehrplänen der berufsbildenden Schulen verankern.

 

  • Das vom Landtag Ende 2017 beschlossene „Forschungsprogramm Ökolandbau für Baden-Württemberg“ muss insbesondere genutzt werden, um praxisnahe Lösungsansätze für die aktuel-len Herausforderungen der Branche zu generieren. Beispielhaft genannt seien hier die Themen Biodiversitätsleistungen des Ökolandbaus, Schließen der Phosphorlücke, Minimierung des Kupfereinsatzes im Bereich ökologischer Sonderkulturen, sowie Erfolgsfaktoren des Einsatzes von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung.

Für das bundesweit einzige grün-geführte Bundesland ist der derzeitige Aktionsplan ohne finanzielles Bekenntnis und Konzept laut AÖL-Geschäftsführer Dr. Eichert „wahrlich kein Aushängeschild“. Um das anvisierte 30-Prozent-Ziel zu erreichen, muss der Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ couragiert um konkrete Ziele und Maßnahmen erweitert und dringend auch finanziell unterfüttert werden. Ein forscheres Engagement der Landespolitik und klares Zeichen der Unterstützung für den Sektor sind vor diesem Hintergrund insbesondere gefordert, wenn es um die Verwendung von Bio-Produkten in den landeseigenen Kantinen und Mensen geht.

„Hier muss Politik Farbe bekennen und selbst als Vorbild voranschreiten, um den Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft tatkräftig mitzugestalten. Die Stadtstaaten Bremen und Berlin sind hier glänzende Vorbilder, wohingegen Baden-Württemberg als Stammland des Ökolandbaus bisher nichts als Lippenbekenntnisse vorzubringen hat“, so Dr. Eichert. Weiterhin gelte es, die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie zu „Botschaftern“ für den Ökolandbau umzubauen. Angesichts der galoppierenden Umstellerzahlen auf Erzeugerebene sei das Thema Rohstoffversorgung für beispielsweise eine staatseigene Brauerei längst kein Hinderungsgrund mehr.

Nach fünf Jahren Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ und knapp zwei Jahre nach Amtsantritt der grün-schwarzen Landesregierung konnten einige erste Schritte erfolgreich gegangen werden, um den Ökolandbau zu fördern. Dennoch fehlen in vielen zentralen Bereichen bis heute wirksame Maßnahmen, die für die Zukunft des Sektors von zentraler Bedeutung sind. „Nur wenn Baden-Württemberg heute das Steuerruder couragiert in die Hand nimmt und ein finanziell unterfüttertes Maßnahmenbündel beschließt, kann das Ziel, „30 Prozent Biolandbau bis 2030“ erreicht werden.

Lassen Sie uns dem heimischen Agrar- und Ernährungssektor gemeinsam eine klar umrissene Zukunftsperspektive aufzeigen. Der Ökolandbau weist dabei den Weg, um neben der Sicherung von Beschäftigung und Wohlstand in ländlichen Räumen und der Erzeugung gesunder Lebensmittel auch die Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen“, so Dr. Eichert abschließend.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:
Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen
T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Vertreter der Ökobranche nehmen Stellung zur heutigen dpa-Meldung „Agrarminister kritisiert ersten Pflanzengiftbericht des NABU“

Vertreter der Ökobranche nehmen Stellung zur heutigen dpa-Meldung „Agrarminister kritisiert ersten Pflanzengiftbericht des NABU“

Esslingen, 22. März 2018. Im Zuge einer dpa-Meldung kritisierte Landwirtschaftsminister Peter Hauk heute den ersten Pflanzengiftbericht des NABU. Hierin tat der Agrarminister kund, dass es „die Bevölkerung nichts an(gehe), Hintergründe zum Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zu bekommen“. Zudem bezweifelte Hauk den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und dem im letzten Herbst öffentlich gewordenen massiven Insektensterben. Weiterhin artikulierte Hauk, dass das Insektensterben „um Bio-Betriebe ähnlich hoch“ sei wie um alle anderen Erzeugerbetriebe.

Am Rande einer Klausursitzung nimmt AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert hierzu Stellung: „Fast jeden Tag bestätigen wissenschaftliche Studien den schädlichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und dem Artensterben von Insekten oder Vögeln. Erst kürzlich hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA die sogenannten Neonicotinoide als gefährlich eingestuft. Generell werden im ökologischen Landbau keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dagegen werden im Ökolandbau natürlich vorkommende und EU-rechtlich zugelassene Mittel wie Kupfer und Molke verwendet. Der ökologische Landbau zeigt in Deutschland auf rund 1,4 Millionen Hektar und auf fast 30.000 Betrieben, wie man Flora und Fauna ökologisch nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich schützt. Bio-Ackerbauern und -Grünlandbewirtschafter wirtschaften – viele davon seit Jahrzehnten – komplett ohne chemisch-synthetische Herbizide wie Glyphosat.“

Die Zahlen vorliegender unabhängiger Studien und Forschungsprojekte wie beispielsweise des Kompetenzzentrums Ökologischer Landbau Niedersachsen (KÖN) oder des WWF-Projekts „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ belegen eindrucksvoll die Vorteile des ökologischen Landbaus auf Artenvielfalt und Biodiversität. „Für uns ist klar, dass das Land Baden-Württemberg mit seinem Sonderprogramm Biodiversität nur dann Erfolge haben wird, wenn es den ökologischen Landbau klarer als derzeit fördert und somit Biodiversität und Artenschutz wieder zurück auf die Fläche bringt“, so Dr. Eichert abschließend.

 

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen

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Mitgliederstatistik 2018

Aktuelle Statistik zur Anzahl der Betriebe und deren Fläche in Hektar. Stand 1. Januar 2018.

Verband Anzahl Betriebe Fläche in Hektar
Ecovin 105 485
Ecoland 46 2.432
Naturland 289 13.265
Demeter 515 19.700
Bioland 1.588 72.016

„Wohin steuert die Agrarpolitik im Ländle?“ – Dieser Frage ging der AÖL-Frühschoppen mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL gestern nach

Esslingen / Bad Boll, 30. Januar 2018.

Vom 29. bis zum 31. Januar 2018 findet derzeit unter dem Motto „Gemeinsam Wachstum bewältigen und gestalten“ die traditionelle Bioland-Wintertagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll statt. Die Tagung ist Treffpunkt für Bioland-Mitglieder und alle interessierten ökologisch wie konventionell wirtschaftenden Berufskollegen und Branchenvertreter. Die dreitägige Veranstaltung bietet ein vielseitiges Fachprogramm zu verschiedenen Schwerpunkten des Ökolandbaus.

Zum Auftakt stand beim agrarpolitischen Frühschoppen der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL) am gestrigen Montag, 29. Januar, der amtierende Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL Rede und Antwort. Der Minister sprach sich in seinem Impulsvortrag klar dafür aus, den wachsenden Biomarkt mit regionalen Erzeugnissen zu bedienen und dabei die Wertschöpfungspotenziale der baden-württembergischen Landwirtschaft voll auszuschöpfen. Für Hauk stellen Bio-Musterregionen insofern einen geeigneten Ansatz dar, um den Ökolandbau zu fördern, als sie die Vielfalt des Landes widerspiegeln und zugleich für eine enge Vernetzung und eine positive Marktentwicklung sorgen. Die ersten vier Bio-Musterregionen seien dabei als „Initialzündung“ zu betrachten, die idealerweise auf andere Regionen ausstrahlt – im Herbst oder Winter 2018 werde man vor dem Hintergrund der zusätzlichen Mittel des Doppelhaushalts 2018/19 eine neuerliche Ausschreibung für Bio-Musterregionen starten.

Mit dem neuen Forschungsprogramm und Kompetenzzentrum für Ökolandbau an der Universität Hohenheim, dem Öko-Aktionstag, der in Verbindung mit dem 100. Landwirtschaftlichen Hauptfest im September 2018 in Stuttgart stattfinden wird, sowie der 11. Wintertagung Ökologischer Landbau Baden-Württemberg am 01. März 2018 zum Thema „Nährstoffkreisläufe schließen“ erwähnte Hauk in seinem Vortrag einige der Schritte, die die Landesregierung in Richtung ‚Bio stärken‘ bereits unternommen hat. „Wir wollen die politischen Rahmenbedingungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, faire Preise und ein ausreichendes Einkommen schaffen und so einen Beitrag zum Erhalt der Sozialstrukturen im ländlichen Raum leisten“, so Hauk.

Für eine erfolgreiche Vermarktung von Biolebensmitteln sei es wichtig, „die Menschen hinter den Produkten zu zeigen, die tagtäglich für uns auf ihre Felder gehen, die persönlich Verantwortung für unsere qualitativ hochwertigen Lebensmittel tragen“. Zudem müsse man im Bereich Bio verstärkt in Marktsegmente gehen, in denen ein hoher, bislang ungedeckter Bedarf an Ökoprodukten herrsche. Darüber hinaus plädierte der Landwirtschaftsminister dafür, Direktzahlungen zu kappen oder zumindest degressiv zu gestalten, um gerade mittlere und kleine Betriebe sowie die dahinterstehenden bäuerlichen Familien zu unterstützen.

Minister Hauk sprach beim AÖL-Frühschoppen von angestrebten 30 Prozent ökologisch bewirtschaftete Fläche in Baden-Württemberg, die er angesichts der Kaufkraft und Nachfrage der Bürger im Land für möglich hält. Darüber hinaus kann Hauk sich Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK) für naturnahe Landbewirtschaftung und Landschaftspflege vorstellen.

Auch in Bezug auf die möglichen Konsequenzen des Klimawandels fand der Landwirtschaftsminister eindringliche Worte. So sei eine merkliche Beeinflussung der Land- und Forstwirtschaft in Baden-Württemberg zu erwarten – eine Zunahme von Seuchen und wetterbedingten Katastrophenfällen, Niederschlagsknappheit im Sommer oder verstärkter Pilzbefall etwa seien als mögliche Folgegefahren nicht auszuschließen. Minister Hauk unterstrich an dieser Stelle den akuten Forschungsbedarf, was etwa die Züchtung witterungsresistenter Sorten anbelangt.

Des Weiteren befürwortete Minister Hauk eine verstärkte Nutzung von Bioprodukten auch im Außer-Haus-Verzehr, da man gerade in der Gemeinschaftsverpflegung ein Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel schaffen könne. So seien 15 Prozent Biolebensmittel in der Kantine des MLR angestrebt.

Nach dem informativen Impulsvortrag des Ministers bestand im Rahmen eines moderierten Gesprächs die Möglichkeit für konstruktive Beiträge und Diskussionen mit dem Amtsinhaber. Viele der anwesenden Landwirtinnen und Landwirte nutzten diese Chance und stellten Hauk ihre Fragen, berichteten, wo „es unter den Nägeln brennt“ und fanden klare Worte, wo sie dringenden Handlungsbedarf aufseiten der Politik sehen. So wurde aus den Reihen der Biobauern u. a. mehrfach die Forderung laut, mehr für die Lehre im Bereich Ökolandbau zu tun und die Ausbildungssituation zu verbessern.

Lob aus den Reihen der Ökolandwirte erhielt Minister Hauk für sein beherztes Engagement bezüglich der Bio-Musterregionen. Auch Hauks Umgang mit dem Thema Wolf sowie seine Haltung zur Flächenfraß-Problematik fanden Zustimmung bei den anwesenden Landwirten. Einen geeigneten Lösungsansatz im Zuge der Freiflächenverbrauchsdiskussion sieht der baden-württembergische Landwirtschaftsminister in einer mehrgeschossigen Bauweise, für welche auf kommunaler Ebene gemeinsam geworben werden solle.

Ein inhaltlicher Impuls zum Thema Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Landwirtschaft kam anschließend von Prof. Dr. Thilo Streck, der sich an der Universität Hohenheim mit Biogeophysik befasst. Professor Streck ging in seinem Beitrag auf Ergebnisse aus der Grundlagenforschung im Bereich Klimamodelle ein. Dabei ging er der Frage nach, welche Veränderungen für die Landwirtschaft in Baden-Württemberg zu erwarten sind. Zusammenfassend sei – bei aller Unsicherheit, die Klimasimulationen mit sich bringen – davon auszugehen, dass die Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg künftig weiter ansteigt, die Niederschläge variabler und die Sommer trockener werden.

„Während die Gesamtniederschläge voraussichtlich unverändert bleiben, muss mit einer Zunahme an Extremniederschlägen gerechnet werden“, resümiert Prof. Dr. Streck. Als mögliche Lösungswege zeigte der Forscher eine Ausweitung des Anbaus wärmeliebender Arten wie Mais oder Soja auf, ebenso wie innovative Bewässerungsmöglichkeiten und die frühere Aussaat von Sommerungen. Auch auf weitere Faktoren, die die Zukunft der Landwirtschaft in Baden-Württemberg prägen werden (z. B. Preise, soziale Rahmenbedingungen, Standortvariabilität, Klimaschutzmaßnahmen der Politik etc.), ging Prof. Streck in seinem Vortrag ein.

Gäste waren:

  • Peter Hauk MdL, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
  • Dr. Thilo Streck, Universität Hohenheim, Institut für Bodenkunde und Standortslehre, Fachgebiet Biogeophysik
  • Moderation: Harald Ulmer, ehem. Geschäftsführer Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ)Bildunterschrift:

 

Bildunterschrift:

V. l. n. r.: Marcus Arzt, AÖL-Vorsitzender, Peter Hauk MdL, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Dr. Christian Eichert (vorne im Bild), AÖL-Geschäftsführer, Prof. Dr. Thilo Streck (hinten im Bild), Universität Hohenheim, Institut für Bodenkunde und Standortslehre, Fachgebiet Biogeophysik, Harald Ulmer, ehem. Geschäftsführer Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Christoph Zimmer, Geschäftsführer Ecoland e.V. / (c) AÖL e.V.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen und Bilddaten:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen+49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Kretschmann verkündet Startschuss für Bio-Musterregionen / AÖL lobt Ansatz als Meilenstein bei Umsetzung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“

Kretschmann verkündet Startschuss für Bio-Musterregionen / AÖL lobt Ansatz als Meilenstein bei Umsetzung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“

Stuttgart / Esslingen, 23. Januar 2018. Ministerpräsident Winfried Kretschmann verkündete heute im Rahmen der Landespressekonferenz den Kabinettsbeschluss zur Umsetzung der ersten vier Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg. Als Vertreter der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft im Südwesten zeigte sich AÖL-Geschäftsführer Dr. Christian Eichert über dieses Bekenntnis der Landesregierung zum Biolandbau hocherfreut: „Nachdem kurz vor Weihnachten 2017 die Stärkung des Ökolandbaus an der Universität Hohenheim finanziell besiegelt wurde, ist das heute Verkündete ein weiterer wichtiger Meilenstein bei der Konkretisierung des Aktionsplans ‚Bio aus Baden-Württemberg‘. Bio-Musterregionen sind ein innovativer und wirkungsvoller Weg, um dem gewachsenen gesellschaftlichen Bedarf an Ökoprodukten mit sinnvollen Maßnahmen und geeigneten Marktkonzepten zu begegnen. Die Vorbilder in Bayern und Hessen zeigen deutlich, wie fruchttragend solche Regionalinitiativen sind. Wir gratulieren den vier ausgewählten Regionen – Enzkreis, Landkreis Heidenheim mit Gemeinden des Ostalbkreises, Landkreis Ravensburg und den Landkreisen Bodensee/Konstanz – von Herzen und wünschen den Projektverantwortlichen sowie allen weiteren Beteiligten viel Erfolg und ein gutes Gelingen bei der Realisierung ihrer Vorhaben.“

Die AÖL begrüßt die von Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL geäußerte Zusage, es werde vor dem Hintergrund, dass der Landtag mit dem Doppelhaushalt 2018/19 zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt hat, nicht bei den vier Start-Regionen bleiben, sehr. Zudem müsse laut AÖL das zuständige Landwirtschaftsministerium nun die vereinbarte und für den Erfolg des Ansatzes zentrale Koordinationsstelle zeitnah besetzen.

Als Sektorvertretung werde man sich engagiert in die Umsetzung der nun ausgewählten Regionalkonzepte in den vier Regierungspräsidien einbringen. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die nun gestarteten Initiativen sieht die AÖL insbesondere im Schulterschluss mit den konventionell wirtschaftenden Berufskolleginnen und -kollegen. Zudem gelte es, dass Naturschutzverbände, Landschaftserhaltungsverbände und Akteure des ökologischen Landbaus in den Bio-Musterregionen an einem Strang ziehen. Ebenso müssten Synergien mit Bio-Verarbeitern und -Händlern geschaffen und die hier bereits erfolgten wertvollen Vorarbeiten genutzt werden. Laut Dr. Eichert sei man fest davon überzeugt, dass so aus räumlich begrenzten, innovativen Regionalkonzepten im Markt und in der Gesellschaft sichtbare Leuchttürme des Biolandbaus entstehen können, die weit über die einzelnen Regionen hinaus wahrzunehmen sind und die Vernetzung innerhalb des Sektors fördern.

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

 

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen, +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


Appell an Landesregierung: Baden-Württemberg muss Potenzial als Stammland des Ökolandbaus besser ausschöpfen

AÖL zieht nach Treffen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann Zwischenfazit zum landespolitischen Engagement in Sachen Ökolandbau

Bildunterschrift: V. l. n. r.: Dr. Christian Eichert, AÖL-Geschäftsführer, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Hans Bartelme, AÖL-Vorstand, Marcus Arzt, AÖL-Vorstand, Imme Schäfer, AÖL-Pressereferentin

Stuttgart / Esslingen, 14. November 2017. Im Zuge eines Austauschs mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann zog die AÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V.) ein Resümee zur Situation der ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft im Lande. Die Sektorvertreter machten deutlich, dass sie sich in Anbetracht des fortschreitenden gesellschaftlichen Umdenkens in Richtung Ökologie ein forscheres Engagement der Landespolitik für den Sektor wünschen würden. Gerade für diejenigen Bäuerinnen und Bauern im Land, die an Bio interessiert sind, etwaige wirtschaftliche Risiken einer Betriebsumstellung aber bislang noch scheuen, sei es wichtig, ein klares Zeichen zu setzen und Unterstützung zu signalisieren. So sei die Politik beispielsweise gefordert, bei der Verwendung von Ökoprodukten selbst als Vorbild voranzuschreiten, um den Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft tatkräftig voranzubringen. AÖL-Vorstand Hans Bartelme nannte in diesem Zusammenhang am Rande des Termins mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Erfolgsbeispiele Wien und Kopenhagen: „Die Stadt Kopenhagen hat es geschafft, in ihren städtischen Kantinen täglich rund 66.000 Bio-Gerichte anzubieten, die Stadt Wien versorgt sogar 85.000 Menschen pro Tag ökologisch. Das einzig grün regierte Bundesland in Deutschland hat derzeit nicht einmal eine Soll-Bestimmung zur Verwendung von ökologisch und regional erzeugten Nahrungsmitteln in seiner Landesbeschaffungsverordnung. Hier sehen wir dringenden Nachbesserungsbedarf.“

Ebenso sei es nicht verständlich, dass im Stammland des Ökolandbaus Baden-Württemberg keine einzige der insgesamt neun landwirtschaftlichen Landesanstalten ökologisch bewirtschaftet wird – und auch die in Landesbesitz befindlichen Unternehmen der Ernährungsindustrie noch nicht zu „Botschaftern“ für den Ökolandbau umgebaut wurden. Die Sektorvertreter sicherten Winfried Kretschmann zu, dass das Thema Rohstoffversorgung kein Hindernis für eine Umstellung auf Ökoproduktion mehr darstelle. Angesichts der derzeit laufenden Umstellungswelle auch vieler größerer Ackerbaubetriebe könne beispielsweise die Rohwarenversorgung eines Brauereiunternehmens ohne Probleme gewährleistet werden.

Die Verbandsvertreter sprachen gegenüber Ministerpräsident Kretschmann den Wunsch aus, sich bei der Verpachtung von Landesflächen für eine konsequente Bio-Bewirtschaftung einzusetzen und die eigenen Liegenschaften entsprechend umzustellen. Zudem solle die Überarbeitung der Ökokonto-Verordnung dafür genutzt werden, die Umstellung auf Öko-Bewirtschaftung als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in die Natur anzuerkennen. Dies sei in anderen Bundesländern bereits heute gelebte Praxis.

Als Stammland des Ökolandbaus habe Baden-Württemberg Vorbildcharakter weit über seine Landesgrenzen hinaus. Daher sei es mehr als wünschenswert, auch in Baden-Württemberg künftig einen landesweiten Öko-Aktionstag mit politischem Engagement des Staatsministeriums auszurichten. Die bisherigen Bemühungen in diesem Kontext konnten aufgrund administrativer und finanzieller Einschränkungen laut AÖL noch nicht die für den Sektor dringend nötige Strahlkraft und Signalwirkung entwickeln.

Die AÖL-Vertreter begrüßten die Zusicherung des zuständigen Landwirtschaftsministers Peter Hauk zur gemeinsamen Zwischenbewertung und nachfolgenden Weiterentwicklung des Aktionsplans „Bio aus Baden-Württemberg“. Damit eine Erweiterung des Aktionsplans um konkrete, für Sektor und Gesellschaft nutzenstiftende Maßnahmen möglich sei, müsse das Land jedoch den hierfür zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen im Sinne des Prinzips „Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen“ anpassen. Dem derzeit in der finalen Phase vorliegenden Doppelhaushalt 2018/19 fehle es an entsprechenden Ansatzpunkten. Hier wünschten sich die Vertreter ein Bekenntnis des Staatsministeriums. Auch müsse das Land das in den Nebenabsprachen hinterlegte Budget von jährlich zwei Millionen Euro vollständig für die Koalitionsaussage „Umsetzung von Bio-Musterregionen“ einsetzen. Bio-Musterregionen vernetzen die Akteure entlang der Wertschöpfungskette untereinander – also von der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung der Bio-Lebensmittel. Die Maßnahmen zur Umsetzung von Bio-Musterregionen seien zeitlich und inhaltlich auf einem guten Weg. „Darüber hinaus ist es erfreulich, dass relevante Forderungen des Sektors bei der konzeptionellen Ausrichtung der Bio-Musterregionen aufgegriffen wurden“, so der zweite AÖL-Vorsitzende Marcus Arzt abschließend.

Bildquelle: Staatsministerium Baden-Württemberg / Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL)

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Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Hintergrund zum Koalitionsvertrag: Mit ihrer im Mai 2016 geschlossenen Koalitionsvereinbarung hat die grün-schwarze Landesregierung das Bekenntnis verbunden, die baden-württembergische Landwirtschaft auf breiter Basis zu fördern und weiterzuentwickeln. Getreu dem Motto „Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen“ bekannten sich die Koalitionäre zur Ausrichtung der Agrarförderung an konkret erbrachten gesellschaftlichen Leistungen. An prominenter Stelle nimmt die Koalitionsvereinbarung Bezug zum ökologischen Landbau („Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“). Im Rahmen einer Landtagsdebatte sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk jüngst die Öko-Bewirtschaftung von landwirtschaftlicher Nutzfläche betreffend: „Auch wir in Baden-Württemberg haben ein Ziel vor Augen. Aber wir wollen nicht 20 Prozent, wir wollen mindestens 25 Prozent der Fläche. Ich glaube, das entspricht auch der höheren Kaufkraft und dem Bedürfnis der Bürger in unserem Land.“

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de


EU-Kommission hat Ziel verfehlt – Kommissionsentwurf zur Revision der EU-Öko-Verordnung muss jetzt gestoppt werden!

Esslingen, 19. September 2017. Für die AÖL steht fest: Der derzeit zur Diskussion stehende Kommissionsentwurf zur Revision der EU-Öko-Verordnung bedeutet für den wachsenden Sektor der ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft eine Verschlechterung anstatt einer Weiterentwicklung. Die grundlegenden Probleme lassen sich mit diesem Entwurf nicht lösen. Der vorliegende Kommissionsvorschlag muss folglich endgültig vom Tisch.

„Anstatt die von Sektorvertretern und unabhängigen Experten herausgearbeiteten Probleme des Ökolandbaus zu beseitigen und das Verbrauchervertrauen in Bio-Produkte zu stärken, drängt die EU-Kommission darauf, ein Gesetz zu erlassen, das die gesamte Öko-Branche um Jahrzehnte zurückwirft“, befürchtet Dr. Christian Eichert als Sprecher der AÖL. „Trotz der nun jahrelangen Verhandlungen beinhaltet der jetzt vorliegende Entwurf keine besseren, sondern deutlich schlechtere Regeln für unseren Sektor“, so Eichert weiter.

Mangelhafter Entwurf gefährdet Bio im Kern

Die Mängel betreffen dabei nicht nur einzelne Regelungen, sondern berühren mehrere Aspekte der Erzeugung von Bio-Produkten und des Handels mit ihnen im Kern. Besonders gravierend ist der nicht praktikable Umgang mit Verunreinigungen aus der konventionellen Landwirtschaft. So sollen Öko-Landwirte dazu verpflichtet werden, entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Dazu müssten sie versuchen, ihre konventionell wirtschaftenden Nachbarn zu Veränderungen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln zu bringen und dies auch noch dokumentieren. „Sollten diese unsinnigen Regeln in Kraft treten, würde dies zu sinnlosen ‚Grenzstreitigkeiten‘ zwischen Bio-Bauern und ihren konventionellen Kollegen führen. Eine solche Praxis ist realistisch nicht umsetzbar und hätte massive Konsequenzen für die Haftung der Bio-Bauern“, so Eichert.

Auch die Regelungen zur Kontrolle sind höchst problematisch. Sehr weitgehende Ausnahme-regelungen könnten dazu führen, dass viele Betriebe nicht mehr jährlich, sondern nur noch in jedem zweiten Jahr kontrolliert würden. „Die garantierte jährliche Kontrolle ist für das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Bio-Produkte elementar wichtig und darf nicht ausgehöhlt werden“, fordert Eichert im Namen der AÖL.

Offene Fragen und jahrelange Rechtsunsicherheit

Aufgrund vieler noch fehlender Produktionsregeln, die erst in Form von Anhängen und mittels Ermächtigungen definiert werden müssten, bleiben weiterhin offene Fragen in Bezug auf den zukünftig gültigen Rechtsrahmen für den Ökolandbau in der EU. „Bis über die vorgesehenen 34 delegierten Rechtsakte und 26 Durchführungsrechtsakte zu diversen Aspekten Klarheit besteht, würden mehrere Jahre vergehen – diese fortgesetzte Rechtsunsicherheit darf man der Branche nicht zumuten“, kritisiert Eichert.

Hintergrund zum Verfahren

Nachdem die Beschlussfassung über die Ergebnisse der Trilog-Verhandlungen – auch aufgrund der Bedenken des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt – von der Tagesordnung der Sitzung des Agrarrats im Juli genommen worden war, werden sich Agrarrat und Agrarausschuss des Europaparlaments in den nächsten Wochen wieder mit der Thematik befassen. Vorgesehen ist eine formale Abstimmung über die Ergebnisse des Trilogs ohne weitere inhaltliche Beratung. Sollten der Rat und das EU-Parlament den Trilog-Ergebnissen zustimmen, wäre die neue EU-Verordnung beschlossen.

 

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

 

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:
Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen
T. +49 711 550939-19, M. +49 151 17127729, E-Mail: imme.schaefer@bioland.de

 


Landwirtschaftsminister Peter Hauk MdL gibt Startschuss für Wettbewerb zu Bio-Musterregionen im Land

Esslingen, 31. Juli 2017. Aus Sicht von Landwirtschaftsminister Peter Hauk bietet der Südwesten gute Perspektiven zur Stärkung des Ökolandbaus entlang der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zu neuen Vermarktungswegen für regionale Bioprodukte. Bereits im zurückliegenden Jahr stellte täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb in Baden-Württemberg seine Produktion auf Bio um. Dieser Positivtrend setzt sich auch im Jahr 2017 ungemindert fort. Damit verzeichnet die hiesige ökologische Agrar- und Ernährungswirtschaft auf der Fläche und in den Regalen starke Zuwächse. Dr. Christian Eichert, AÖL-Geschäftsführer, verdeutlicht vor diesem Hintergrund:„Heute müssen etwa 30 Prozent der Biomilch sowie jeweils etwa 50 Prozent der Biokartoffeln und Biomöhren importiert werden.“ Der deutsche Ökomarkt sei in vielen Bereichen somit noch immer kein ‚Selbstversorgermarkt‘.

Der von Minister Peter Hauk heute verkündete Start des Wettbewerbs für erste vier Bio-Musterregionen stellt Eichert zufolge einen zentralen ersten Schritt zur Fortschreibung des Aktionsplans ‚Bio aus Baden-Württemberg‘ dar:„Der Ansatz der Bio-Musterregionen ist ein geeignetes und schlüssiges Konzept, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken und das Thema Bio innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen. Wir sind uns sicher, dass dadurch neue und nachhaltig wirksame Bio-Leuchttürme geschaffen werden und sich klare Chancen für noch mehr regionales Bio ergeben. Bei Ihnen, Herr Minister, möchten wir uns herzlich bedanken, dass der Wettbewerb heute angestoßen wurde.“ Eichert erinnert Peter Hauk in diesem Kontext an seine Zusage, das in den Nebenabsprachen des Koalitionsvertrags hinterlegte Budget von jährlich zwei Millionen Euro zeitnah vollständig für weitere Bio-Musterregionen bereitzustellen. Damit einher geht die notwendige personelle Aufstockung des zuständigen Referats im Ministerium, welches die Aktivitäten in den einzelnen Musterregionen bündeln und inhaltlich sowie konzeptionell eng begleiten soll. „Als Branchenvertretung sind wir erfreut über die Einhaltung des Zeitplans und das gute inhaltliche Vorankommen. Ebenso begrüßt die AÖL, dass relevante Forderungen des Sektors bei der konzeptionellen Ausrichtung der Bio-Musterregionen aufgegriffen wurden“, so Eichert.

In den benachbarten Bundesländern Hessen und Bayern werden mit den sogenannten Öko-Modellregionen laut Eichert vergleichbare Konzepte bereits erfolgreich umgesetzt:„Hessen und Bayern können im Zuge der Etablierung von Bio-Musterregionen hier im Land als Positivbeispiele dienen. Eine intensive Vernetzung auf Erzeugerebene gilt es auch in Baden-Württemberg anzustreben. In Bayern können sich umstellungsinteressierte konventionelle Landwirte – in einem ‚Bauer berät Bauer‘-Format – auf Demonstrationsbetrieben bei Berufskollegen Empfehlungen und Ratschläge einholen. Diese Möglichkeit zum fachlichen Austausch und ein gutes ‚Miteinander‘ sind vor dem Hintergrund der derzeitigen Verschiebung von konventioneller Landbewirtschaftung in Richtung Biolandbau sehr wichtig.“ Wünschenswert seien Eichert zufolge in diesem Kontext ferner eine Quervernetzung mit bestehenden Organisationsformen wie dem bundesweiten „Bio-Städte-Netzwerk“ sowie die enge Einbindung lokaler Wirtschaftspartner.

Nähere Informationen zu den Bio-Musterregionen finden Sie hier.

Hintergrund AÖL:Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

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„Grün-Schwarz muss Haushaltsverhandlungen mutig nutzen, um Umbau der Landwirtschaft positiv zu begleiten“

Angesichts der teilweise dramatischen Verwerfungen und anhaltender Preiskrisen in der konventionellen Landwirtschaft bietet der Südwesten erhebliches Potenzial für deutlich mehr Öko. Bereits im zurückliegenden Jahr stellte täglich ein landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb seine Produktion auf Bio um. Dieser Positivtrend setzt sich auch im Jahr 2017 ungemindert fort. Eine vergleichbare Dynamik verzeichnet die ökologische Ernährungswirtschaft – und auch im Handel ist heimisches Bio gefragt wie nie zuvor. Diese Entwicklung muss auch die Politik erkennen und die Finanzausstattung entsprechend anpassen. Anlässlich der derzeit laufenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2018/2019 fordert der Spitzenverband der baden-württembergischen Land- und Ernährungswirtschaft die grün-schwarze Landesregierung dazu auf, die Rolle Baden-Württembergs als Stammland des Ökologischen Landbaus nicht zu verspielen.

Eine Bewirtschaftung nach den Prinzipien des Ökologischen Landbaus geht Hand in Hand mit der von Grün-Schwarz vorangetriebenen Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltpolitik. Noch mehr Öko sollte daher im Interesse aller Ressorts sein. „Der Ökologische Landbau ist in vielerlei Hinsicht eine ‚Schlüsseltechnologie‘ für den Interessenausgleich zwischen Naturbewahrung, der wirtschaftlichen Erzeugung gesunder heimischer Lebensmittel und der Sicherung vitaler ländlicher Räume. Als enkelgerechte Form der Landbewirtschaftung sorgt unsere Wirtschaftsweise laut unabhängiger Untersuchungen dafür, dass auf biologisch bewirtschafteten Höfen per se deutlich mehr Biodiversität vorherrscht. So finden sich auf Öko-Äckern beispielsweise zwei- bis dreimal so viele Ackerwildkraut-Arten. Zudem ist die Nachfrage nach heimischen Bio-Erzeugnissen ungebrochen“, so Dr. Christian Eichert in seiner Funktion als Geschäftsführer der AÖL.

 

„Baden-Württemberg muss seine Rolle als Stammland des Ökolandbaus weiter ausbauen“

 

An die Verhandlungspartner gerichtet erinnert die AÖL an die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags. Dort sei hinterlegt, dass Grün-Schwarz den Ökologischen Landbau stärken und weiterentwickeln wird. So gelte es nun unter anderem die nötigen Mittel bereitzustellen, um die Verwendung von Öko-Erzeugnissen in den landeseigenen Kantinen voranzubringen, im Zuge einer zeitgemäßen Werbekampagne für die Verwendung von Bio-Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung zu sorgen, die dringend notwendigen Nachbesserungen und personellen Aufstockungen beim Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau KÖLBW auf der Hochburg in Emmendingen sicherzustellen sowie die Einrichtung einer Professur zum Ökologischen Landbau an der Universität Hohenheim finanziell abzusichern und zeitnah in die Tat umzusetzen.

Den in Bälde startenden Wettbewerb für die Einrichtung der vier ersten Bio-Musterregionen im Land betrachtet die AÖL als sehr gutes Konzept, um die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet zu stärken und das Thema Bio innovativ in die Breite der Bevölkerung zu tragen. Damit dieser Ansatz Wirkung erzielen kann und nachhaltig wirksame Projekte geschaffen werden können, gelte es jedoch das in den Nebenabsprachen des Koalitionsvertrags hinterlegte Budget von jährlich zwei Millionen Euro zeitnah vollständig für den Ansatz der Bio-Musterregionen bereitzustellen. Darüber hinaus sieht die AÖL die Notwendigkeit, zusätzliche Mittel für die Agrarumweltmaßnahmen Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung zu sichern.

„Wir möchten die grün-geführte Landesregierung heute an eines ihrer ureigenen Kernthemen erinnern. Es ist gut und richtig, dass die grün-schwarze Landesregierung weiterhin Gelder in den Umwelt- und Naturschutz lenkt. Dennoch plädieren wir dafür, dass dabei die Koalitionszusagen zum Ökologischen Landbau nicht auf der Strecke bleiben. Wir appellieren an die Verhandlungspartner, die selbst gesteckten Ziele verantwortungsvoll in den Blick zu nehmen. In Zeiten des fortschreitenden Umbaus der hiesigen Land- und Ernährungswirtschaft hin zu deutlich mehr Bio brauchen wir jetzt das klare Bekenntnis der Landesregierung und das dafür notwendige Budget für eine verlässliche Förderung“, so Eichert abschließend.

Hintergrund Koalitionsvertrag und Aussagen von Minister Peter Hauk zum Ökologischen Landbau: An prominenter Stelle nimmt die Koalitionsvereinbarung Bezug zum Ökologischen Landbau („Wir werden den ökologischen Landbau weiter voranbringen“). Im Rahmen einer Landtagsdebatte sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk jüngst: „Auch wir in Baden-Württemberg haben ein Ziel vor Augen. Aber wir wollen nicht 20 Prozent, wir wollen mindestens 25 Prozent der Fläche. Ich glaube, das entspricht auch der höheren Kaufkraft und dem Bedürfnis der Bürger in unserem Land.“ In ihrer Einjahresbilanz der grün-schwarzen Regierungsarbeit stellte die AÖL im Mai 2017 fest, dass die Regierungsfraktionen in vielen der politisch selbst gesteckten Ziele hinter dem Zeitplan zurückstehen und eine Umsetzung in konkrete Maßnahmen in einigen Bereichen bis heute ausgeblieben ist.

Hintergrund AÖL: Die AÖL ist die gemeinsame Vertretung der ökologischen Anbauverbände in Baden-Württemberg. In dieser Funktion gestaltet die AÖL aktiv die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Land mit. Als Bindeglied zwischen Politik, Markt und Verbraucher befördert sie die Belange der Ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft durch ein aktives Tun. Gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen und anderen berufsständigen Organisationen arbeitet sie die gesellschaftlich erwünschten Stärken von ökologisch erzeugten und verarbeiteten Produkten – im Besonderen von heimischer Öko-Verbandsware – im Interesse des Verbrauchers als Konsument wie als Steuerzahler heraus.

Ansprechpartnerin für Presseanfragen:

Imme Schäfer, Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL e.V.), c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V., Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen,                          

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Tagung „Landwirtschaft: Auf zu neuen Ufern“ gibt Anstöße für GAP-Neuausrichtung Minister Peter Hauk plädiert für Verantwortungsgemeinschaft

Eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Agrarförderung beinhaltet weit mehr als die wirtschaftliche Unterstützung der Landwirtschaft: Die Frage ist vielmehr, wie auch ökologisch und sozial bestmögliche Förderinstrumente entwickelt werden können. Die Laufzeit der aktuellen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union endet im Jahr 2020. Doch schon heute werden die Weichen dafür gestellt, wie die jährlich rund 60 Milliarden Euro im EU-Agrarhaushalt künftig verteilt werden. Im Rahmen der Tagung „Landwirtschaft: Auf zu neuen Ufern“, die am vergangenen Donnerstag, 13. Juli 2017, in Kooperation mit den baden-württembergischen Landesverbänden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sowie der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. (AÖL) in der Evangelischen Akademie Bad Boll stattfand, diskutierten zahlreiche Sektorvertreterinnen und -vertreter kontrovers die gesamtgesellschaftlich relevanten Aspekte der GAP. 

In seinem Impulsvortrag sprach Peter Hauk MdL, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, sich klar für eine Verantwortungsgemeinschaft aus: „Wir erwarten von der Landwirtschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur – doch zugleich muss auch vonseiten der Gesellschaft Verständnis für die Landwirtschaft aufgebracht werden. Auch im Umgang mit unseren Landwirtinnen und Landwirten sollten wir Verantwortungsbereitschaft zeigen.“ Ein zweiter Schwerpunkt war die Bedeutung regionaler Landbewirtschaftung und Lebensmittelproduktion: „Wir müssen den baden-württembergischen Landwirtinnen und Landwirten in ihrem konkreten Tun und Handeln den nötigen Freiraum lassen, sonst bleibt der Wunsch nach Erzeugnissen aus der Region ein reines Lippenbekenntnis.“

Im Anschluss analysierte Prof. Dr.-Ing. Frieder Haakh, Direktor und Technischer Geschäftsführer des Zweckverbands Landeswasserversorgung, die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Wasserqualität hierzulande. Der Vortrag machte deutlich, dass in Deutschland ein Nitratproblem herrsche: Deutschland sei wegen Nichtumsetzung der Nitratrichtlinie mit einer von der EU-Kommission gut begründeten Klage vor dem Europäischen Gerichtshof konfrontiert. Obwohl im Durchschnitt in Baden-Württemberg laut Messung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg die Nitratbelastung rückläufig sei, zeige das Haupteinzugsgebiet der Landeswasserversorgung einen ansteigenden Trend. „Die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft sind ursächlich für die Nitratverseuchung des Grundwassers. Wir haben somit kein Erkenntnisdefizit, sondern ein massives Umsetzungsdefizit“, betonte Haakh. Insbesondere an einer Verbesserung der Stickstoffnutzungseffizienz müsse mit Nachdruck gearbeitet werden. Eine Vorbildfunktion komme hier Öko-Betrieben zu, deren Stickstoffnutzungseffizienz deutlich über dem Durchschnitt liege und bis zu 90 Prozent erreichen könne.

Jan Plagge, Präsident von Bioland e.V. und Vorstandsmitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), ging der Frage nach, wie eine Land- und Ernährungswirtschaft der Zukunft aussehen kann und soll. Um Landwirtinnen und Landwirte, Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen im Blick zu haben, sei es notwendig, sich in den kommenden zwölf Monaten für eine grundlegend veränderte und damit umweltwirksamere und „grünere“ Agrarpolitik einzusetzen: „Gegenwärtig erreicht die GAP ihre zentralen Ziele nicht, sie ist nicht effektiv, nicht konsistent, setzt die falschen Anreize und erfüllt die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger Europas nicht.“ Laut Plagge ist die Honorierung von öffentlichen Leistungen, die der Markt nicht vergütet, ein wichtiger Schritt, um die Landwirtschaft stärker auf ökologische und gesellschaftliche Ziele auszurichten und zugleich das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern auf mehrere verlässliche Säulen zu stellen. 

Mögliche Wege zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt zeigte Dr. Rainer Oppermann, Leiter des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim, auf. Der Referent wies darauf hin, dass trotz aller Bemühungen und guter Agrarumweltprogramme im Bezugsraum Baden-Württemberg die Artenvielfalt weiterhin rückläufig sei – und das, obwohl dem naturräumlich vielfältigen Südwesten als „Schicksalsland für das Grünland in Deutschland“ eine Schlüsselrolle zukomme. Zwar gebe es Erfolgsbeispiele im Ackerland und beim Grünland, doch reichten diese qualitativ und quantitativ nicht aus. Maßnahmen für mehr Biodiversität umzusetzen, sei nicht nur Aufgabe des Landes Baden-Württemberg, sondern liege in der Verantwortung von jedem und jeder, von Kommunen über Kirchen und Verbände bis hin zu Privatleuten. „Gemeinden sollten Versuchsflächen anlegen und unterhalten. Landwirte könnten durch lichte, weite Reihen auf ihren Getreideäckern und durch die Haltung seltener Tierrassen einen Beitrag leisten“, appellierte Oppermann an die Zuhörer.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion, an der auch Heike Hespe als Referatsleiterin Agrarpolitik für das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg teilnahm, war die Notwendigkeit eines Schulterschlusses zwischen allen, die an Landwirtschaft beteiligt sind, zentraler Konsens. Ein Miteinander statt eines Gegeneinanders sei angezeigt, wie auch in Wortbeiträgen der engagierten Tagungsbesucher immer wieder deutlich wurde: Eine Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger gegenüber Landbewirtschaftung, auch im eigenen direkten Umfeld, sei erforderlich. Über alle Interessengruppen und Blickwinkel hinweg sei es für den Sektor von entscheidender Bedeutung, in einem ständigen Dialog zu bleiben – gerade auch bei Themen mit Konfliktpotenzial. Dass die Bürger Europas an Entscheidungsprozessen durchaus teilhaben und „mit ins Boot geholt werden“ möchten, habe nicht zuletzt die große Anzahl an Beiträgen im Rahmen der europäischen Online-Konsultation zur GAP jüngst vor Augen geführt, so das Fazit der Diskussionsrunde.  

Doppelte Aussendungen dieser Pressemeldung bitten wir zu entschuldigen. 

Sollten Sie die im Anhang befindlichen Fotos in einer höheren Auflösung wünschen, wenden Sie sich bitte an mich.

Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne unter +49 711 550939-19 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Imme Schäfer
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Imme Schäfer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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